Sie gewöhnt sich daran

Kerbers neue Rolle: "Du bist hier die Nummer eins"

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Angelique Kerber ist mental stärker geworden.

Singapur - Beim WTA-Finale könnte Angelique Kerber mit einem weiteren Sieg am Dienstag quasi schon das Halbfinal-Ticket lösen. Auch Coach Torben Beltz hat großen Anteil am Aufstieg der Kielerin zur Nummer eins.

Am freien Tag nach dem geglückten Auftakt war bei Angelique Kerber vieles Routine. Eine lockere Trainingseinheit mit Coach Torben Beltz stand am Montag im Sports Hub von Singapur auf dem Programm. Dazu die obligatorische Behandlung beim Physio - und ein bisschen Abschalten vom Stress der letzten Tage mit Mutter Beata.

Business as usual eigentlich. Und doch ist diesmal beim WTA-Finale vieles Neuland für Kerber, die ihr erstes großes Turnier als Branchenführerin bestreitet. "Am Anfang war es nicht so einfach für mich als Nummer eins. Aber ich habe gezeigt, dass es kein Zufall ist, dass ich da oben stehe", sagte die Australian- und US-Open-Gewinnerin mit Blick auf das 7:6 (7:5), 2:6, 6:3 in ihrem Auftaktmatch in der Roten Gruppe gegen Dominika Cibulkova (Slowakei).

Kerbers „mentale Entwicklung“

Für Kerber haben die Siege in solch engen Duellen eine ganz spezielle Bedeutung. Nicht zuletzt, weil sie ihre enorme mentale Entwicklung in dieser "Traumsaison" dokumentieren. "Das sind Schlüsselmomente. Ich habe gezeigt, dass ich mental stark geworden bin", sagt sie und verrät: "Ich sage mir dann in schwierigen Momenten: Du bist hier die Nummer eins." Im letzten Jahr jedenfalls, "da hätte ich so ein Match wohl nicht gewonnen".

Mit einem weiteren Erfolg in ihrem zweiten Spiel am Dienstag gegen die Weltranglistenvierte Simona Halep aus Rumänien (13.30 Uhr MESZ/ARD) könnte Kerber beim Masters quasi schon vorzeitig das Halbfinal-Ticket lösen. In diesem Jahr hat die Linkshänderin drei von vier Vergleichen mit Halep gewonnen, die Rumänin startete gegen die Amerikanerin Madison Keys (6:2, 6:4) ebenfalls mit einem Sieg ins Saisonfinale.

Kerber jedenfalls machte Halep indirekt schon mal eine Kampfansage. "Nach einem solchen Auftakt steigt mein Selbstvertrauen immer mehr. Und selbst, wenn man die Nummer eins ist, steigt es weiter", sagte die Fed-Cup-Spielerin, die sich selbst von einem etwaigen Negativerlebnis nicht zurückwerfen lassen möchte. "Ich habe gelernt, positiv zu bleiben. Niederlagen machen mich nicht mehr so kaputt", betonte Kerber. Wohlwissend, dass das vor gar nicht allzu langer Zeit noch ganz anders war.

Kerber schätzt Beltz Optimismus

Anteil an der Wandlung der früher oft zaudernden Kielerin hat Torben Beltz. Besonders die optmistische Art ihres Trainers schätzt Kerber sehr. "Ich habe ihn eigentlich noch nie schlecht gelaunt erlebt", sagt die Olympiazweite über Beltz. Mit seiner lockeren Art hält er seine Chefin auch in schwierigen Momenten bei Laune, egal, ob im Training oder aus der Box am Spielfeldrand heraus. "Angie ist ein guter und angenehmer Typ. Sie will hart arbeiten", sagt Beltz, der wie bei allen Turnieren auch in Singapur seinen Bart sprießen lässt.

Außerhalb des Courts spielt er mit Kerber auch schon mal gerne Backgammon, legendär sind die Wetten des Duos um Fallschirmsprünge und Achterbahnfahrten. Die beiden verstehen sich blind, die große Vertrauensbasis ist deutlich spürbar. Kein Wunder, bereits in ihren Juniorenzeiten hatte der ehemalige Verbandstrainer aus Schleswig-Holstein Kerber auf der Profitour begleitet. "Sie war ein Ausnahmetalent, ich war schon damals beeindruckt von ihrem Spiel", erzählt Beltz, über den der Stern schrieb, er habe die Aura eines netten Krankenpflegers.

Einzig in Sachen Mode kommt das Erfolgsgespann auf keinen gemeinsamen Nenner. "Die Geschmäcker sind ein bisschen anders. Wenn ich für grün bin, nimmt er blau - und umgekehrt", verrät Kerber. In Singapur allerdings streben beide eine andere Farbe an: Der Billie-Jean-King-Pokal für die Turniersiegerin glänzt silbern.

sid

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