Abschied von Neid gelingt

Nach Gold: Deutsche Frauen machen die Nacht zum Tag

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Die deutschen Fußball-Frauen nach dem Finale im Maracana.

Rio de Janeiro - Nach ihrem ersten Olympiasieg machten die deutschen Fußballerinnen in Rio die Nacht zum Tag. Bundestrainerin Silvia Neid hinterlässt ihrer Nachfolgerin Steffi Jones große Fußstapfen.

Beim Einmarsch schmetterten die deutschen Fußballerinnen "We Are The Champions", sie hüpften wie wild zu "So sehen Sieger aus", dann knallten mächtig die Korken - und wer sich nicht in Sicherheit brachte, bekam von Alexandra Popp die volle Ladung aus der Sektflasche ab. Als "Königin" Silvia Neid und ihre stolzen Olympiasiegerinnen kurz nach Mitternacht das deutsche Haus enterten, ging die feucht-fröhliche Party so richtig los.

"Wir lassen die Sau raus", versprach Almuth Schult. Immer wieder griff die Torhüterin wie viele Teamkolleginnen nach ihrer Goldmedaille - als wollten sie sich vergewissern, dass ihr historischer erster Olympia-Triumph nicht bloß ein Traum war. Doch das 2:1 (1:0) im Finale gegen Schweden, noch dazu im legendären Maracana, 768 Tage nach dem WM-Triumph der Männer - es war Wirklichkeit.

"Es ist grandios, davon träumt jeder Sportler. Dass man jetzt selbst so eine Goldmedaille hat... Wow. Das ist unfassbar", sagte Schult. Auch Spielführerin Saskia Bartusiak, eine von sechs Spielerinnen im Kader, die nun alle drei großen Turniere gewonnen haben, hatte Mühe, ihre Freude in Worte zu fassen. "Jetzt haben wir alle Gold um den Hals hängen. Es ist unbeschreiblich", sagte die Abwehrchefin mit bereits heiserer Stimme: "Ich bin überglücklich."

Spielerinnen überraschen Neid zum Abschied

Noch im Fußball-Tempel von Rio hatte das Team bei Sekt und Bier zwei Stunden lang zusammengesessen, um das Trainerteam um Neid gebührend zu verabschieden. Von den Spielerinnen gedrehte Filme mit nachgestellten Szenen der täglichen Arbeit waren bei der Kabinen-Session das amüsante Highlight. "Das war eine tolle Überraschung", sagte Neid sichtlich ergriffen: "Ich bin so stolz auf diese Mannschaft."

Nach elf Jahren im Amt beendet die 52-Jährige ihre Laufbahn auf dem Olymp - für Traurigkeit war bei so viel Genugtuung kein Platz. "Ich bin total happy. Ich habe im Moment überhaupt keinen Abschiedsschmerz, keine Wehmut", sagte Neid dem SID, gab aber zu: "Ich weiß nicht, wie es ist, wenn im September Steffi Jones die ersten EM-Quali-Spiele macht. Das wird sicher komisch sein, wenn ich nicht dabei bin."

Der eigens eingeflogene DFB-Präsident Reinhard Grindel würdigte den Olympiasieg als "historischen Erfolg" und richtete "ein ganz großes Dankeschön an Silvia Neid. Das ist die Krönung ihrer Karriere, fantastisch. Sie ist vielleicht die Frau, die den deutschen Frauenfußball am meisten geprägt hat."

Steffi Jones tritt als Neid-Nachfolgerin in große Fußstapfen

Die Fußstapfen, die Neid mit ihren vier Titeln (WM 2007, EM 2009 und 2013, Olympia 2016) hinterlässt, sind riesig. Sie beginnt ihre neue Aufgabe in der Scouting-Abteilung Frauen- und Mädchenfußball aber mit dem guten Gefühl, ihrer Nachfolgerin ein bestelltes Feld zu hinterlassen: "Es fällt mir total leicht, die Zügel abzugeben. Für mich war immer wichtig, dass ich Steffi Jones eine intakte Mannschaft in die Hand gebe."

Eine, die unter der neuen Bundestrainerin eine lange Zukunft vor sich hat, ist Dzsenifer Marozsan. Die 24 Jahre alte Edeltechnikerin drückte dem unterhaltsamen Finale ihren Stempel auf. Erst traf sie von der Strafraumgrenze in den Winkel (48.). Das 2:0 per Eigentor von Linda Sembrant (62.) erzwang sie mit einem ihrer gefürchteten Freistöße, der an den linken Pfosten klatschte. "Ich freue mich natürlich über die eineinhalb Tore, die ich der Mannschaft schenken konnte", sagte die Mittelfeldspielerin von Olympique Lyon.

Neid hatte in ihrer letzten Pressekonferenz dann auch ein Extra-Lob für sie parat. "Ich glaub, in vier Jahren ist sie die Granate schlechthin. Ich werde das dann von der Tribüne beobachten und mich freuen", sagte Neid, bevor sich die leidenschaftliche Tänzerin mit ihren Schützlingen in die gemeinsame Party-Nacht mit den Hockey-Frauen stürzte.

SID

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