Erste Deutsche seit 1998

Kerber vor Krönung: Ohne Matchverlust ins Halbfinale

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Angelique Kerber steht im Halbfinale der WM.

Singapur - Angelique Kerber steht als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1998 im Halbfinale des Saisonfinals. Schon vor der abschließenden Vorrundenpartie ist ihr das Weiterkommen nicht zu nehmen.

Angelique Kerber strahlte und warf Kusshände ins Publikum. Nach dem dritten Sieg im dritten Match kommt die Weltranglistenerste der Krönung ihrer märchenhaften Saison beim WTA-Finale immer näher. Nur zwei Erfolge trennen die Branchenführerin nach dem 6:3, 6:3 gegen Madison Keys (USA/Nr. 6) noch von der Masters-Krone.

Ein Nervenspiel blieb US-Open-Siegerin Kerber zum Abschluss der Vorrunde erspart. Ihren ersten und vorzeitigen Sprung ins Semifinale der inoffiziellen WM hatte zuvor bereits der glatte 6:3, 7:6-Sieg von Dominika Cibulkova (Slowakei/Nr. 7) gegen die Rumänin Simona Halep (Nr. 3) besiegelt.

Nur ein Zweisatz-Sieg von Halep gegen Cibulkova und eine anschließende Zweisatz-Niederlage von Kerber gegen Keys hätte die Kielerin noch um den Halbfinal-Einzug bringen können. Kerber sah sich den ersten Durchgang am TV in den Katakomben des Sports Hub an, ehe sie noch eine Trainingseinheit einlegte.

Gruppensiegerin Kerber trifft am Samstag entweder auf Titelverteidigerin Agnieszka Radwanska (Polen/Nr. 2) oder Karolina Pliskova (Tschechien/Nr. 4). Kerber hatte bereits ihre ersten beiden Gruppenspiele gegen Cibulkova in drei Sätzen und gegen Halep in zwei Sätzen gewonnen. Bei ihren vorherigen drei Teilnahmen am WTA-Finale war die Linkshänderin bereits nach der Vorrunde ausgeschieden.

In der Neuauflage des olympischen Halbfinals gegen Keys profitierte die Rio-Silbermedaillengewinnerin zunächst auch von den leichten Fehlern der Amerikanerin. Bezeichnend, dass Keys den ersten Satz mit ihrem 16. Unforced Error abgab. Kerber agierte gewohnt solide, hatte aber Probleme mit ihrem Aufschlag.

Im bereits 79. Match der Saison geriet die Nummer eins im zweiten Durchgang mit 0:2 in Rückstand. Doch im Stile einer Branchenführerin gewann Kerber die nächsten fünf Spiele.

Kerber besiegte damit auch endgültig ihren Singapur-Fluch. Exakt vor zwölf Monaten hätte an gleicher Stätte ein Satzgewinn gegen Lucie Safarova (Tschechien) gereicht, um das Halbfinale zu erreichen. Doch "Angie" verkrampfte völlig, zog sich in den Pausen ein Handtuch über den Kopf und rief ihrem Coach Torben Beltz zu: "Ich pack' das nicht."

Ein Jahr später ist Kerbers Welt eine konträre. "Ich glaube, ich bin jetzt eine ganz andere Spielerin, eine ganz andere Person", sagte Kerber und betonte: "Der Druck ist nicht mehr so das Hindernis." Die Triumphe bei den Australian-Open- und US-Open haben sie selbstbewusster gemacht.

Und die Fan-Basis wird immer größer. In Singapur outete sich Ikone Chris Evert als Kerber-Anhängerin. "Sie beeindruckt mich. Zwei Grand-Slam-Turniere in einem Jahr zu gewinnen, das hat neben Serena Williams viele Jahre niemand mehr geschafft", sagte die 61-jährige Evert und lobte die Entwicklung der Kielerin: "Angie agiert aggressiver als in der Vergangenheit und hat ihr Spiel auf ein anderes Level gehoben. Mental ist sie stärker geworden und wirkt auch hier sehr fokussiert."

Kerbers großes Ziel ist die WM-Krone. Doch auch ihre Urlaubspläne sind schon gemacht. "Nach Singapur werde ich den Strand und die Sonne genießen - mit ganz viel Ruhe", kündigte sie an. Bereits Ende November beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison. "Es wird auf jeden Fall ein interessantes Jahr. Aber ich bin bereit für die neue Challenge und die neuen Aufgaben, die auf mich warten", meinte Kerber.

sid

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