Vor dem 171. Revierderby

BVB mit Sorgen, Schalke mit breiter Brust

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BVB-Trainer Thomas Tuchel.

Dortmund - Acht Plätze und sieben Punkte trennen die Erzrivalen in der Tabelle, in den vergangenen Jahren ist Borussia Dortmund Schalke 04 davongezogen - doch vor dem 171. Revierderby hat sich die Stimmung plötzlich gedreht.

Beim BVB wachsen nach drei Bundesligaspielen ohne Sieg die Sorgen, der S04 kommt nach fünf Siegen in vier Wochen mit breiter Brust.

"In der Vergangenheit haben wir in Dortmund nicht allzu viel geholt - ich glaube, das sollte sich ändern", sagte Jungnationalspieler Max Meyer vor der Neuauflage des Ruhrpott-Klassikers am Samstag (18.30 Uhr/Sky). Der Trend spricht für Königsblau: Nach dem katastrophalen Saisonstart mit fünf Bundesligapleiten sind die Gelsenkirchener seit fünf Wochen ungeschlagen - sie haben als Tabellen-14. aber noch immer großen Nachholbedarf.

"Wir haben nur sieben Punkte, das ist zum jetzigen Zeitpunkt zu wenig", meinte Kapitän Benedikt Höwedes, "wir brauchen dringend die Punkte. Da ist natürlich Brisanz drin." Auch deshalb, weil der so furios gestartete BVB ins Straucheln geraten ist. Dass gegen den Zweitligisten Union Berlin erst das Elfmeterschießen den Einzug ins Pokal-Achtelfinale brachte, bestätigte: Der Schwung der ersten Wochen ist weg - auch weil zuletzt wichtige Leistungsträger verletzt fehlten und die Jungen viel häufiger einspringen mussten als geplant. "Wir werfen sie ins kalte Wasser, aber die Bademeister stehen an der Seite dabei", meinte Trainer Thomas Tuchel.

Vor allem auf die Rückkehr seines Torjägers Pierre-Emerick Aubameyang hofft Dortmund. Denn der 27-Jährige ist Derby-Spezialist: In den letzten sechs Duellen mit Schalke traf der Gabuner, der zuletzt wegen Wadenproblemen pausieren musste, viermal - unvergessen ist sein Jubel mit Batman-Maske an der Seite von Marco Reus.

Dass Aubameyang und seine pfeilschnellen Sturmkollegen vom Gegner oft nur durch Fouls zu stoppen sind, hatte Tuchel beklagt. Für Schalke allerdings kein Grund zur Zurückhaltung: "Wir kommen nicht und sagen: Bei Foul neun hören wir auf", sagte Sportvorstand Christian Heidel im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Der langjährige Mainzer Manager, der mit Tuchel sechs Jahre zusammenarbeitete, betonte aber auch: "Fouls dürfen kein regelmäßiges Stilmittel sein." Die Klage des BVB-Coaches, seine Spieler würden absichtlich gefoult, hält Heidel für "zu weit hergeholt".

Eigentlich sollte der BVB seinem Nachbarn mindestens einen Schritt voraus sein. Denn unter Heidel bemühen sich die Königsblauen, den Dortmundern nachzueifern. Der Revierrivale sei einer der Klubs, die "mit einem klaren Plan, Kontinuität und Sachverstand" arbeiten, "das sollte uns Vorbild sein", sagte der Schalker Manager.

Um die Jahrtausendwende dominierten die Gelsenkirchener noch das Derby, blieben zwischen 1999 und 2004 in 15 Duellen ungeschlagen. Von den letzten sechs verlor der BVB aber nur noch eins. Die Wachablösung macht Heidel an einem anderen Ex-Mainzer fest: "Dortmund hat 2008 einfach eine sehr, sehr glückliche und gute Personalentscheidung getroffen und meinen Ex-Trainer und Freund Jürgen Klopp geholt. Damit hat sich der Verein komplett verändert."

Klopps "brutaler Umschalt-Fußball" (Heidel) dient Schalke jetzt als Blaupause. "Pressing, Gegenpressing, offensiv verteidigen" - das sollen die Königsblauen unter Trainer Markus Weinzierl bieten, "das muss erstmal in die Köpfe". Der BVB ist dagegen schon eine Stufe weiter. "Heute geht es darum, das Spiel der Mannschaft im eigenen Ballbesitz zu optimieren - wie bei Pep Guardiola, der es bei Bayern nahezu in Perfektion gemacht hat", sagte Heidel mit Blick auf den Gegner: "Das ist eine logische Entwicklung."

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SID

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