Vorfälle im Pokal-Spiel gegen Leipzig

„Bullenkopf-Affäre“: Harte Strafe für Dynamo Dresden

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Dynamo Dresden gewann das Pokal-Spiel gegen RB Leipzig mit 5:4 nach Elfmeterschießen.

Frankfurt/Main - Dynamo Dresden muss die "Bullenkopf-Affäre" teuer bezahlen. Das DFB-Sportgericht verhängte am Montag nach einer mündlichen Verhandlung einen Teilausschluss der Zuschauer sowie eine Geldstrafe.

Die "Bullenkopf-Affäre" und der geschmacklose Protest gegen den angeblichen "Klassenfeind" kommen Dynamo Dresden teuer zu stehen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verhängte am Montag vor allem für die Vorfälle im Pokal-Spiel gegen RB Leipzig einen Teilausschluss der Zuschauer sowie eine Geldstrafe in Höhe von 60.000 Euro gegen den Zweitligisten - oben drauf gab es einen Rüffel vom Richter.

"Eine positive Zukunftsprognose ist Dynamo Dresden nicht zu stellen", sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des Sportgerichts, in seiner Urteilsbegründung: "Jede Woche ist irgendetwas anderes. Eine Strafe auf Bewährung wäre eine glatte Fehlentscheidung gewesen."

Eklat in der ersten Pokalrunde gegen RB Leipzig

Aufgrund eines am 15. Juli gefällten Sportgerichtsurteils spielte der achtmalige DDR-Meister nämlich bereits in der ersten Pokalrunde am 20. August gegen Erstligist Leipzig (5:4 i.E.) auf Bewährung - und dann flog ein abgetrennter Bullenkopf aus dem Dresdner Zuschauerbereich in den Innenraum. Während der Partie waren zudem mehrere Hass-Banner gegen die Gäste zu sehen. RB-Kapitän Dominik Kaiser wurde von einer Münze getroffen.

"Das was an Transparenten gezeigt wurde, geht weit über die freie Meinungsäußerung hinaus", sagte Lorenz nach der knapp vierstündigen Verhandlung: "Wenn man eine Bewährung ausspricht, geht man davon aus, dass sich der Klub und die Fans nichts mehr zu Schulden kommen lassen."

Dynamo berät über „Chance auf Berufung“

Im auf das rechtskräftige Urteil folgenden Heimspiel müssen nun mehrere Blöcke geschlossen werden, insgesamt geht es um rund 9000 Fans. Stand jetzt betrifft die Sanktion die Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth am 20. November (13.30 Uhr). Dresdens Geschäftsführer Sport, Ralf Minge, kündigte jedoch an, dass die Klub-Gremien über die "Chance auf Berufung" beraten werden. Entsprechend würde sich die Sanktion verschieben.

Der Zweitligist musste sich in der DFB-Zentrale zudem mit fünf weiteren Anklagen auseinandersetzen, die teils nach dem RB-Spiel erhoben worden waren. Weil es auch in diesen Fällen um das Fehlverhalten der Dresden-Anhänger ging, wurden die Verfahren zu einem gebündelt.

„Teilausschuss eine absolut unangemessene Bestrafung des Vereins“

"Der Verein hat wirklich alles Erdenkliche getan, um gerade das Spiel gegen RB Leipzig gewaltfrei über die Bühne zu bringen", sagte Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born: "Vor diesem Hintergrund sehen wir den Teilausschluss als absolut unangemessene Bestrafung des Vereins an. Wir glauben sogar, dass der Widerruf der Bewährung nicht der Prävention dient, sondern dazu führt, dass die Spirale weitergedreht wird."

Der Bullenkopf war in einer Holzkiste unbemerkt in das Stadion gebracht worden. Der Klub wies die Verantwortung dafür zurück. Der Kopf sei bereits ein bis zwei Tage vor dem Spiel ins Stadion gebracht worden, argumentierte die Dynamo-Seite. Der DFB hatte die Begegnung wegen des hohen Konfliktpotenzials im Vorfeld als Hochsicherheitsspiel eingestuft.

Die Polizei hatte den Bullenkopf-Vorfall in ihrem Bericht vom Spiel zunächst nicht gemeldet. Insgesamt wurden inzwischen sechs Tatverdächtige ermittelt, die sich jedoch nicht zur Sache geäußert haben. Der Fall liegt - weil kein Straftatbestand vorliegt - als Ordnungswidrigkeit bei der Stadt Dresden. Ausschreitungen hatte es im Stadion und dessen Umfeld nicht gegeben.

SID

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