Waldemar Hartmann nach deutschem EM-Aus bedient

Wut-Waldi: Experte teilt bei Lanz aus

Waldi in Wut: Bei Markus Lanz rechnete Waldemar Hartmann mit dem Schiedsrichter ab.

Mainz - Das EM-Aus der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Frankreich schmerzt Waldemar Hartmann. In der Sendung von Markus Lanz hatte Waldi einiges zu kritisieren.

Es ist kurz nach dem Ausscheiden, kurz nach dem Abpfiff des 0:2 gegen Frankreich. Nach dem EM-Aus der Deutschen rechnete Waldemar Hartmann in der ZDF-Sendung bei Markus Lanz am Donnerstagabend so richtig ab. Mit dem italienischen Schiedsrichter Nicola Rizzoli, den deutschen Stürmern und dem DFB. Die Studiogäste - die Sportmoderatoren Sven Voss und Andrea Kaiser sowie Parodist Matze Knop und die Französin Nathalie Licard - nannte er scherzhaft "eine reine Amateur-Runde".

Am Anfang war Waldi noch gut gelaunt: "Isch möschte heute Franzose sein." Voll des Lobes für den französischen Doppel-Torschützen Antoine Griezmann: "Der Hammer. Frag mal die Bayern nach Griezmann - die bekommen heute noch Schnappatmung." Doch die vermeintlich gute Stimmung hält nur kurz - dann kommt der 68-Jährige zur Sache, zu seinem größten Ärgernis. Dem Elfmeter zum 1:0 der Franzosen.

Waldi, die Erste: Der italienische Schiedsrichter

Hartmann sagte zu der Schiedsrichter-Entscheidung: "Du kannst ihn geben. Aber ich würde ihn in der 44. Minute eines EM-Halbfinals nicht geben. Punkt." Viel mehr ärgerte sich Waldi über die Besetzung, über Nicola Rizzoli. "Ich habe mich schon gefragt, was in die gefahren ist", echauffierte er sich und hat auch gleich eine Antwort parat: "Das macht bei der Uefa Collina (Pierluigi, ehemaliger italienischer Schiedsrichter, d. Red.), der teilt die ein. Wir haben die Italiener rausgehauen, und er teilt Rizzoli ein."

Waldi ärgerte sich weiter, Rizzoli habe beim Handspiel von Schweinsteiger eine schlechte Position gehabt: "Schiedsrichter müssen sich sicher sein. Wenn er da sicher war, hat er Röntgen-Augen." Immerhin: Auch die anderen Studio-Gästen waren der Meinung, dass Rizzolis Sicht nicht die beste war. "Ich finde auch, dass er nicht gut gepfiffen hat", stimmte ihm Comedian Matze Knop generell zu.

Die Diskussionen gingen schon weiter - da erinnerte Waldi: "Nochmal zu dem Elfmeter. Die Franzosen haben protestiert, weil sie dachten, er pfeift gegen sie." Tatsächlich erbosten sich manche französische Spieler, ehe sie den Pfiff zu deuten wussten. "Die haben den Elfer gar nicht kapiert, die haben ihn geschenkt bekommen. Herzlichen Glückwunsch, Herr Rizzoli."

Waldi, die Zweite: Die deutsche Form

Dann sorgte Waldi selbst für die Überleitung. "Wir haben den Elfer abgehakt, jetzt komme ich zu dieser EM." Der Sportreporter rechnete mit den Leistungen der Deutschen ab. Die bisherigen Gegner? Fallobst! Gegen die Ukraine ein spätes Tor von Schweinsteiger, gegen Polen ein 0:0 trotz zweier Großchancen des Gegners und gegen Nordirland ein Sieg, der höher hätte ausfallen müssen. "Nordirland ist Handelsklasse 2c", sagte Hartmann. Wie? "Am Viktualienmarkt wäre das Obst von gestern, schon abgegriffen mit leichten Dellen", erklärte der 68-Jährige. Waldi hätte sich mehr Souveränität der Deutschen gewünscht.

Waldi, die Dritte: Der deutsche Sturm

"Wir haben ein großes Problem vorne", befand Waldi. Die Sturmfrage löste bei der EM Mario Gomez: Vier Spiele, zwei Tore. "Der hat uns gerettet", lobte Hartmann - macht aber gleich deutlich, dass der 30-Jährige nicht die große Lösung war. "Über Mario Gomez hat zwei Jahre lang kein Mensch geredet." Letztlich wurde Gomez dann doch für die EM nominiert. "Weil der in der Operetten-Liga in der Türkei ein paar Kisten gemacht hat."

Von Bayern-Spieler Mario Götze ist Waldi enttäuscht. "Jetzt ist erst mal Schicht im Schacht. Wenn er drin war, hat er nichts gezeigt." Und Thomas Müller? Bei den Bayern ein Torgarant, bei der EM mit Torflaute. "Er wurde in eine Rolle gedrängt", erklärte Hartmann. "In den letzten vier Wochen liefen über 4000 Werbe-Spots mit Thomas Müller." Er sieht einen Müller, der sich verändert hat. Die Grimasse gegenüber dem Italiener Giorgio Chiellini, der Aufmunterer für die Mitspieler: "Thomas, du machst Sachen, die du vor zwei Jahren nicht gemacht hast." Waldis Fazit: "Er ist mit Aufgaben überladen worden."

Waldi, die Vierte: Die deutsche Abwehr

Nach dem Elfmeter, der aus Waldis Sicht keiner war, folgte das 2:0. Und das regt den 68-Jährigen auf. "Mehr Fehler kannst du in zehn Sekunden gar nicht machen", urteilt der 68-Jährige und zählt auf: "Zuerst macht Kimmich den Fehler, Mustafi lässt Pogba zu lange am Ball, Schweinsteiger schaut Manuel Neuer zu. Neuer muss den Ball mit der Faust raushauen." So aber schloss Griezmann zum 2:0 ab.

Waldi, die Fünfte: Der Deutsche Fußball Bund

Viele Spieler bemängeln die hohe Belastung, im Turnier hatten die Deutschen viele Angeschlagene. Doch für Kritik des DFB am langen Spielkalender hat Waldi kein Verständnis: "Die müssen erstmal vor der eigenen Türe kehren. Die richten Länderspiel-Termine ein, die kein Mensch braucht." So mache Deutschland "zusätzlich Freundschaftsspiele gegen irgendwelche Drittländer - weil man halt vier Millionen Euro vom Fernsehen für das Spiel kassiert".

Generell sieht Waldi keine Überbelastung. "Am Boden bleiben", mahnte er. "Etwa 60 Spiele haben die Jungs immer schon gemacht. Und sie haben eine medizinische Betreuung, die hat es vor 20 Jahren so nicht gegeben."

Waldi in Rage - doch richtig ernst war der Sportreporter nur, wenn die Runde bei Lanz auf die deutsche Mannschaft zu sprechen kam. Über andere Themen konnte Waldi wie gewohnt herzlich erzählen und lachen - und auch schon wieder nach vorne blicken. Für das Finale ohne deutsche Beteiligung am Sonntag wünscht sich Waldi nur eines: "Cristiano Ronaldo weinen sehen."

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