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Hoeneß vor Comeback: „Ich werde sicher nicht herumeiern“

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Uli Hoeneß wird am Freitag mit aller Wahrscheinlichkeit erneut zum Präsidenten des FC Bayern gewählt.

München - Die ruhige Zeit ist vorbei: Am kommenden Freitag wird sich Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern erneut zum Präsidenten wählen lassen. Was er beim Rekordmeister mit welchen Mitteln voranbringen will, hat er vorab verraten.

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Beim Liga-Gipfel am vergangenen Samstag in Dortmund glänzte Uli Hoeneß noch mit Abwesenheit. Doch ab kommenden Freitag laufen die Uhren beim FC Bayern wieder etwas anders. Auf der Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters wird der 64-Jährige sich erneut um das Amt des Präsidenten bewerben - und nur wer daran glaubt, dass der Weihnachtsmann tatsächlich der Osterhase ist, zweifelt daran, dass Hoeneß dieses Amt mit überwältigender Mehrheit erobern wird.

Warum hat sich der Macher erneut dafür entschieden, das Präsidentenamt und damit auch den Vorsitz im Aufsichtsrat anzustreben? Was sagt seine Familie dazu? Wie haben die vergangenen drei Jahre, von denen er anderthalb hinter Gittern verbrachte, den Menschen Hoeneß verändert? Was sind die wichtigsten Baustellen, die Hoeneß in Angriff nehmen will? Und wie lange will sich der „Mister FC Bayern“ eigentlich noch in die vorderste Schusslinie begeben? Gegenüber dem kicker hat Hoeneß einige Einblicke gegeben. Wir haben die zentralen Punkte zusammengefasst:

1. Die Rolle der Familie

Seine Kinder, Enkel und vor allem seine Frau sind Hoeneß‘ Ruhepol. Die Verwandtschaft stand immer hinter ihm, auch in der schweren Zeit während der Haftzeit wegen Steuerhinterziehung. Doch auf viel mehr Privatleben dürfen Gattin Susi und Co. auch künftig nicht hoffen. Hoeneß bat seine Familie „um Verständnis, dass ich das gerne noch einmal machen würde“. Schließlich wolle er „mit 64 noch nicht aufs Altenteil“.  Frau Susi gab grünes Licht. „Sie hat erkannt, dass ich nicht glücklich werde, wenn ich mit 64 in den absoluten Ruhestand gehe.“

2. Übernimmt Hoeneß wieder die Abteilung Attacke?

Spätestens nach dem Abschied von Sportvorstand Matthias Sammer fehlt beim FC Bayern ein Mann fürs Grobe, der auch mal einen deutlichen Spruch in Richtung der Konkurrenz platziert, falls diese dem FC Bayern auf die Pelle rückt. Oder der intern mal auf den Tisch haut, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man es im erfolgsverwöhnten Klub gewohnt ist. Eine Rolle wie geschaffen für den „alten“ Hoeneß. Und künftig? „Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein, das wird sich nicht ändern, ich werde sicher nicht herumeiern“, stellt Hoeneß klar. Allerdings will er nicht täglich  an der Säbener Straße wirken, „nicht sieben Tage die Woche 24 Stunden lang“, sondern nur noch montags, mittwochs und freitags vorbeischauen und natürlich bei den Spielen dabei sein. 

3. Welchen Führungsstil pflegt Hoeneß?

Hoeneß macht kaum einen Unterschied zwischen den Millionarios im Superkader und den Angestellten auf der Geschäfststelle des FC Bayern. Das Familiäre liegt im am Herzen und im Blut. Allerdings ist der Rekordmeister inzwischen zum Konzern aufgestiegen, mit Geschäftsverbindungen rund um den Globus. Hoeneß ist sich bewusst, dass das Familiäre „mit 50 Mitarbeitern leichter zu pflegen ist als mit 700, wie wir sie heute haben“. Doch er betont gleichzeitig: „Ich werde das Familiäre in jedem Fall leben, ich möchte von Anfang an eine gute Atmosphäre haben.“ Für die Spieler wird Hoeneß selbstredend auch immer ein offenes Ohr haben, die Profis wissen das zu schätzen. „Wenn ich einen Rat brauche, weiß ich, dass mir neben den anderen Verantwortlichen Uli Hoeneß immer zur Seite steht“, freut sich beispielsweise Torwart Manuel Neuer.

4. Warum strebt Hoeneß überhaupt nochmal das Präsidentenamt an?

Der Grund für seine Entscheidung liegt zweieinhalb Jahre zurück, als Hoeneß seinen letzten Auftritt als FCB-Präsident auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Mai 2014 hatte, kurz bevor er seine Haftstrafe antreten musste. „Ich war völlig erschlagen, als die Leute aufstanden und minutenlang applaudierten. Aus diesem Verhalten der Mitglieder habe ich die Kraft geschöpft, jetzt wusste ich: Das war‘s noch nicht“, erklärt er. Für ihn war die Reaktion der Mitglieder das Zeichen, „dass die Leute meine Leistungen respektierten. In vielen Medien hatte es ja geheißen, der Hoeneß ist am Ende, gesellschaftlich, wirtschaftlich, im Verein“. Nun will es der ehrgeizige Macher allen nochmal beweisen.

5. Sind die Steuersünden endgültig abgehakt?

Ein eindeutiges Ja! Hoeneß hat seine Strafe bekommen und, wie in solchen Fällen üblich, die Hälfte seiner Haftzeit auch tatsächlich hinter Gittern verbracht. „Ich stehe dazu, dass ich einen Fehler gemacht habe. Dafür habe ich gesühnt und den Schaden wiedergutgemacht“, betont Hoeneß. Für die ausstehende Steuerschuld, die darauf fälligen Zinsen und die Kirchensteuer hat Hoeneß insgesamt knapp 50 Millionen Euro ins Staatssäckel zurückgezahlt. Aus moralischer und finanzieller Sicht hängt also nichts mehr nach.

6. Hat sich Uli Hoeneß in den letzten Jahren verändert?

Jein. Die langen Monate in Haft haben den Menschen Hoeneß sicherlich verändert. Sein langjähriger Weggefährte und Freund Jupp Heynckes findet, Hoeneß sei „nach außen besonnener, ausgeglichener, nachdenklicher“. Zudem erwartet Heynckes: „Er wird seine Meinung weiter vertreten, aber nicht mehr so emotional.“ Ein Herz für die Benachteiligten und Schwachen hatte Hoeneß schon immer. Offenbar hat die Zeit hinter Gittern diese Charaktereigenschaft noch verstärkt. Denn er kündigt an: „Ich werde mich noch viel stärker für die Kleinen einsetzen, darin wird die einschneidende Veränderung des Uli Hoeneß bestehen.“ Eine Veränderung des Modus im DFB-Pokal, wonach die Amateurvereine zuerst eine Art Qualifikation ausspielen sollen, bevor sie auf die Topklubs treffen können, lehnt Hoeneß beispielsweise strikt ab.

7. Wie sieht die Zukunft von Uli Hoeneß aus?

Die Amtszeit eines Bayern-Präsidenten beträgt laut Satzung drei Jahre. Doch weiter als bis 2019 denkt Hoeneß offenbar noch nicht. Klar ist: „“Der FC Bayern ist für ihn wie die Luft zum Atmen, das ist sein Baby, sein Leben“, weiß Jupp Heynckes. In drei Jahren wäre Hoeneß 67 Jahre alt und sagt über sich: „Dann ist immer noch Zeit, über die Zukunft nachzudenken.“

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