Am Samstag zu Gast beim HSV

Werder-Zeitreise: Das Nordderby in Superlativen

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Seit 1927 finden Nordderbys zwischen Werder und dem HSV statt. Klar, dass da unzählige Geschichten zusammengekommen sind.

Kein Bundesliga-Derby hatte so viele Ausgaben wie das Duell zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV. Am Samstag treffen sich die beiden Kontrahenten zum 105. Mal seit Gründung der heute höchsten deutschen Spielklasse im Jahr 1963. Doch auch vorher gab es schon brisante Matches um den Rang als Nummer 1 im Norden. Mit beeindruckenden und tragischen Superlativen. Eine Zeitreise durch die Geschichte des Nordderbys.

Der höchste Werder-Sieg

Ailton bejubelt seinen Treffer beim 6:0 der Werderaner gegen den HSV

Es ist noch gar nicht so lange her, da schickte Werder Bremen den Hamburger SV in der Saison 2003/2004 mit einem 6:0 Heimsieg wieder nach Hause. Der höchste Werder-Sieg gegen die Rothosen und zugleich der höchste Sieg einer Mannschaft im Nordduell der Bundesliga-Geschichte. In die Torjägerliste trugen sich Valérian Ismael, Ivan Klasnic, Ailton, Nelson Valdez und Viktor Skripnik ein. Hamburgs Sergej Barbarez hatte den Reigen mit einem Eigentor eröffnet. Einige Jahre vor der Gründung der heute höchsten Spielklasse Deutschlands hatte der HSV unterdessen einen noch höheren Sieg im Kampf um die Pokal-Teilnahme eingefahren.

Das torreichste Derby

Im Jahr 1959 gelang dem HSV im eigenen Stadion ein 9:1-Sieg gegen Werder in der Vorrunde zum DFB-Pokal. Schon zur Halbzeit war das Match beim Stand von 5:1 entschieden. Es war gleichzeitig der höchste Derby-Sieg einer Mannschaft überhaupt. Ein Tor weniger zeichnet das torreichste Nordduell in der 1963 gegründeten Bundesliga aus. In Hamburg sahen im Januar 1977 rund 18.000 Zuschauer ein 5:3 (1:1) im Aufeinandertreffen der beiden Clubs.

Das erste Derby

Zum allerersten Mal waren die beiden Kontrahenten bereits 1927 aufeinander getroffen. Der HSV konnte die Begegnung der Meisterschafts-Vorrunde im damals noch ABTS-Kampfbahn genannten Bremer Stadion mit einem 4:1-Erfolg für sich entscheiden.

Bilder: Das Bremer Weser-Stadion im Wandel der Zeit

Das ruppigste Derby

Tim Wiese geht unnötig rabiat gegen den heranstürmenden Olic vor.

Das Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten in Hamburg am 7. Mai 2008 ist in vielerlei Hinsicht das brutalste Match der Derby-Geschichte. Nicht nur, dass Werder-Keeper Tim Wiese zum unschönen Kung-Fu-Tritt gegen HSV-Stürmer Olic ausholte, die Begegnung war mit neun Verwarnungen und zwei Platzverweisen auch das kartenreichste der Nordduelle. Dabei langten vor allem die Bremer mächtig zu. Neben Wiese wurden weitere fünf Spieler mit Geld bedacht, der heutige Werder-Manager Frank Baumann bekam zudem noch eine zweite und damit gelb-rote Karte. Jurica Vranjes wurde mit Glattrot nach einer Tätlichkeit des Feldes verwiesen.

Der torgefährlichste Derby-Spieler

Claudio Pizarro könnte noch zum größten Derby-Schreck für den HSV werden.

Claudio Pizarro traf in 33 Pflichtspielen gegen den HSV zwar stolze 21-mal. Nur sechs der Treffer erzielte er allerdings als Stürmer von Werder Bremen. Von den aktiven HSV-Profis konnte lediglich Pierre-Michel Lasogga gegen die Grün-Weißen netzen – zweimal. Der Spieler mit den meisten Treffern in einem Derby ist dennoch ein Hamburger. Horst Hrubesch war zwischen 1979 und 1982 achtmal gegen die Bremer erfolgreich – zweimal unterdessen mit einem Dreierpack, einmal im DFB-Pokal. Vier weitere Treffer gegen Werder gelangen ihm im Dress von Rot-Weiß Essen. Für Bremen traf noch häufiger als Pizarro die im vergangenen Jahr verstorbene Werder-Legende Arnold Schütz mit sieben Torerfolgen. Rudi Völler erzielte im Werder-Trikot sechs Tore gegen den HSV.

Das tragischste Derby auf dem Platz

Ditmar Jakobs muss nach dem schweren Unfall seine Karriere beenden.

Bei einem Rettungsversuch im September-Duell 1989 rutschte Nationalspieler Ditmar Jakobs ins eigene Tor. Dabei bohrte sich ein Karabinerhaken der Netzverankerung in den Rücken des Hamburger Verteidigers. Ganze 20 Minuten dauerte es, bis der schwer verletzte HSV-Profi befreit werden konnte. Für Jakobs bedeutete die Verletzung das Karriereende, denn beim notwenigen Eingriff des Hamburger Mannschaftsarztes, der den Haken mit einem Skalpel aus Jakobs Rücken herausschneiden musste, wurden Nervenbahnen entlang der Wirbelsäule durchtrennt.

Das traurigste Derby abseits des Platzes

Nach dem Tod von Werder-Fan Adrian Maleika

Es war der erste gewaltsame Tod eines Fußball-Fans im Rahmen eines Spiels. Adrian Maleika war Anhänger des SV Werder und wurde bei einer Auswärtsfahrt nach Hamburg 1982 von der bekannten HSV-Hooligan-Gruppe „Die Löwen“ in der Nähe des Volksparkstadions so brutal angegriffen, dass er einen Tag später im Krankenhaus in Hamburg-Altona einem Schädelbasisbruch und inneren Blutungen erlag. Wer genau Maleika getötet hat, ist bis heute unbekannt. Im Nachgang der Vorfälle trafen sich Fan-Delegierte beider Vereine, um ein „Stillhalteabkommen“ zu vereinbaren. 

Die kurioseste Derby-Geschichte

Die spielentscheidende Papierkugel

Als Werder 2009 im UEFA-Pokal-Halbfinale auswärts über den HSV triumphierte, hatten die Grün-Weißen ungewollte Mithilfe der HSV-Anhänger. In einer Verkettung unglücklicher Umstände landete eine Papierkugel, die im Fanblock der Hamburger vermutlich aus Choreo-Material geformt wurde, auf dem Feld. Wegen dieses berühmt gewordenen Hindernisses auf dem Platz versprang der Spielball zur Ecke für Grün-Weiß, die zum Tor für Werder führte. Bremen gewann 3:2 und zog ins Finale ein. Für den HSV blieb bundesweiter Hohn, der in den folgenden Wochen vor allem in den Stadien von Werder und dem FC St. Pauli mit eigenen Spott-Choreos zelebriert wurden.

Die schmachvollste Bremer Derby-Niederlage

Die Bremer Schmach in Hamburger Trikots 

Die Bremer Niederlage 1971 war eine besondere Schmach. Nicht nur, dass die Werderaner, die erstmals nicht in Grün-Weiß, sondern rot-weiß gestreift mit Bremer Schlüssel auf der Brust aufliefen, die Partie verloren, sie mussten die Pleite auch noch in den Ausweichtrikots des Gastgebers hinnehmen. Der rot-weiße Dress, den die Bremer dabei hatten, ähnelte dem der Hamburger zu sehr. Im zweiten Durchgang musste Werder auf Anordnung des Schiedsrichters im zweiten Trikotsatz des HSV auflaufen. Das Spiel endete 1:2 aus Bremer Sicht.

nordbuzz-Kommentar: 

Nordderby ohne Zampano: Der Wiese-Weg führt nicht zu Werder – schade

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