Start der French Open

Kerbers Plan: Mit Melbourne-Strategie zum Paris-Triumph

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Angelique Kerber mit ihrer Melbourne-Trophäe.

Paris - Der Druck steigt: Für Angelique Kerber wird es zu Beginn der Woche bei den French Open ernst. Erstmals tritt sie als Grand-Slam-Siegerin bei einem Major-Turnier an.

An ihre Sternstunde Down Under wird Angelique Kerber auch in den Tagen von Paris regelmäßig erinnert. Als Melbourne-Siegerin ist sie bei den French Open gefragt wie kaum eine andere. Egal, ob als Entertainerin beim sogenannten "Kids Day" vor 24.000 Zuschauern im Stade Roland Garros oder als Interviewpartnerin bei einer der internationalen TV-Stationen.

"Es hat sich schon einiges geändert. Aber von so einer Situation und so einem Erfolg wie bei den Australian Open träumt man doch ein Leben lang", sagte Kerber, die am Dienstag in ihrem Auftaktmatch auf Nürnberg-Siegerin Kiki Bertens (Niederlande) trifft.

Die neuen Verpflichtungen als eines der Aushängeschilder im Millionen-Geschäft erfüllt "Angie" auch an der Seine gut gelaunt. Vielleicht auch deshalb, weil sie die Weltranglistendritte ein wenig ablenken von den immensen Erwartungen, die vor der ganz besonderen Premiere auf ihr lasten.

Erstmals in ihrer Karriere geht Kerber als Grand-Slam-Champion bei einem Major-Turnier an den Start. Die 28-Jährige weiß um den Druck, gibt sich aber trotz der jüngsten Auftaktniederlagen bei den Sandplatz-Events in Rom und Madrid optimistisch. "Ich fühle mich selbstbewusst. Mein Rhythmus ist zurück, meine Schulter ist okay. Panik habe ich auf jeden Fall nicht", betonte Kerber.

An alten Gewohnheiten will sie auch in ihrer neuen Rolle festhalten. Forsche Titel-Ansagen? Fehlanzeige. "Ich möchte nicht ergebnisorientiert denken. Weil ich weiß: Das kann nur schiefgehen", meinte die Linkshänderin - und ermahnte sich selbst: "Ich muss versuchen, die Dinge nicht zu kompliziert zu machen." Einfacher gesagt als getan für einen frischgebackenen "Weltstar", wie Kerber vom Magazin Stern bezeichnet wurde.

Die Kielerin plant, mit der Down-Under-Strategie auch in Paris zum Erfolg zu kommen. Sie werde wie in Australien wieder alles so machen, als sei es ein "ganz normales" Turnier: "Alles beginnt von Neuem."

US-Ikone Chris Evert hat Kerber in Sachen Turniersieg jedenfalls ganz oben auf der Liste. "Ihr Service ist entschlossener. Falls es Angie gelingt, ihre Form von Melbourne abzurufen, ist sie definitiv eine Kandidatin auf den Titel in Roland Garros", sagte Evert bei www.Eurosport.de.

Überbordendes Selbstvertrauen wird bei einem selbstkritischen Charakter wie Kerber allerdings niemals zu entdecken sein. Gänzlich im Gleichgewicht befindet sie sich außerdem nach ihrem Geniestreich in der Rod-Laver-Arena Ende Januar gegen Branchenführerin Serena Williams (USA) noch nicht wieder.

Dem Turniersieg in Stuttgart, den Halbfinal-Teilnahmen in Miami und Charleston sowie starken Leistungen im Fed Cup stehen die Auftaktpleiten in Doha, Indian Wells, Madrid und Rom gegenüber. Die vielen Termine abseits des Courts haben Kraft gekostet. "Ich musste mich erst an die Rolle gewöhnen. Ich habe gemerkt, dass ich gelegentliche Auszeiten brauche", meinte Kerber, die frühestens im Halbfinale von Paris auf Titelverteidigerin Williams treffen kann.

Neben Kerber stehen 16 weitere deutsche Profis im Hauptfeld des bedeutendsten Sandplatz-Turniers - neun Frauen und sieben Männer. Sieger und Siegerin von Roland Garros kassieren ein Preisgeld von jeweils zwei Millionen Euro.

sid

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