Nach WADA-Report zu Russland-Doping: Warten auf das IOC

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Das IOC will am Dienstag über mögliche Maßnahmen entscheiden. Foto: Kay Nietfeld

Das IOC hat nach der WADA-Untersuchung "härtest mögliche Sanktionen" gegen den russischen Sport angekündigt. Doch wie reagiert die Ringe-Organisation auf die Erkenntnisse zum jahrelangen Staatsdoping in Russland?

Toronto (dpa) - Das Internationale Olympische Komitee will nach den Enthüllungen über staatlich gelenktes Doping in Russland schnell über mögliche Maßnahmen entscheiden.

Bereits am Dienstag soll die IOC-Exekutive zu einer Telefonkonferenz einberufen und vorläufige Maßnahmen und Sanktionen im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio besprochen werden.

"Die Ergebnisse des Berichts zeigen einen schockierenden und beispiellosen Angriff auf die Integrität des Sports und die Olympischen Spiele", hatte IOC-Präsident Thomas Bach am Montag nach der Veröffentlichung des Berichts der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA gesagt. "Daher wird das IOC nicht zögern, die härtest möglichen Sanktionen gegen jede beteiligte Person oder Organisation zu ergreifen." Bislang hat Bach einen kompletten Ausschluss Russlands von Olympia abgelehnt.

Die Zeit drängt. In zweieinhalb Wochen beginnen in Rio die Olympischen Spiele. Die WADA empfahl dem IOC und dem paralympischen Komitee IPC, einen Komplett-Ausschluss der russischen Sportler von Olympia und den Paralympics zu prüfen. Bei den Leichtathleten verhängten die IAAF bereits die Höchststrafe: russische Sportler dürfen nicht zu Olympia starten.

Russlands Staatspräsident Wladimir Putin kündigte erste Maßnahmen an. "Funktionäre, die in dem Bericht als direkt Beteiligte genannt werden, sollen bis zum Ende der Untersuchungen suspendiert werden", sagte er. Am späten Abend wurde dann bekannt, dass Regierungschef Dmitri Medwedew den stellvertretenden Sportminister Juri Nagornich suspendiert habe. Der 44-Jährige werde von seinen Aufgaben entbunden, bis die WADA-Vorwürfe geklärt seien, sagte Regierungssprecherin Natalja Timakowa der Agentur Interfax.

Spekulationen, nach denen auch Sportminister Witali Mutko möglicherweise von Maßnahmen betroffen sein könnte, wies Kremlsprecher Dmitri Peskow zurück. Mutko werde im Bericht nicht als unmittelbar Beteiligter eingestuft.

Präsident Putin kritisierte indes, dass der Report auf den Aussagen eines Mannes mit "skandalösem Ruf" basiere - er meinte den Whistleblower Grigori Rodschenkow. Zudem forderte er von der WADA mehr Fakten und bezeichnete den Bericht als Rückfall in die 1980er-Jahre, als der Westen die Spiele 1980 in Moskau und die UdSSR die Spiele 1984 in Los Angeles boykottierten. Damals sei der Sport als Geisel genommen worden. "Jetzt beobachten wir einen gefährlichen Rückfall einer Einmischung der Politik in den Sport."

Die Vorwürfe gegen Russland sind allerdings erdrückend: Manipulierte Dopingproben, erschwindelte Medaillen und konspirative Hilfe durch den Geheimdienst. Russland hat nach Ansicht der WADA-Ermittler jahrelang Doping im Spitzensport staatlich geschützt und gefördert. Zwischen 2012 und 2015 seien 643 positive Doping-Proben russischer Athleten in rund 30 Sportarten, darunter auch elf aus dem Fußball, verschwunden - und sind damit negativ geworden.

Betroffen sind laut Untersuchungsleiter Richard McLaren neben den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 auch die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und die Schwimm-WM 2015 in Kasan.

WADA-Ermittlungsbericht als pdf

NADA-Statement zum WADA-Ermittlungsbericht

WADA-Homepage

IOC-Homepage

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