Böse Kommentare wegen Live-Übertragungen

Fiese Vorwürfe: ARD und ZDF als „Klub-TV des FC Bayern“?

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Alex Bommes (l.) und Mehmet Scholl begleiteten für die ARD das DFB-Pokal-Spiel des FC Bayern gegen den FC Augsburg.

München - Dass sich die ARD am Mittwoch das Pokalduell zwischen dem FC Bayern und dem FC Augsburg für die Live-Übertragung herauspickte, stößt Einigen übel auf, die öffentlich-rechtlichen Sender werden als „Bayern-Klub-TV“ verspottet.

Wer es sich am Mittwochabend auf der heimischen Couch gemütlich machte und den Fernseher anschaltete, um sich ein DFB-Pokal-Spiel der 2. Hauptrunde live anzuschauen, bekam ab 20.45 Uhr das Duell zwischen dem FC Bayern und dem FC Augsburg zu sehen. Bereits nach 100 Sekunden erzielte Bayern-Kapitän Philipp Lahm das 1:0 für den Rekordmeister und ebnete damit schon früh den Weg zum nicht wirklich überraschenden Erfolg des Favoriten. Insgesamt eine wenig spannende und wohl nur für Bayern-Fans sehenswerte Partie.

ARD und ZDF: „Sollen sie doch fetten Gänsen den Arsch schmieren“

Und nur wenige Stunden nach dem Abpfiff blies der ARD medialer Gegenwind ins Gesicht. Warum, in aller Welt, so der kritische Tenor, musste sich das Erste von insgesamt 16 Pokalpartien in der 2. Runde ausgerechnet dieses bayerische Derby als Live-Übertragung herauspicken? Stattdessen hätten doch die Duelle Dortmund gegen Union Berlin (Sieg für den BVB im Elfmeterschießen) oder gar der Aufsehen erregende Erfolg des Regionalligisten Sportfreunde Lotte gegen den Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen dem neutralen Fußballfan ein spannenderes Fernseherlebnis beschert, so die Argumentation.

Während in einem Kommentar im Kölner Express „ARD und ZDF als Klub-TV des FC Bayern“ verspottet werden, bemüht ein Kommentator auf 11freunde.de einen alten Spruch von Rudi Assauer. Der ehemalige Schalke-Macher hatte bereits vor zwölf Jahren, im Winter 2004, aus Ärger über die seiner Meinung nach einseitige Programmauswahl gepoltert: “Irgendwann verstehst du die Sender nicht mehr. Sollen sie doch ein Bayern-Studio aufmachen und fetten Gänsen den Arsch schmieren.“

Hinterher ist man immer schlauer

In beiden Texten bekommt auch das ZDF sein Fett weg, weil es, so die Behauptung, mittwochs bei den Champions-League-Übertragungen unverhältnismäßig oft auf die Partien des deutschen Rekordmeisters setze. Statt den spektakulären 2:0-Auswärtserfolg der Gladbacher Borussia in die heimischen Wohnzimmer zu transportieren, entschied sich der Mainzer Sender für das Duell Bayern gegen Eindhoven, das mit einem erwartbaren 4:1 für die Münchner endete.

Doch die Kritiker übersehen dabei einige Faktoren. Schließlich weiß man vorher nie, welche Partie denn nun die spannendste ist. Die Fernsehmacher müssen sich schließlich schon Wochen vor dem Übertragungstermin für ein Spiel entscheiden. Nach dem Abpfiff also ein anderes, wesentlich spannenderes Pokalduell für eine Live-Übertragung zu empfehlen fällt in die wenig erbauliche Kategorie „Hinterher ist man immer schlauer“.

Kein CL-Gruppenspiel der Bayern mehr im Free-TV

Desweiteren ist, gerade bei den Champions-League-Abenden, auch zu beachten, welche Partien denn überhaupt in Frage kommen. So hat das ZDF lediglich die Rechte für ein Live-Spiel im Free-TV am Mittwochabend. Wer sich die noch ausstehenden Gruppenspieltage in der Königsklasse betrachtet, wird feststellen, dass der FCB dabei nicht mehr im frei empfangbaren Fernsehen zu bestaunen sein wird.

Am 23. November, dem einzig verbliebenen Mittwochs-Spieltag der Münchner, überträgt das ZDF den Kracher zwischen Gladbach und Manchester City, wie der Sender auf unsere Anfrage hin bestätigt. Der FC Bayern spielt an diesem Tag bereits um 18 Uhr beim FK Rostov.

Und last but not least bietet die Übertragung eines Bayern-Spiels auch gleich zwei Vorteile für die übertragenden Sender. Zum einen befriedigt man dabei das Bedürfnis der vielen hunderttausend, über ganz Deutschland verteilten Fans des Rekordmeisters. Zum anderen bedient ein FCB-Live-Spiel gleichzeitig auch all jene, nicht minder zahlreich vertretenen Bayern-Hater, die ein Stolpern des Starensembles fast ebenso gern verfolgen wie einen Sieg ihrer eigentlichen Lieblingsmannschaft.

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