Wegen Zika-Virus

Immer mehr Sport-Stars sagen für Olympische Spiele ab

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Milos Raonic.

London - Aus Angst vor dem Zika-Virus sagen immer mehr Sportler ihre Teilnahme an den Sommerspielen in Rio ab. Die Beschwichtigung von offizieller Stelle bleibt in diesen Fällen ungehört.

Die Angst vor einer Zika-Infizierung hält immer mehr Sportler von einer Teilnahme an den Sommerspielen in Rio ab - nach unzähligen freiwilligen Verzichtserklärungen aus dem Golfsport rollt die jüngste Absagenwelle nun durch das Tennislager. Der Tenor dabei: Es gibt Wichtigeres als den Sport. Selbst dann, wenn es Olympia ist.

"Ich möchte es nicht riskieren, nach meiner Karriere keine eigene Familie gründen zu können", teilte etwa Rumäniens Top-Spielerin Simona Halep mit: "Die Risiken sind zu hoch für meine Karriere und meine Gesundheit - gerade für mich als Frau."

Auch die tschechischen Profis Tomas Berdych und Karolina Pliskova zogen zurück, Wimbledon-Finalist Milos Raonic aus Kanada will angesichts der undurchsichtigen Situation ebenfalls nicht nach Brasilien reisen.

"Es tut mir sehr leid, aber die Gesundheit meiner Familie hat höchste Priorität", schrieb Berdych auf Twitter, Landsfrau Pliskova teilte "die Sorgen über die möglichen Auswirkung einer Ansteckung mit dem Zika-Virus." Und Raonic, der anders als Pliskova bereits 2012 bei Olympia in London aufgeschlagen hatte, begründete seine Absage "schweren Herzens nach vielen langen Gesprächen" auch mit der "Unsicherheit um das Zika-Virus."

Die Gründe sind nachvollziehbar, doch die regelmäßigen Absagen tun dem Ansehen der Sportarten keinesfalls gut. Es überrascht daher nur wenig, dass die Präsidenten der betroffenen Weltverbände längst in die Offensive gehen und um Beschwichtigung bemüht sind. Weitere Athleten sollen bloß nicht folgen!

Hatte Peter Dawson, der Präsident des Golf-Weltverbandes IGF, nach den Absagen von Rory McIlroy und Co. noch von einer "Überreaktion zur Zika-Situation" gesprochen, meinte David Haggerty vom Tennis-Weltverband ITF nun: "Wir verstehen und respektieren die Sorge wegen des Zika-Virus, aber das Internationale Olympische Komitee hat uns versichert, dass alle nötigen Vorkehrungen getroffen werden, um das Risiko für die Athleten, Funktionsträger und Fans einzuschränken."

WHO warnt vor Panikreaktionen

Das von der Stechmücke Aedes aegypti übertragene Zika-Virus soll bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind zur Folge haben. Laut dem Zika-Report der Weltgesundheitsorganisation WHO vom 4. Mai ist der Krankheitserreger in 57 Ländern und Hoheitsgebieten aktiv, 37 davon auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent.

"Wir werden Winter haben. Bereits heute haben wir in Florida ein höheres Risiko, mit Zika infiziert zu werden, als in Rio", beruhigte Mario Andrada, der Sprecher des Olympia-Organisationskomitees. OK-Chef Arthur Nuzman äußerte sich weniger diplomatisch und klagte vor allem die Golfer an. "Sie nehmen Zika als Ausrede", sagte er, "aber in Florida ist es viel schlimmer und da spielen sie Golf." Aber wer mag den Sportlern die Absagen übel nehmen, wenn selbst Experten über den Grad der Gefahr uneins sind?

Auf der einen Seite mahnte die WHO vor Panikreaktionen, auf der anderen Seite hatte Ende Mai aber auch eine Gruppe von 150 internationalen Ärzten und Wissenschaftlern wegen Zika auf eine Verschiebung von Olympia 2016 gedrängt. Die Spiele wie geplant auszutragen, hieß es in dem offenen Brief an die WHO, wäre "unverantwortlich" und "unethisch".

Sportler, die sich trotz aller Bedenken zu einer Teilnahme überwinden, gehen jedenfalls auf Nummer sicher. "Mein Sperma einzufrieren ist eine Möglichkeit, die ich in Betracht ziehen muss", sagte der 35-jährige Pau Gasol von den Chicago Bulls: "Ich habe mich informiert. Das hat meine Befürchtungen bestätigt, auch wenn die Risiken minimal sind."

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sid

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