Kraftprobe der Großen

Alles neu: Das ändert sich in der nächsten Formel-1-Saison

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Nico Hülkenberg.

Mexiko-Stadt - Die große Reglement-Änderung im kommenden Jahr hält die Formel 1 schon jetzt in Atem: Die Karten werden neu gemischt, scheinbar riskante Teamwechsel erntpuppen sich plötzlich als sinnvoll - und die Verfolger von Mercedes reiben sich schon die Hände.

Nico Hülkenberg hat keine Angst vor der Zukunft, denn er hat vorgesorgt. Im kommenden Jahr werden die Karten in der Formel 1 neu gemischt, das neue Reglement könnte das Feld gehörig durcheinanderwirbeln - und Hülkenberg hat sich mit seinem Wechsel zu Renault rechtzeitig einen der begehrten Plätze bei einem Werksteam gesichert.

Solch tiefgreifende Regeländerungen, wie sie nun anstehen, sagt der 29-Jährige, "sind immer besser für große Teams und Hersteller. Sie haben größeres Entwicklungspotenzial und mehr Möglichkeiten."

Auch deshalb fiel es Hülkenberg nicht schwer, den sicheren Platz bei Force India aufzugeben und sich Renault anzuschließen - der Wechsel von der derzeit vierten Kraft der Königsklasse zum Hinterbänkler aus Frankreich ist nur auf den ersten Blick riskant.

Denn das "Macho"-Reglement für 2017 mit breiteren, schnelleren Autos, breiteren Reifen und einer veränderten Aerodynamik dürfte vor allem da helfen, wo das große Geld sitzt. Mercedes, Ferrari, Red Bull, und ja, auch Renault und McLaren-Honda setzen alle Hebel in Bewegung, um ab der Stunde Null vorne dabei zu sein.

"Man merkt einfach, wie viel Power dahinter steckt", sagt Hülkenberg im Gespräch mit motorsport-magazin.com: "Wenn ein Konzern das möchte, dann setzen die Himmel und Hölle in Bewegung. Die haben eine ganz andere Kraft und Ausdauer als ein kleines Privatteam."

Welcher der Big Player die Herausforderung am besten meistert, bleibt derweil abzuwarten. Die Verfolger Red Bull und Ferrari hoffen auf ein Ende der Mercedes-Dominanz: Die Silberpfeile holten seit der letzten großen Regeländerung 2014 alle Titel.

Und ginge es nach dem Weltmeister-Rennstall, dann sollte jetzt auch lieber alles bleiben, wie es ist. Denn nur auf diese Weise, so Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, würde es langfristig Chancengleichheit geben: "Ich sage immer: Finger weg von den Regeln, dann wird die Performance-Lücke kleiner."

Einige Vertreter der Konkurrenz frohlocken angesichts solcher Aussagen, sie unterstellen Mercedes Angst vor der Wachablösung. Von einer "paranoiden Angst des Herrn Wolff, die Vormachtstellung zu verlieren" spricht der stets streitbare Helmut Marko gar, Motorsportberater bei Red Bull: "Toto Wolff tut alles, um jegliche Änderung zu verhindern."

Deutlich weniger aggressiv äußert sich Sebastian Vettel. Doch auch der Ferrari-Pilot glaubt nach einer bitteren Saison an den Neuanfang. "An den Autos wird sich sehr viel ändern, das stellt die Uhr für alle in gewisser Weise auf null", sagte er zuletzt: "Ich glaube schon, dass es nächstes Jahr deutlich enger werden kann."

Dies wäre für die Spannung in der zuletzt einseitigen Serie Gold wert, und es ist realistisch. Allerdings fürchtet bei Mercedes niemand einen Absturz. Der Branchenführer sei stets "bereit" für Änderungen und könne sich mit "der Struktur, die wir haben, daran anpassen", sagt Wolff.

Schließlich gibt es beim Motoren-Reglement nur kleine Anpassungen, der Antrieb dürfte weiter der große Mercedes-Trumpf bleiben. Und es käme doch sehr überraschend, wenn der Dominator der vergangenen Jahre plötzlich ein unterlegenes Chassis baut.

sid

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