Comeback

Uli Hoeneß wieder Präsident des FC Bayern: Riesige Mehrheit in JHV

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Jahreshauptversammlung FC Bayern München

München - Uli Hoeneß ist wieder da: Der langjährige Patron des FC Bayern wurde am Freitagabend nach zweieinhalb Jahren Pause wieder zum Präsidenten des Rekordmeisters gewählt.

Hoeneß (64) erhielt auf der Jahreshauptversammlung von den 7152 Mitgliedern 108 Gegenstimmen und trat damit die Nachfolge von Karl Hopfner an. 58 Mitglieder enthielten sich. Eine riesige Mehrheit von 97,7 Prozent der Stimmen.

Hopfner hatte Hoeneß 2014 abgelöst, als dieser seine Ämter beim FC Bayern nach seiner Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung niedergelegt hatte. Auch den Posten des Aufsichtsratschefs strebt Hoeneß, der keinen Gegenkandidaten hatte, wieder an. Hoeneß war Ende 2009 nach über 30 Jahren als Bayern-Manager erstmals zum Präsidenten des FC Bayern München e.V. gewählt worden.

"Ich habe es geschafft, jetzt bin ich hier", sagte Hoeneß in seiner rund neunminütigen Wahlkampfrede: "Ich bitte Sie um eine zweite Chance - und ich verspreche Ihnen, dass ich alles tun werde, um ihre Erwartungen zu erfüllen."

Live-Ticker zur JHV 2016 des FC Bayern München

Uli Hoeneß wird wieder der starke Mann des FC Bayern München

Nun schlägt es also wieder, das Herz des FC Bayern. Uli Hoeneß ist zurück, er wird wieder der starke Mann der Münchner sein, egal, wer unter, neben oder über ihm der Vorstandsvorsitzende ist. Nicht, dass Karl-Heinz Rummenigge den FC Bayern in Abwesenheit von Hoeneß schlecht geführt hätte. Mitnichten.

Aber Rummenigge ist der Mann der FC Bayern München AG. Hoeneß ist der Mann des FC Bayern München e.V., der qua Satzung das Sagen hat an der Säbener Straße. Rummenigge wirkt nach außen bisweilen wie ein emotionslos kalkulierender, ja, eben: Vorstandsvorsitzender. Hoeneß ist das Gegenstück. Emotional. Herzhaft. Herzlich.

Mit Hoeneß wird das "Mia san mia" zurückkehren, gelebt werden. Gerade in diesen Tagen könnte dem FC Bayern nichts Besseres passieren. Nach vier anstrengenden Jahren unter Jupp Heynckes und Pep Guardiola wirkt die Mannschaft geistig ermattet und überfordert von den Freiheiten, die ihr Carlo Ancelotti auf dem Platz lässt.

Hoeneß, davon ist auszugehen, wird dazwischengehen, wenn ihm etwas missfällt. Weil er den FC Bayern geprägt hat wie kein Zweiter, weil er den FC Bayern verkörpert wie kein Zweiter, besitzt er auch wie kein Zweiter die Macht, Dinge anzustoßen, zu verändern. Das kann jedem, dem der FC Bayern am Herzen liegt, nur gefallen.

An den vielen und durchweg positiven Reaktionen auf seine Rückkehr lässt sich ablesen, wie sehr Uli Hoeneß gefehlt hat. Nicht nur beim FC Bayern. Aber gerade beim FC Bayern. Denn in Wahrheit ist dieser FC Bayern eben doch keine AG. Dieser FC Bayern ist ein e.V. Dafür steht Uli Hoeneß. Und das ist gut so.

Stimmen zur Rückkehr von Uli Hoeneß

Joachim Löw (Bundestrainer): "Ich freue mich wahnsinnig über seine Rückkehr. Er hat unheimlichen Sachverstand, soziale Kompetenz und Empathie."

Oliver Bierhoff (Nationalmannschaftsmanager): "Uli Hoeneß liebt den Fußball. Bei jedem Zoff, den man mit ihm haben kann, merkt man, dass es ihm um den Fußball geht. Er lebt für den Fußball. Und auch, wenn er in erster Linie die Interessen der Bayern vertritt, denkt er trotzdem an das Große. Er vertritt eine klare Linie, seine Meinung wird dem Fußball guttun."

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender Bayern München): "Ich gönne dir deine verdiente Rückkehr von Herzen. Du warst auf allen Ebenen ein spiritus rector des FC Bayern und bleibst wichtig. Ich bin neugierig auf die neuerliche Zusammenarbeit mit dir. Ich wünsche mir eine vertrauensvolle, loyale, harmonische, respektvolle und qualitativ gute Zusammenarbeit zum Wohle des FC Bayern."

Klaus Allofs (Geschäftsführer Sport VfL Wolfsburg): "Ich finde es gut, Uli Hoeneß tut das zum Wohle des FC Bayern München. Ich denke, dass der Gefängnis-Aufenthalt ein großer Einschnitt für ihn war und er jetzt einige Dinge differenzierter betrachtet."

Christoph Daum (Nationaltrainer Rumänien und langjähriger Intimfeind): "Die Kompetenz, die ein Uli Hoeneß mitbringt, tut jedem Verein gut - egal in welchem Amt. Ich wünsche ihm persönlich, dass er als Präsident glücklich und zufrieden wird. Er wird sich wegen seiner Vorgeschichte aber sicher auch auf Angriffe einstellen müssen, die nichts mit seinem Amt zu tun haben."

Dietmar Hopp (Mehrheitsgesellschafter 1899 Hoffenheim): "Die Bundesliga gewinnt durch Uli Hoeneß eine charismatische, kompetente, starke und streitbare Stimme zurück. Er wird seine - sicher auch kontrovers zu diskutierenden Ansichten - nicht nur zum Wohl des FC Bayern, sondern des Großen und Ganzen immer wieder klar und unerschrocken einbringen."

Willi Lemke (einstiger Manager Werder Bremen und langjähriger Intimfeind): "Es ist ein mutiger Schritt von ihm, den ich auf jeden Fall respektiere. Uli Hoeneß hat alles Recht dazu, wieder in der Gesellschaft aufgenommen zu werden. Seinen Charakter wird er nicht komplett ändern können. Er bleibt ein kritischer Geist, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Das ist auch gut so."

Lothar Matthäus (Rekordnationalspieler): "Er hat einen Fehler gemacht und dafür gebüßt, seine Strafe abgesessen. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Uli Hoeneß ist Bayern München, gerade in der jetzigen Situation kann er dem Klub helfen, da wieder herauszukommen."

Günter Netzer (Teamkollege beim WM-Triumph 1974): "Verändert hat er sich nicht, aber er gibt sicher nicht alles preis. Er hat die schlimme Zeit überwunden, von 100 auf 0 gefahren zu werden. Daran nicht zu zerbrechen zeigt die Stärke dieses Mannes. Sein künftiger Job wird ihm helfen, alles zu verarbeiten."

Clemens Tönnies (Aufsichtsratschef Schalke 04): "Ich begrüße es und freue mich für ihn persönlich. Bayern München mit seinen großen Erfolgen in den vergangenen fast vier Jahrzehnten ist Hoeneß' Lebenswerk. Ulis Mut zur klaren Aussagen war bisweilen unbequem, er hat aber auch viele wichtige Debatten angestoßen, die der Bundesliga genutzt haben."

Rudi Völler (Sportdirektor Bayer Leverkusen): "Ich freue mich riesig, dass er wieder dabei ist. Auch aufgrund der Tatsache, dass er so viel hat durchmachen müssen. Er hat mir gefehlt. Ulis Rückkehr ist eine absolute Bereicherung für die Bundesliga. Sie erhält ein Gesicht zurück, das ihr gefehlt hat."

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Mit Uli kracht es dann auch ab und zu mal wieder, das ist auch ganz schön. Ich freue mich darauf, es tut der Bundesliga ja in Gänze gut. Für mich ändert sich überhaupt nichts, mein erster Ansprechpartner ist und bleibt Karl-Heinz Rummenigge."

Uli Hoeneß: Chronologie seiner Rückkehr

Uli Hoeneß ist auf der Jahreshauptversammlung von Bayern München erneut zum Präsidenten des deutschen Fußball-Rekordmeisters gewählt werden. Eine Chronologie der Ereignisse seit seiner Verurteilung:

13. März 2014: Uli Hoeneß wird "wegen sieben tatmehrheitlicher Fälle der Steuerhinterziehung" zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

14. März 2014: Hoeneß verzichtet auf Revision. Zudem legt er seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender von Bayern München mit sofortiger Wirkung nieder.

1. Mai 2014: Die Stiftung Deutsche Sporthilfe bestätigt, dass Hoeneß nicht mehr Mitglied der "Hall of Fame des deutschen Sports" ist.

2. Mai 2014: Hoeneß ist noch nicht im Gefängnis, da kündigt er bei einer emotionalen Rede auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern an: "Das war's noch nicht!"

2. Juni 2014: 81 Tage nach der Urteilsverkündung tritt Hoeneß in der JVA Landsberg/Lech seine Haftstrafe an. Seine Steuerschuld in Höhe von fast 50 Millionen Euro (inkl. Strafe und Zinsen) hat er da bereits beglichen.

8. September 2014: Hoeneß' Ehefrau Susi gibt den Bayerischen Verdienstorden ihres Mannes zurück.

20. September 2014: Nach 111 Tagen in Haft erhält Hoeneß zum ersten Mal für einige Stunden Ausgang.

19. November 2014: Karl Hopfner, Hoeneß' Nachfolger im Präsidentenamt beim FC Bayern, bekräftigt, dass Hoeneß "einen Anstellungsvertrag" erhalten werde, sobald er Freigänger sei.

Weihnachten 2014: Hoeneß erhält erstmals Hafturlaub, um die Feiertage, Silvester und Neujahr zu Hause zu verbringen.

2. Januar 2015: Hoeneß wird Freigänger und in die Außenstelle Rothenfeld verlegt. Hopfner spricht von einer "unglaublichen Erlösung". Auf eigenen Wunsch wird Hoeneß "Assistent der Abteilungsleitung Junior Team".

1. März 2015: Hoeneß besucht erstmals seit seiner Inhaftierung wieder ein Bayern-Spiel - das 2:0 der U19 beim 1. FSV Mainz 05.

18. Januar 2016: Die 1. auswärtige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg mit Sitz in Landsberg/Lech gibt dem Antrag auf "Halbstrafe" und damit vorzeitige Haftentlassung statt.

29. Februar 2016: Nach 637 Tagen Gefängnis ist Hoeneß ein freier Mann.

2. März 2016: Hoeneß besucht erstmals nach seiner Haftentlassung wieder ein Spiel der Profis in der Allianz Arena und sieht ein 1:2 gegen Mainz.

8. August 2016: Hoeneß kündigt seine Rückkehr zum FC Bayern als Präsident an.

21. November 2016: Hoeneß will nach seiner erwarteten Rückkehr ins Präsidentenamt wieder die "Abteilung Attacke" bilden. "Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein", sagt er dem kicker.

22. November 2016: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Er wird herzlich willkommen sein beim ganzen FC Bayern. Dann müssen wir eben gemeinsam anschieben, dass es am Ende des Tages weiterhin erfolgreich läuft."

25. November 2016: Uli Hoeneß wird 987 Tage nach seinem Rücktritt bei der Jahreshauptversammlung der Bayern mit überwältigender Mehrheit ins Amt des Präsidenten gewählt.

sid

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