Offener Brief an IOC-Präsident Thomas Bach

Clemens Prokop fordert indirekt Olympia-Ausschlüsse

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Clemens Porkop, Präsident des DLV hat sich mit einem offenen Brief an IOC-Präsident Thomas Bach gewandt.

München - Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hat in einem offenen Brief an IOC-Präsident Thomas Bach indirekt Olympia-Ausschlüsse von Athleten aus Ländern ohne funktionierendes Doping-Kontrollsystem gefordert.

"Sehr geehrter Herr Präsident, Sie werden häufig mit den Worten zitiert: 'Der Schutz der sauberen Sportler hat Vorrang'. Die Erkenntnisse der jüngeren Vergangenheit zu den Olympischen Spiele 2008 und 2012 haben gezeigt, dass die Chancengleichheit ganz offensichtlich nicht durchgängig gegeben war", schrieb Prokop in den Brief: "Damit sind nicht nur Athletinnen und Athleten betrogen worden, auch das IOC und die olympische Idee sind hintergangen worden. Ich bitte Sie daher, die Sorge der Athletinnen und Athleten ernst zu nehmen und alle Möglichkeiten für glaubwürdige und chancengleiche Wettkämpfe in Rio auszuschöpfen. Dies sind wir gemeinsam den Athletinnen und Athleten schuldig."

Prokop verfasste den Brief, der in Kopie auch an Sebatian Coe, den Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF ging, auf Wunsch einiger deutscher Leichtathleten. "Die Grundproblematik gilt aber für alle Sportarten", sagte der DLV-Präsident auf SID-Anfrage. Er wollte die Zeilen auch nicht nur auf Russland bezogen sehen: "Russland ist nur ein Teil des Problems." Am 17. Juni will die IAAF entscheiden, ob die russischen Athleten für die Olympischen Spiele in Rio (5. bis 21. August) gesperrt bleiben.

Chancengleichheit laut Prokop nicht mehr gewahrt

Eine Startberechtigung vermeintlich sauberer Athleten, die bei den vom IOC angekündigten verschärften Testprogramm bis Rio nicht mehr auffallen, lehnt Prokop ab. "Nach den bekannten Fakten über die Wirkung entfaltet Doping seinen größten Nutzen, wenn es in den Zeiten der höchsten Trainingsbelastung genommen wird, im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2016 also im Herbst 2015 und im Frühjahr 2016. Nur wenn in diesen Zeiträumen vergleichbare Kontrollbedingungen bestanden haben, besteht in Rio auch Chancengleichheit im Wettkampf", schrieb Prokop.

Die Zeit unmittelbar vor den Olympischen Spielen spiele bezüglich der Wirkung des Dopings eine "nachgeordnete Rolle", die "möglicherweise jetzt eingeleiteten strukturellen Maßnahmen in Ländern mit Defiziten haben keinerlei kurzfristige Auswirkungen auf eine glaubwürdige Wiederherstellung von Chancengleichheit."

Sollten Athletinnen und Athleten aus den betreffenden Ländern trotzdem in Rio starten dürfen, "sehen Athletinnen und Athleten des DLV das Prinzip der Chancengleichheit nicht mehr gewahrt, da in diesem Fall keine belastbare Aussage getroffen werden kann, ob eine Athletin, ein Athlet Dopingmittel in der maßgeblichen Zeit genutzt hat oder nicht", so Prokop.

sid

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