Auch neuer Job für Rummenigge

Senegalesin Fatma Samoura ist neue FIFA-Generalsekretärin

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Folgt auf Gianni Infantino und unterstützt den jetzigen FIFA-Präsidenten auch: Fatma Samoura ist neue Generalsekretärin des Weltverbandes.

Mexiko-Stadt - Die FIFA hat einen überraschenden Nachfolger für Gianni Infantino als Generalsekretär gefunden. Auch für Karl-Heinz Rummenigge gibt es eine neue Aufgabe.

Eine "starke Frau" für die "Altherren"-FIFA: Mit einer historischen Entscheidung hat der Fußball-Weltverband die senegalesische Diplomatin Fatma Samoura zur neuen Generalsekretärin ernannt. Die 54-Jährige, die seit über 20 Jahren für die Vereinten Nationen (UN) arbeitete, soll mit für den Neuanfang des krisengeschüttelten Milliarden-Unternehmens stehen - auf dem Papier hat sie mehr Einfluss als FIFA-Präsident Gianni Infantino (46).

"Sie wird frischen Wind in die FIFA bringen", sagte der Schweizer während des 66. FIFA-Kongresses am Freitag in Mexiko-Stadt: "Sie ist jemand von außen, nicht von innen. Sie kommt nicht aus der Vergangenheit. Sie wird uns helfen, das Richtige zu tun." Für den Weltverband sei es "essentiell", neue Perspektiven einzubeziehen - "von außerhalb der traditionellen Funktionärswelt", sagte Infantino.

Die "Nummer 2" der FIFA bekommt durch das Ende Februar verabschiedete Reformpaket deutlich mehr Macht. Das FIFA-Generalsekretariat überwacht alle Einnahmen - eine Frau an der Spitze des operativen Geschäfts hat es in der über 100-jährigen Geschichte des Weltverbandes noch nicht gegeben.

Samoura fühlt sich "geehrt"

"Heute ist ein wundervoller Tag für mich. Ich fühle mich geehrt, diese neue Rolle zu übernehmen", sagte Samoura, die ihre Arbeit Mitte Juni aufnehmen soll: "Ich bin überzeugt, dass diese neue Aufgabe perfekt zu mir, zu meinen Fähigkeiten und zu meiner Erfahrung passt."

Die 1962 geborene Fatma Samba Diouf Samoura spricht vier Sprachen und studierte in Frankreich. Die UN-Diplomatin hat enorme Krisenerfahrung: Sie arbeitete unter anderem als Entwicklungshelferin, seit Februar in Nigeria. Zuvor führte sie ihre Arbeit in den Kosovo, nach Liberia, Nicaragua und Afghanistan. Eine Verbindung zum Fußball hatte sie nicht - was sie aber nach dem vergangenen Horrorjahr als Kandidaten für die enorm einflussreiche Position umso mehr qualifiziert.

Im neuen FIFA-Council sitzen bislang zwei weibliche Mitglieder, durch das Reformpaket werden bis Ende September mindestens noch vier weitere folgen, auch aus der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Die Generalsekretärin sitzt ebenfalls im FIFA-"Rat".

Über eine Milliarde Euro für die Verbände

FIFA-Präsident Gianni Infantino.

Bislang leitete der deutsche FIFA-Finanzchef Markus Kattner (45) den Weltverband als Interimsgeneralsekretär durch die Krise. Am Freitag stellte er dem Kongress das überarbeitete Budget für die Finanzperiode 2015 bis 2018 vor, das den "Infantino-Bonus" enthält und einstimmig mit Applaus abgesegnet wurde. Dank des Wahlversprechens von Infantino wird nun über eine Milliarde Euro an die Verbände ausgeschüttet.

"Sie haben eine großartige Entscheidung für den Fußball getroffen", sagte Infantino, der von der "Atmosphäre in diesen Tagen" beeindruckt war: "Ich habe eine besondere Stimmung gespürt. Eine Atmosphäre der Einigkeit, der Harmonie und des Respekts." Der 13. Mai in Mexiko sei der Tag, an dem "wir von den Versprechen zum Handel übergehen, von der Proklamation zu den Fakten".

Das große Reformpaket, das Ende Februar verabschiedet wurde, stand im Banamex-Kongresscenter wie erwartet im Mittelpunkt. "Die FIFA verändert sich", sagte Infantino: "Sie wird eine sein, die offen, vertrauensvoll und transparent ist."

Rummenigge steigt in Stakeholder-Kommission ein

Mit dabei ist künftig auch Bayern Münchens Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Der 60-Jährige, der bereits Präsident der Europäischen Klub-Vereinigung ECA und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees ist, wurde als Vize-Vorsitzender in die neue Stakeholder-Kommission berufen.

Der FIFA-Kongress in Mexiko.

Die offenen Posten in der bedeutenden, weil unabhängigen Audit- und Complience-Kommission sowie die in der Rechts- sowie der Governance-Kommission wird das Council innerhalb eines Jahres selbst benennen. Dass nicht der Kongress über mögliche neue Mitglieder abstimmen konnte, liegt laut SID-Informationen daran, dass einige Kandidaten durch den vorgeschriebenen Integritätscheck gefallen sind.

Nach dem vergangenen Krisen-Jahr kam der Weltverband dieses Mal ohne Verhaftungen und Razzien aus - Infantino hatte zuvor immer wieder, wenn auch etwas pathetisch, betont, den "Fußball wieder zur FIFA und die FIFA wieder zum Fußball" bringen zu wollen. In der ersten Reihe des Kongress saßen am Freitag zahlreiche Ex-Stars wie Luis Figo (Portugal) und Fabio Cannavaro (Italien), die als "Legenden-Team" die FIFA beraten sollen.

Scala verlässt Kongress aus Protest

Für einen Aufreger sorgte Domenico Scala. Der "Chefaufseher" verließ den Kongress kurz vor dem Ende aus Protest. 

Es geht um die Entscheidung der 209 FIFA-Verbände, die Mitglieder der eigentlich unabhängigen Kommissionen bis zum nächsten Kongress 2017 doch wieder durch das FIFA-Council um Präsident Gianni Infantino bestimmen zu lassen.

Scala ist Vorsitzender der Audit- und Complience-Kommission, die laut des Reformpakets künftig alle Prozesse des Weltverbands überwacht. Das Council hat nun auch die Befugnisse, bis zur Wahl beim nächsten Kongress Mitglieder abzuberufen.

Kosovo und Gibraltar in die FIFA aufgenommen

Der Weltverband nimmt mit Kosovo und Gibraltar seine Mitglieder 201 und 211 auf. Bei der Vollversammlung stimmten 141 FIFA-Mitglieder für den Beitritt des Kosovos. 23 lehnten diesen ab.

Vor zehn Tagen war das Kosovo mit knapper Mehrheit von 28:24-Stimmen in die UEFA aufgenommen worden. Widerstand kam auch diesmal besonders aus Serbien, das das Kosovo nicht anerkennt. Der serbische Verband kündigte an, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen.

Klare Zustimmung für Gibraltar

Mit 172:12-Stimmen fiel das Votum für Gibraltar klarer aus. Die britische Kronkolonie hatte am 2. Mai vor dem CAS erstritten, dass der FIFA-Kongress über die Aufnahme entscheiden muss. Gibraltar gehört seit 2013 der UEFA an und bestritt schon EM-Qualifikationsspiele gegen Weltmeister Deutschland (0:4/0:7).

Das Kosovo und Gibraltar können durch den FIFA-Beschluss nun an der Qualifikation für die WM 2018 teilnehmen. Das genaue Prozedere über die Zuordnung zu den schon ausgelosten Gruppen muss die UEFA vornehmen.

sid, dpa

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