Ukraine-Sieg noch nicht weltmeisterlich

Start-Kraftakt macht Löw "schlauer"

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Auf seinen Kapitän kann sich Joachim Löw (r.) verlassen.

Évian-les-Bains - Nicht weltmeisterlich, aber das zähe 2:0 gegen die Ukraine eröffnet Bundestrainer gute EM-Perspektiven. Schweinsteiger ist schon wieder „Gold wert“, Hummels steht in den Startlöchern. Und zwei Rio-Champions sind schon in Titelform.

Update vom 13. Juni 2016: Welche Mannschaft stellt Bundestrainer Jogi Löw am Donnerstag gegen Polen auf den Platz? Wir haben für Sie die aktuellen Informationen zur möglichen Aufstellung für das Spiel Deutschland gegen Polen.

Mit dem erhofften Wellnesstag in der Sonne konnte Joachim Löw seine abgekämpften Auftaktsieger am Genfer See nicht belohnen. Erst morgens um Vier war der DFB-Tross um den bestaunten Kurzarbeiter Bastian Schweinsteiger zurück im Hotel in Évian-les-Bains, wo für die ganze Woche Regenwetter vorhergesagt ist.

Die Laune in der deutschen EM-Reisegruppe trüben konnte das Aprilwetter zumindest am Tag der Regeneration nach dem zähen 2:0 in Lille gegen die körperlich robusten und konterstarken Ukrainer aber nicht. Der Weltmeister ist erfolgreich in die lange Tour de France gestartet, die schweren Königsetappen kommen aber erst noch.

Deutschland übernimmt in Hälfte zwei die Kontrolle

„Wir sind noch nicht da, wo wir hinmüssen, wenn wir das Turnier gewinnen wollen“, sagte Toni Kroos. Der Champions-League-Sieger hatte mit bemerkenswerter Präsenz und Ballsicherheit das Spiel gelenkt und wurde von der UEFA folgerichtig als „Man of the Match“ ausgezeichnet. Auch Löw hatte am Sonntagabend registriert, dass noch viel Arbeit auf ihn und seine Brasilien-Champions wartet. Dennoch war er beim Fazit „sehr zufrieden“ mit Spiel und Ergebnis: „Es war nicht ganz so einfach gegen sehr gut verteidigende und konternde Ukrainer.“

Es gibt in allen Bereich noch Steigerungspotenzial. Im Angriff war Julian Draxler der auffälligste Unruhestifter. Mesut Özil, Thomas Müller und Mario Götze zündeten noch nicht wie gewünscht. Und die neuformierte Viererkette um den Kopfball-Torschützen Shkodran Mustafi wankte vor allem im letzten Drittel der ersten Hälfte bedenklich. „Da hätten wir uns nicht beschweren können, wenn die Ukraine das 1:1 schafft“, sagte Kroos. Hoffnungsvoll stimmte auch Löw, dass die Kontrolle über Spiel und Gegner nach der Pause wieder intakt war. „Da hatten wir in den einzelnen Ebenen eine sehr gute Aufteilung. Da haben wir das Spiel klar dominiert.“ Auch wenn es lange eng blieb.

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Auftaktspiele, wissen Löw und seine vielen erfahrenen Turnierkräfte, sind speziell. Priorität hat allein das Resultat. „Das war das erste Spiel im Turnier mit zwei Toren Abstand“, hob Teammanager Oliver Bierhoff hervor: „Da kann man zufrieden sein.“ Ein Erfolg zum Auftakt ist in der zehnjährigen Ära von Löw als Bundestrainer stets ein gutes Turnier-Omen gewesen: Seit der EM 2008 gab es nun fünf Siege mit 13:0 Toren - und immer wurde mindestens das Halbfinale erreicht. „Das war jetzt kein super Spiel von uns, aber es war ein ordentliches Spiel“, resümierte Manuel Neuer. Pflicht erfüllt, Haken drunter.

Neben Kroos agierte auch Deutschlands Nummer 1 sofort auf höchstem Niveau. Mit mehreren Paraden sicherte Neuer seinen persönlich 50. Sieg im 66. Länderspiel. Zum 27. Mal stand bei dem 30-Jährigen, der die DFB-Elf als Kapitän anführte, die Null. „Er ist der Welttorhüter“, begründete Löw die Entscheidung pro Neuer als Vertreter des noch nicht Startelf-fitten Schweinsteiger.

Schweinsteiger: "Die Verletzung ist ausgeheilt"

Der wahre Kapitän brauchte nur die Kürze der Nachspielzeit, um ein erstes Ausrufezeichen bei seinem womöglich letzten Turnier-Hurra zu setzen. Löws Auftrag an Schweinsteiger lautete, die Führung nach der späten Einwechslung mit absichern. Aber dann stürmte der früh in Ehren ergraute Turnierveteran mit einem langen Sprint im Stile des jungen „Schweini“ nach vorne und erzielte nach Maßflanke von Özil das 2:0. Ein magischer Moment. „Unglaublich, dass es sowas gibt, das kann man sich nur wünschen“, sagte Schweinsteiger strahlend.

Es war Schweinsteigers erstes Turniertor seit der EM 2008, als er als 23 Jahre alter „Blondie“ in Basel ähnlich dynamisch das 1:0 beim Halbfinalerfolg gegen die Türkei erzielte. „Das sind genau meine Qualitäten“, scherzte er wie ein junger Lausbub, auch wenn er ehrlich zugeben musste, nach dem „langen Sprint“ doch „außer Atem“ gewesen zu sein. „Die Verletzung ist ausgeheilt“, sagte er zum Zustand seines rechten Knies: „Ich hoffe, dass ich peu à peu mehr spielen kann.“

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Mit erhobenem Daumen verließ Schweinsteiger den Stadionrasen.Der Kurzauftritt beseelte den gesamten DFB-Tross, er könnte eine Initialzündung gewesen sein. „Ich denke, das Tor gibt Bastian persönlich und auch uns allen Auftrieb“, kommentierte Löw. Der Bundestrainer sprach von einer Belohnung für Schweinsteigers „Schufterei“ im Aufbautraining. „Ein Bastian Schweinsteiger ist Gold wert“, lobte Löw. Geradezu euphorisch äußerte sich Neuer: „Ich hoffe, dass Basti so früh wie möglich von Beginn an Spielen kann.“

Löws personelle Optionen haben sich mit Blick auf das Gruppenfinale um Platz eins gegen Polen erheblich verbessert. Schweinsteiger ist bereit für mehr Minuten. Mats Hummels gab nach Wadenverletzung Grünes Licht für eine Rückkehr schon am Donnerstag in Paris. Aber auch sein Ersatzmann Mustafi konnte sich mit seiner Kampfkraft und dem Tor für einen weiteren Einsatz an der Seite von Abwehrchef Jérôme Boateng empfehlen. „Es war wichtig für mich, meinen Job zu machen und das Vertrauen des Trainers zurückzugeben“, sagte Mustafi mächtig stolz.

„Wir sind natürlich schlauer“, bilanzierte Kroos nach Spiel eins von maximal sieben. Ohne Stress kann Löw am Dienstag die Vorbereitung auf die Kraftprobe mit den gegen Nordirland ebenfalls erfolgreich in die EM gestarteten Polen um Bayern-Torjäger Robert Lewandowski eröffnen. „Das wird für uns wieder ein harter Kampf werden“, sagte er voraus.

dpa

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