Ein ungewöhnlicher Profi

Ösi-Kapitän Fuchs: "I scheiß mer nix"

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Beweist Nähe zu den Fans: Christian Fuchs.

Paris - Österreichs Kapitän Christian Fuchs ist ein eher ungewöhnlicher Fußball-Profi, und das führt er gerne vor.

Das deutsch-österreichische Satiriker-Duo Dirk Stermann und Christoph Grissemann hat berufsbedingt einen Hang zu Übertreibungen. Ihre bissig-spöttischen Nummern wie der "Alpenzoo" ("Die scheiß Deitschn!") oder "Die deutsche Kochschau" ("Ernst-Röhm-Topf") sind auch deshalb so erfolgreich.

Als das gemischte Doppel wenige Tage vor Beginn der Fußball-EM den österreichischen Kapitän Christian Fuchs begrüßt, trifft Satire trotz aller Superlative einen wahren Kern. Jetzt, ruft Grissemann fast hysterisch, komme "unsere größte Hoffnung bei der Europameisterschaft", das "Genie des Fußballs aus Leitschäster".

Österreich hat David Alaba, den Superstar von Bayern München. Doch der Chef der Mannschaft ist Fuchs, der über Bochum, Mainz und Schalke im vergangenen Sommer nach Leicester kam. In der Stadt in Mittelengland, die natürlich "Lester" ausgesprochen wird, schrieb Fuchs mit an einem der verrücktesten Sport-Märchen, die es je gab; an Leicesters Sensations-Meisterschaft.

Wie er, das "Genie", das bewerkstelligt habe, will Stermann in der Talk-Sendung "Willkommen Österreich" von Fuchs wissen. Schließlich habe Leicester in den 132 Jahren seines Bestehens nie etwas gerissen. Fuchs, im selbst entworfenen T-Shirt und grauen Anzug, lehnt sich lässig zurück und sagt: "Es is Zeit gwordn, dass I eben do hi geh, damit a mol was aussa kummt dabei."

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Fuchs und Leicester - das passt wie die Faust aufs Auge. Nicht nur, weil der Klub einen Fuchs in seinem Wappen trägt. Als der 30-Jährige nach seinem unrühmlichen Abgang auf Schalke zu den "Foxes" kam, war der Trainer, der ihn verpflichtet hatte, gar nicht mehr da. "Das war schon seltsam", sagt er. Doch mit Fleiß, Kompromisslosigkeit und präzisen Flanken spielte er sich in die Herzen der Fans.

Endgültig zum Publikumsliebling wurde er mit seinen selbstironischen Aktivitäten in den sozialen Medien. Stets unter dem Motto "#nofuchsgiven". Was das bedeuten soll, erklärt Fuchs bei Stermann/Grissemann so: "I scheiß mer nix." Also: Keine Angst vor wilden Späßen!

Das sieht dann so aus: Fuchs und Leicesters Stürmerstar Jamie Vardy hauen sich zu Ostern beim "russian egg roulette" Eier auf den Kopf; Vardy trägt dabei übrigens Fuchs' T-Shirt mit dem Motto der Show. In anderen Clips schießen sich Fuchs und Verteidiger Robert Huth mit diebischer Freude gegenseitig Bälle auf den Hintern ("Oaschfetzn"), oder bekommt Shinji Okazaki nach einer verlorenen Runde "Schnick, schnack, schnuck" einen Satz heißer Ohren.

Die Fans lieben diese authentischen Auftritte inmitten der Glitzerwelt Premier League. Und Fuchs lässt sie gerne daran teilhaben. "Wenn du Spaß hast, hast du auch Erfolg", sagt er, bei Leicester, aber auch in der Nationalmannschaft "beschimpfen wir uns manchmal auf dem Platz, das ist super lustig".

Seine Kollegen auf der Insel machen sich einen Spaß daraus, ihn wegen seines Nachnamens nicht ganz jugendfrei zu veräppeln. "Bei Auswärtsfahrten wird auf der Hotelzimmerkarte schon mal das S weggelassen, und statt H steht ein K dort", sagt er, "oder das S bleibt, aber das K fehlt." Christian fucks - grammatikalisch, meint er, passe das ja.

sid

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