DFB-Pokal

Außenseiter jagen die Etablierten

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Das Objekt der Begierde. Der Wettbewerb um den DFB-Pokal wird am 19.August gestartet.

Düsseldorf - Die Kleinen hoffen wie immer auf Sensationen, die Großen fürchten das frühe Aus. Diese Konstellation macht seit jeher die Anziehungskraft der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals aus.

Die ewig reizvollen Fußballduelle zwischen David und Goliath verleihen der ersten Runde des DFB-Pokals stets höchsten Unterhaltungswert. 2016/17 kommt es gleich elfmal zu Auseinandersetzungen zwischen Amateurvereinen und Erstligisten. Und die beiden klassentiefsten Clubs haben so etwas wie ihre "Spiele des Jahrhunderts" vor sich: Sechstligist gegen Bundesliga - so lautet die Konstellation zwischen dem südbadischen Landespokalsieger FC 08 Villingen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und Schalke 04 sowie zwischen dem BFC Preussen aus Berlin und dem 1. FC Köln.

Im Fokus stehen speziell sechs Erstligavertreter: Titelverteidiger und Rekordgewinner Bayern München mit Pep-Guardiola-Nachfolger Carlo Ancelotti, der FC Augsburg mit Dirk Schuster, der FC Schalke mit Markus Weinzierl, der SV Darmstadt 98 mit Norbert Meier, der FC Ingolstadt mit Markus Kauczinski und Aufsteiger RB Leipzig mit Ralph Hasenhüttl gehen mit neuen Chef-Übungsleitern in die Saison.

"Wir sind Favorit, aber große Mannschaften müssen im Pokal immer aufpassen", sagte Ancelotti vor dem Auftritt am Freitag (20.45 Uhr) beim FC Carl Zeiss Jena, Tabellenführer der Regionalliga Nordost. Als Spieler schied der Italiener im Europapokal des Jahres 1980 mit AS Rom nach dem 3:0 im Hinspiel mit einem 0:4 in Jena aus. "Wir hatten damals sogar noch Glück, wir hätten auch 10:0 verlieren können", erinnerte sich Ancelotti an die damalige Begegnung.

Augsburg wird vom baden-württembergischen Oberligisten FV Ravensburg gefordert. Darmstadt tritt beim fünftklassigen Bremer SV an. Ingolstadt und Leipzig stellen sich die gastgebenden Zweitligaaufsteiger Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden in den Weg.

Die Etablierten sollten gewarnt sein. Negative Beispiele aus der Pokalspielzeit 2015/16 sind der Hamburger SV (2:3 nach Verlängerung in Jena), 1899 Hoffenheim (0:2 bei 1860 München) und der damalige Bundesliganeuling Ingolstadt (1:2 bei der SpVgg Unterhaching): Das Erstligatrio schied vor einem Jahr zum Auftakt aus. Den Rekord an gescheiterten Bundesligisten gab es im nationalen Cupwettbewerb zweimal: 2012/13 und 1987/88 erwischte es jeweils sechs aus dem Elite-Zirkel.

Und diesmal? Da gibt es Teilnehmer wie die SV Drochtersen/Assel, den 1. FC Germania Egestorf-Langreder oder den SC Hauenstein, die neben Eintracht Norderstedt und dem FV Ravensburg erstmals am DFB-Pokal beteiligt sind. Vier der fünf Neulinge haben Gegner aus der Beletage: Drochtersen/Assel spielt gegen Borussia Mönchengladbach, Egestorf-Langreder gegen Hoffenheim, Hauenstein gegen Bayer Leverkusen und Ravensburg gegen den FC Augsburg. "Ich bin schon ein bisschen aufgeregt und unruhig vor meiner Premiere als FCA-Trainer", räumte Augsburgs Coach Schuster vor seinem Pflichtspieldebüt ein.

Lukrativ für die Amateurvereine ist das Abenteuer Pokal allemal. Bei seiner Antrittsrede als neuer DFB-Präsident kündigte Reinhard Grindel am 15. April in Frankfurt/Main Positives an: Insgesamt werden von dieser Saison an 65 Millionen Euro ausgeschüttet - elf Millionen Euro mehr als zuvor. "Es gibt keinen anderen europäischen Verband, der in seinem Pokalwettbewerb derartige Summen ausschütten kann", sagte Grindel seinerzeit zu den "Feiertagen der Einheit des Fußballs".

In Zahlen liest sich das so: 155 000 Euro gibt es in Runde eins. Und im Fall von Sensationen erhöhen sich diese Anteile aus Vermarktungserlösen spürbar: 310 000 Euro in der zweiten und schon 630 000 Euro in der dritten Runde sind garantiert.

Alle Spiele der ersten Hauptrunde werden live von Sky übertragen. Im frei empfangbaren TV sendet das Erste am Montag (20.45 Uhr) das Gastspiel von Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund beim Regionalligisten Eintracht Trier.

Im Kampf um die Pokaltrophäe, deren materieller Wert bei 100 000 Euro liegt, geht es am 25. und 26. Oktober weiter. Die Paarungen werden am 26. August (ca. 22.45 Uhr/ARD) gelost. Am 7. und 8. Februar 2017 folgt das Achtelfinale, am 28. Februar/1. März das Viertelfinale. Die Halbfinalbegegnungen sind für den 25. und 26. April angesetzt. Das Endspiel im Berliner Olympiastadion findet am 27. Mai statt.

dpa

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