BGH-Entscheidung

SV Wilhelmshaven bezwingt FIFA: Irregulärer Zwangsabstieg

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Im Jade Stadion in Wilhelmshaven kann gejubelt werden.

Der kleine SV Wilhelmshaven lässt sich nicht einschüchtern – und bezwingt am Ende die mächtigen Fußball-Verbände. Nach jahrelangem Rechtsstreit steht nun fest: Der SV Wilhelmshaven wurde zu Unrecht aus der Regionalliga ausgeschlossen und in die Bezirksliga versetzt.

Der SV Wilhelmshaven geht aus dem jahrelangen Machtkampf mit den Fußball-Verbänden als großer Sieger hervor. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe erklärte am Dienstag den 2012 von der FIFA verhängten Zwangsabstieg des Ex-Regionalligavereins für unwirksam. Die Satzung des Norddeutschen Fußball-Verbands (NFV), der den Abstieg vollstreckt hatte, biete dafür keine ausreichende Grundlage. Wilhelmshaven fordert jetzt die Wiedereingliederung in die Regionalliga und will Entschädigung für die finanziellen Einbußen.

Der Club hatte sich geweigert, für einen ehemaligen Spieler eine nach FIFA-Regularien fällige Ausbildungsentschädigung zu zahlen, insgesamt 157 500 Euro. Zur Strafe ordnete die FIFA den Zwangsabstieg an, der SVW flog zum Ende der Saison 2013/14 aus der Regionalliga Nord. Aufsichtsrat Harald Naraschewski sagte nach der Urteilsverkündung zu den nächsten Schritten, der SVW wolle nicht unbedingt klagen. "Wir waren immer zu einer gütlichen Regelung bereit und sind es auch jetzt."

„Haben Silber, jetzt geht es um Gold“

„Wir haben quasi die Silbermedaille gewonnen, nun geht es noch um Gold. Wir werden dem DFB und dem NFV klarmachen, das dieses Unrecht wieder in Ordnung gebracht werden muss“, so SVW-Aufsichtsrat Harald Naraschewski gegenüber „Radio Bremen“. „Das heißt: den Zwangsabstieg rückgängig machen, eine Rückgliederung in die Regionalliga und einen Schadenersatz, um die wirtschaftlichen Nachteile auszugleichen – und die liegen im siebenstelligen Bereich.“

Der NFV, der die Revision in Karlsruhe angestrengt hatte, war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Verband war der Ansicht, Wilhelmshaven habe sich durch die Teilnahme am Spielbetrieb automatisch den FIFA-Regeln unterworfen.

Ausbildungsentschädigung weiter ungeklärt

Der Richterspruch bezieht sich nur auf den Zwangsabstieg. Es ging nicht um die Frage, ob Wilhelmshaven die Ausbildungsentschädigung hätte zahlen müssen. Der BGH klärte auch nicht, ob das System der Ausbildungsentschädigungen insgesamt gegen EU-Recht verstößt. Das hatte das Oberlandesgericht Bremen in der Vorinstanz angenommen. Nach den FIFA-Regularien müssen Clubs bei Wechseln junger Spieler durch Zahlung einer pauschalen Summe den finanziellen Aufwand einer Ausbildung ausgleichen, der ihnen selbst nicht mehr entsteht.

In einer Stellungnahme teilte der NFV am Nachmittag mit zunächst die ausführliche schriftliche Urteilsbegründung abwarten und gemeinsam mit dem DFB analysieren zu wollen. Umgehend wolle man klären, ob sich aus dem Urteil Regressansprüche ergeben und welche Änderungen in den Satzungen der Verbände notwendig werden. „Denn ein rechtssicherer Spielbetrieb sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene ist ohne einheitliche, nachvollziehbare und verbindliche Regelungen nicht möglich“, so NFV-Präsident Eugen Gehlenborg.

Mit dpa-Material (Ini)

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