Aufsteiger mischt die Liga auf

Vier Gründe, warum der FC Bayern jetzt Leipzig fürchten muss 

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RB Leipzig mischt die Liga auf und rückt dem FC Bayern auf die Pelle.

München - Der FC Bayern grüßt von der Tabellenspitze - so weit nichts Ungewöhnliches. Überraschend ist jedoch, dass Aufsteiger RB Leipzig sich dem Rekordmeister an die Fersen geheftet hat. Wir nennen vier Gründe, warum das langfristig so bleiben könnte.

„Wir sind Tabellenführer, Leipzig Zweiter, alles wunderbar“ - Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich nach dem 3:1-Erfolg in Augsburg zufrieden mit der Gesamtsituation. Borussia Dortmund, von vielen Experten als ärgster Bayern-Verfolger ausgemacht, kämpft mit sich selbst und einer schier endlosen Verletztenliste und liegt bereits acht Punkte hinter dem Titelverteidiger. Auch die anderen üblichen Verdächtigen, etwa Bayer Leverkusen oder Schalke 04, befinden sich noch nicht einmal in der ersten Tabellenhälfte. 

Ganz anders der Aufsteiger aus dem Osten: RB Leipzig rockt auch die Bundesliga, hat von den bisherigen neun Saisonspielen sechs gewonnen und noch keines verloren - nur zwei Punkte liegen die Sachsen hinter dem Spitzenreiter. "Dass die große Pläne da haben und sich nicht mit dem Mittelfeld zufriedengeben, war von Anfang an klar", analysiert Rummenigge. Wir nennen Gründe, warum die Leipziger für den FC Bayern ein echt gefährlicher Jäger sind!

1. Der Trainer: Ralph Hasenhüttl macht Pep Guardiola Konkurrenz

Ralph Hasenhüttl.

Coach Ralph Hasenhüttl beweist seine Qualität. Bereits in der vergangenen Saison hielt er mit FC Ingolstadt sensationell die Liga, mit Leipzig verfolgt er nun höhere Ziele, auch wenn er diese noch nicht explizit formuliert. "Ob wir jetzt als Spitzenmannschaft tituliert werden, ist für uns nicht wichtig. Wir wollen immer unsere Leistung abrufen und mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben“, erklärt der 49-Jährige. Seine Fähigkeiten als Trainer sind auch den Bayern nicht verborgen geblieben.

Arjen Robben vergleicht den Österreicher gar mit einem der ganz großen der Trainerzunft, Pep Guardiola: „Man sieht seine Veränderungen sofort“, lobt der Niederländer Hasenhüttls Coaching: „Das ist ähnlich wie bei Pep. Seine Umstellungen sieht man im Spiel von Manchester City auch sofort. Leipzig ist eine sehr frische, aggressive Mannschaft, die viel Druck macht. Man sieht, dass er jetzt sein Spiel auch in Leipzig durchbringt.“ Auch FCB-Kapitän Philipp Lahm attestiert seinem ehemaligen Mitspieler - Lahm und Hasenhüttl kickten zwischen 2002 und 2004 gemeinsam in der zweiten Mannschaft des FCB - hohe Qualität: „Der Büffel (Hasenhüttls Spitzname zu der Zeit; Anmerk. d. Red.) macht einen guten Job.“

2. Erfolgreiche Ersatzbank

Der jüngste Auswärtserfolg bei Darmstadt 98 ist Sinnbild für Leipzigs Joker-Qualitäten. Marcel Sabitzer wurde gegen die Lilien eingewechselt und sorgte mit seinem Doppelpack für den 2:0-Endstand. Schon sieben der insgesamt 17 Treffer des Aufsteigers wurden durch eingewechselte Spieler erzielt. Der Kader ist breit aufgestellt, Stürmer Timo Werner erklärt das Erfolgsrezept: „Wir laufen ohne Ende. Und wenn der Gegner müde gespielt ist, dürfen die anderen das Spiel entscheiden.“ Hasenhüttl freut‘s: „Das ist ja das Schöne an meiner Ersatzbank: Ich muss nur hinschauen und treffe situativ die richtige Entscheidung, weil ich fast nichts falsch machen kann.“

3. Volle Konzentration auf die Liga

International ist der Aufsteiger nicht vertreten, im DFB-Pokal flog Leipzig bereits in Runde eins gegen Dresden aus dem Wettbewerb. Dementsprechend konzentriert und ungestört kann Hasenhüttl sein Team auf den jeweiligen nächsten Gegner vorbereiten. „Die Leipziger haben ein schönes Programm, immer Samstag, Samstag. Die können sich während der Woche ausruhen, während die anderen DFB-Pokal, Champions League oder sonst etwas spielen“, hat Rummenigge einen Teil des Leipziger Erfolgskonzepts ausgemacht. Hasenhüttl bestätigt die Einschätzung des Bayern-Bosses: „Da gebe ich ihm recht, es ist absolut kein Nachteil, dass wir uns auf die Spiele vier, fünf Tage vorbereiten können und die Trainingsbelastung optimal steuern können.“

4. Ausgeglichener Kader: jung, laufstark, hungrig und taktisch gut geschult

Leipzig spielt Powerfußball: Mit dem jüngsten Kader der Liga (23 Jahre Altersdurchschnitt) spult der Aufsteiger pro Bundesliga-Partie die längste Laufstrecke ab, 116 Kilometer kommen im Schnitt zusammen. Taktisch gut geschult, drückt RB dem Gegner seinen Stempel auf und zwingt ihn zu Fehlern. "Das sind junge, talentierte Spieler, die alle gierig sind und zu 100 Prozent machen, was deren Trainer sagt", staunt Darmstadts Stürmer Sven Schipplock. Sein Kollege, Mittelfeldmann Daniel Jungwirth, attestiert den Sachsen ein „weltklasse Gegenpressing“. Nach Balleroberungen schaltet der Aufsteiger blitzschnell um und verschiebt über den ganzen Platz. Positiver Nebeneffekt dieses Taktikkniffs: Die Gegner erarbeiten sich kaum Möglichkeiten, mit lediglich 21 hat Leipzig ligaweit die wenigsten Chancen zugelassen.

Fazit

Hält der Leipziger Höhenflug an, könnte es im letzten Spiel des Jahres am 21. Dezember in München zur großen Kraftprobe zwischen dem FC Bayern und dem Bundesliganeuling kommen. Weltmeister Mats Hummels schaut jedoch weiterhin vor allem auf seinen Ex-Club, obwohl Borussia Dortmund schon acht Punkte zurückliegt. „Für mich ist der größte Konkurrent weiter Schwarz-Gelb“, sagte Hummels in Augsburg. Wenn er sich da nicht mal gewaltig täuscht...

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