Wegen Taktik gegen Italien

Jetzt reagiert DFB-Scout Siegenthaler auf Scholl-Kritik

+
Bleibt nach der Kritik an seiner Arbeit recht gelassen: DFB-Chefscout Urs Siegenthaler (l.) nimmt Mehmet Scholl den Groll nicht krumm.

Evian - Für seine Taktik-Tipps an Joachim Löw wurde Urs Siegenthaler von Mehmet Scholl öffentlich kritisiert. Nun äußert sich der Schweizer zu der überraschenden Attacke.

DFB-Chefscout Urs Siegenthaler hat gelassen, aber auch mit Unverständnis und Spott auf die Attacke von ARD-Experte Mehmet Scholl reagiert. "Ich weiß nicht, was ich Herrn Scholl getan habe", sagte der 68 Jahre alte Schweizer der Bild: "Jeder kann erzählen, was er will - frei und unbefangen. Sich so zu äußern, ist Scholls gutes Recht. Ich kenne ihn allerdings persönlich nicht."

Zur sachlichen Kritik des Ex-Nationalspielers sagte er nur: "Vor 1000 Jahren haben die Menschen die Erde auch nicht als Kugel gesehen." Er meinte damit offenbar, dass Scholl bei den Entwicklungen des Fußballs nicht auf der Höhe der Zeit ist.

Beckenbauer stützt Löw und Siegenthaler

Auch "Kaiser" Franz Beckenbauer gab Siegenthaler und Bundestrainer Joachim Löw Rückendeckung. "Es gehört zum modernen Fußball, dass man mehrere Systeme einsetzt", sagte der frühere DFB-Teamchef und heutige Bild-Experte: "Es wäre geradezu fahrlässig von Jogi Löw gewesen, sich nicht auf Italien einzustellen."

Scholl hatte Siegenthaler "und Konsorten" als Fehler-Einflüsterer bei Joachim Löw ausgemacht und vor fast 30 Millionen TV-Zuschauern darüber geschimpft, dass dieser Löw falsche Tipps gebe. "Der Herr Siegenthaler möge bitte seinen Job machen, morgens liegen bleiben, die anderen zum Training gehen lassen und nicht mit irgendwelchen Ideen kommen", hatte Scholl gesagt.

Zuvor hatten schon Oliver Bierhoff und Oliver Kahn ihr Unverständnis für die Worte von Scholl zum Ausdruck gebracht. "Eigentlich hat er den gesamten Trainerstab damit irgendwie angegriffen. Das war unmöglich, wie Mehmet das dargestellt hat", wetterte der DFB-Teammanager, der zudem darauf hinwies, dass der ARD-Experte "unsere Abläufe" nicht kenne. Kahn als Scholl-Pendant beim ZDF ergänzte: "Wir müssen mal weg kommen von dieser Einstellung, dass man ein ganzes Turnier oder eine ganze Saison durch immer mit der gleichen Taktik spielen müsse. Diese Zeiten sind schon ziemlich lange vorbei."

mol mit Material von sid

Mehr zum Thema

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren