Zwei Wochen vor Rio: Handballer noch nicht in Medaillenform

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Hat noch einige Arbeit vor sich: Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Foto: Marijan Murat

Handball-Europameister Deutschland muss sich bis zu den Olympischen Spielen noch mächtig steigern, um sich den Medaillenwunsch zu erfüllen. Beim EuroTournoi in Frankreich reichte es mit Mühe zum Sieg gegen Ägypten und zum dritten Platz. Frankreich gewinnt das Turnier.

Straßburg (dpa) - Die deutschen Handballer sind zwei Wochen vor Beginn des Olympia-Turniers noch weit von der Medaillenform entfernt. Beim Vier-Nationen-Turnier im französischen Straßburg gewann der Europameister das Duell der Kontinental-Champions gegen Afrikas Titelträger Ägypten mit 30:27 (13:11).

Spielerisch aber konnte das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson wie schon bei der 19:25-Niederlage im Halbfinale am Freitag gegen Dänemark nicht überzeugen. Dafür fehlte es den Spielern nach der intensiven Vorbereitung an der nötigen Spritzigkeit und gedanklichen Frische.

Durch den Erfolg belegte die Auswahl des Deutschen Handballbundes Platz drei beim EuroTournoi. Weltmeister Frankreich setzte sich anschließend im Finale gegen Dänemark mit 29:25 (17:12) durch. Für den Olympiasieger war es der vierte Sieg hintereinander bei dem vor-olympischen Vier-Nationen-Turnier im heimischen Straßburg. Damit unterstrichen die Franzosen zwei Wochen vor Beginn des olympischen Handball-Turniers, in Rio de Janeiro wieder zu den Mitfavoriten auf Gold zu gehören. Vor 5200 Zuschauern gab sich der Gastgeber keine Blöße, nachdem er beim 30:26-Halbfinalerfolg gegen Ägypten noch Probleme hatte.

Beim Spiel der Deutschen zuvor warf Uwe Gensheimer acht Tore gegen die Ägypter, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro letzter Gruppengegner der deutschen Mannschaft sind. "Wir haben noch einiges zu verbessern", konstatiert Gensheimer. Wieder ein wenig versöhnt mit seiner Mannschaft war der Bundestrainer. "Ich bin nicht zufrieden, dass wir gegen Dänemark verloren haben. Das waren zwei Spiele und ich hätte beide gern gewonnen. Mit dem Sieg gegen Ägypten bin ich zufrieden", bilanzierte er. "Das ist wie ein Bein im kalten Wasser und ein Bein im warmen Wasser. Ich will immer warmes Wasser."

Das Spiel um Platz drei hatte mit einer Gedenkminute für die Opfer des Amoklaufs von München begonnen. Zudem spielte die deutsche Mannschaft erneut mit Trauerflor.

In einem ungemein zähen Spiel, das wegen der tropischen Temperaturen in der Halle für Wischpausen ständig unterbrochen werden musste, kam das deutsche Team einmal mehr nicht in Tritt. Nach acht Minuten lief der Europameister einem 3:6-Rückstand hinterher. Wie schon gegen Dänemark zwei Tage zuvor gingen zu viele Bälle im Angriff verloren.

In der Offensive tat sich die deutsche Mannschaft mit der aggressiven Abwehr der Nordafrikaner schwer. Zu selten fanden Kapitän Gensheimer und seine Mitspieler geeignete Mittel, um den Riegel zu knacken. Doch auch die Defensive offenbarte unerwartete Probleme. Allein fünf Tore erzielten die Ägypter in der ersten Halbzeit vom Siebenmeter-Punkt, weil die wuchtigen Angreifer nur mit Fouls zu stoppen waren.

Erst in den letzten zehn Minuten des ersten Durchgangs fand die DHB-Auswahl durch Kampf ins Spiel. Nach dem 8:11 (22. Minute) drehte der Europameister das Spiel und setzte sich dank fünf Treffern in Serie bis zur Pause auf 13:11 ab. Nach Wiederanpfiff baute das deutsche Team seinen Vorsprung auf 17:13 (39.) aus. Diesen Vorteil gab das Team um Kapitän Gensheimer bis zum Ende nicht mehr aus der Hand.

Die weiter noch nicht einsatzfähigen Olympia-Nachrücker Steffen Fäth und Steffen Weinhold standen zwar wie erwartet nicht auf dem Spielberichtsbogen, machten sich überraschend vor dem Spiel mit der Mannschaft warm. Dies nährt die Hoffnung, dass das Rückraum-Duo rechtzeitig bis zum Beginn des olympischen Handball-Turniers am 7. August fit wird und für den Fall der Fälle ins Team rücken könnte. Bundestrainer Sigurdsson aber gab noch keine Entwarnung. "Es geht in die richtige Richtung. Wir müssen das beobachten", sagte der Isländer. Fäth kämpft noch mit den Folgen eines Mittelhandbruchs, Weinhold hatte sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen.

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