Red-Bull-Piloten die Nutznießer

Bitteres Aus beim Malaysia-Grand-Prix: Hamilton wittert Verschwörung

+
Lewis Hamilton der Verzweiflung nahe: Alles deutete auf einen Sieg des Engländers in Malaysia hin, dann machte ihm ein Motorschaden einen Strich durch die Rechnung.

Sepang - Doppelsieg für Red Bull durch Daniel Ricciardo und Max Verstappen beim Großen Preis von Malaysia, Desaster für Mercedes und seinen Weltmeister Lewis Hamilton.

Die Verschwörungstheorien, die Hamilton nach seinem Motorplatzer 15 Runden vor dem Ziel schmiedete ("Solche Sachen passieren doch immer nur mir"), kommentierte Teamchef Toto Wolff ungewohnt milde und gelassen: "Nach diesem Zwischenfall hat Lewis allen Grund, frustriert zu sein. In so einer Situation darf er sagen, was er will, dazu hat er jedes Recht."

Während Hamilton also mit höheren Mächten haderte ("Die mischen sich gerade ziemlich ein"), war sein ungeliebter Teamkollege Nico Rosberg buchstäblich der lachende Dritte. Er baute seine Führung in der WM-Wertung auf satte 23 Punkte vor Hamilton aus - und das, obwohl ihn Ferrari-Star Sebastian Vettel in der ersten Kurve regelrecht "abgeschossen" hatte.

Die Hoffnungen auf den vorzeitigen Gewinn der Konstrukteurs-WM musste Mercedes nach dem turbulenten Rennen allerdings verschieben. Um bereits in Sepang zum dritten Mal nach 2014 und 2015 Team-Weltmeister zu werden, hätten Hamilton und Rosberg maximal sieben Punkte auf Red Bull verlieren dürfen.

Direkt nach dem Start kollidierte Ferrari-Pilot Sebastian Vettel in der ersten Kurve mit Nico Rosberg. Der viermalige Weltmeister musste seinen Boliden abstellen, Rosberg wurde am Ende Dritter.

"Sebastian ist herangeflogen wie ein Torpedo", berichtete Rosberg: "Ich hab im ersten Moment gedacht, jetzt ist alles vorbei." Während sich der WM-Führende nach der Startkollision mit Vettel zunächst auf dem 17. Platz wiederfand und sich von dort aus bravourös nach vorne kämpfte, war das Rennen für seinen Landsmann beendet. Die Aufhängung am Ferrari war gebrochen, Vorjahressieger Vettel hatte nach gerade mal 600 Metern bereits Feierabend.

"Ferrari braucht dringend einen erfolgreichen Piloten"

Die italienischen Medien gingen hart mit dem viermaligen Weltmeister ins Gericht. "Fest steht, dass Ferrari dringend einen erfolgreichen Piloten braucht", schrieb der Corriere dello Sport.

Die Rennkommissare sahen Vettels Schuld ebenfalls als erwiesen an und belegten ihn mit einer Rückversetzung um drei Startplätze für den 17. von 21 WM-Läufen am kommenden Sonntag im japanischen Suzuka (7 Uhr MESZ).

Als unfreiwilliger Zuschauer konnte Vettel dann zunächst mit ansehen, wie Lewis Hamilton seinen Silberpfeil zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk um den runderneuerten Kurs in Sepang jagte. Souverän lag der 31-jährige Brite in Führung, als in der 41. von 56 Runden Rauch und Flammen im Heck seines Autos das nahende Unheil verkündeten. Hamilton musste seinen Mercedes abstellen und ging sichtbar frustriert neben seinem Silberpfeil in die Hocke.

Hamilton wittert Verschwörung

In Führung liegend musste Mercedes-Pilot Lewis Hamilton in Malaysia aufgeben.

Das Foto postete Hamilton später bei Instagram. "Der Schmerz ist unbeschreiblich, aber ich glaube fest daran, dass Gott dir nie mehr aufbürdet, als du tragen kannst", schrieb er dazu. Allerdings wisse er nicht, "ob mein Auto die nächsten Rennen durchhält und was als nächstes passiert, das alles fühlt sich nicht gut an. Es waren acht Autos mit Mercedes-Motoren auf der Strecke, und meiner geht hoch, obwohl ich der Nummer-1-Fahrer bin. Das kann doch nicht sein."

Malaysia-Sieger Daniel Ricciardo genoss einen großen Schluck Champagner aus seinem Schuh.

Nutznießer waren die beiden Red Bull, die sich lange ein spektakuläres Duell um den Sieg lieferten. Am Ende wehrte Ricciardo die Angriffe von Verstappen erfolgreich ab und feierte mehr als zwei Jahre nach Spa 2014 seinen insgesamt vierten Grand-Prix-Sieg. Es war der erste Doppelsieg für Red Bull seit Brasilien 2013, als Sebastian Vettel und Mark Webber die Plätze eins und zwei belegt hatten.

Vettels Hoffnung auf eine ähnlich Spitzenposition in Malaysia war früh beendet. Beim Versuch, Verstappen in der ersten Kurve zuerst außen und dann innen zu überholen, kollidierte der Vorjahressieger mit Rosberg. "Ich habe den Mercedes berührt", funkte Vettel an die Box: "Ich hatte keinen Platz, konnte nirgendwo hinfahren." Verstappen, selbst kein Kind von Traurigkeit, formulierte es deutlich drastischer. "Vettel ist verrückt. Er ist in Rosberg reingeknallt wie ein Idiot", schimpfte der 19-Jährige.

Formel-1-Saison 2016: Das sind alle Teams und Fahrer

Das wollte Vettel dann aber doch nicht so stehen lassen. Er habe sich "an Max vorbeigebremst. Wir waren beide spät, aber nicht zu spät, auf der Bremse." Natürlich habe Rosberg vorne seine Linie ganz normal gewählt: "Das war sein gutes Recht, leider war er dann aber früher auf der Bremse als wir dahinter. Es ist blöd, dass ich den Unfall nicht vermeiden konnte, und es ist bitter für Nico, weil er gar nichts dafür konnte."

Vettel entschuldigt sich bei Rosberg

Via Telefon hat Sebastian Vettel den Zwist mit Nico Rosberg um den Startunfall in Malaysia beigelegt. "Sebastian hat mich angerufen, das ist nett. Auch wenn ich davon nicht die Punkte wiederbekomme, die ich verloren habe", sagte Rosberg versöhnlich in einer Video-Botschaft nach dem Rennen in Sepang. An der Strecke hatte sich Rosberg noch darüber geärgert, dass sich Vettel nicht gleich bei ihm für den Vorfall in der ersten Kurve am Sonntag entschuldigt hatte.

SID/dpa

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren