Boateng fällt aus

Ancelotti im Kreuzverhör: System und Arbeit gut

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Jérôme Boateng hat das Training abgebrochen. Foto: Sven Hoppe

Erstmals seit 14 Monaten ist der FC Bayern nicht Tabellenführer der Bundesliga, sondern der Jäger. Gegen Leverkusen muss eine Wende gelingen. Trainer Ancelotti betrachtet das Topspiel als Chance.

München (dpa) - Auch wenn alle Augen beim FC Bayern gerade auf Uli Hoeneß gerichtet sind, stehen Trainer Carlo Ancelotti und seine Fußballstars in München dennoch unter besonderer Beobachtung.

Zwei Niederlagen in Dortmund (0:1) und Rostow (2:3) sowie zweite Plätze in der Bundesliga und der Champions League haben die sportliche Situation vor dem Topspiel gegen Bayer Leverkusen beim deutschen Rekordchampion zugespitzt. Und Ancelotti weiß, dass er am Samstag (18.30 Uhr) bei der Jagd auf Spitzenreiter RB Leipzig mit seiner Mannschaft im Stadion eine überzeugende Reaktion liefern muss.

"Es ist eine gute Möglichkeit, ein Comeback zu feiern, gut zu spielen und zu gewinnen", sagte der 57 Jahre alte Italiener wenige Stunden vor der Jahreshauptversammlung zum "harten Spiel" gegen Bayer 04. Zur Einstimmung wollte er der Wahl von Hoeneß ins Präsidentenamt beiwohnen. "Es ist ein wichtiger Moment für den Club - und er ein bedeutender Mann für den Verein", äußerte Ancelotti.

Der erfahrene Trainer musste bei seiner Pressekonferenz erstmals in eine Art Kreuzverhör mit den Medien. Seine Kernaussage wiederholte er dabei mehrmals. Die aktuelle Schieflage des Serienmeisters, der erstmals seit 14 Monaten nicht Tabellenführer ist, liege nicht an seinem Spielsystem und seiner Arbeit, die in der Momentaufnahme des Misserfolgs natürlich kritisch hinterfragt werde.

"Das Training ist gut vorbereitet. Das Problem ist kein körperliches, keines der Fitness", sagte Ancelotti bestimmt. "Wir müssen als erstes taktisch besser werden. Wir sind nicht kompakt genug, nicht aggressiv genug und wir gewähren den Gegnern zu viele Möglichkeiten." Geduld und Zeit fordert der Chefcoach. Sein 4-3-3-System bleibt. "Das System funktioniert nicht gut, aber es liegt nicht am System." Sondern seine Strategie sei einfach noch nicht automatisiert von den Spielern.

"Wir müssen Geduld haben, bis unsere Strategie natürlich ist auf dem Platz", sagte Ancelotti, der ausnahmsweise nur Englisch sprach. "Ich habe Selbstvertrauen, ich bin Optimist. Ich bin zuversichtlich, dass wir aus dieser Phase schnell herauskommen." Die Münchner Stars sind gefordert. "Was erwarte ich? Ein Spitzenspiel", sagte Kapitän Philipp Lahm. "Druck haben wir immer, da ändert sich nicht so viel. Aber wir müssen mal wieder eine Leistung zeigen, die uns positiv stimmt."

Manuel Neuer, Javi Martínez und Arjen Robben sind wieder verfügbar. Beim angeschlagenen Ex-Leverkusener Arturo Vidal will Ancelotti "nichts riskieren". Abwehrchef Jérôme Boateng, den Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge nach der schwachen Defensivleistung in Rostow öffentlich getadelt hatte, wird auf dem Platz nicht helfen können.

Der angeschlagene Weltmeister brach das Training ab, äußerte sich aber via "Bild" zur Rummenigge-Kritik. "Ich bin noch nicht wieder bei 100 Prozent", sagte er. Der Grund dafür seien aber nicht "PR- oder Lifestyle-Termine" abseits des Platzes. Ancelotti bescheinigte Boateng, professionell und seriös zu handeln: "Er arbeitet so hart wie die anderen Spieler auch."

Zum 75. Mal kommt es zum Bundesligaduell Bayern gegen Bayer. Und auch wenn der Sieger in München nur in 3 von 37 Fällen Leverkusen hieß, rechnen sich die Gäste diesmal sogar auswärts etwas aus. Nach dem 1:1 in Moskau, mit dem sich Bayer als drittes deutsches Team neben Bayern und Dortmund für das Achtelfinale der Champions League qualifizieren konnte, fühlt sich Trainer Roger Schmidt für die schwere Aufgabe gerüstet. "Das gibt Rückenwind", sagte Schmidt.

Die Bayern mag er nicht an ihren aktuellen Ergebnissen messen. "Das will ich nicht überbewerten. Die Bayern sind zusätzlich motiviert durch die Situation", glaubt er. "Das ist das schwerste Spiel, was man sich vorstellen kann." Die Bayern seien mit ihrer Erfahrung in der Lage, "sich zu besinnen und eine Topleistung zu liefern". Schmidt will "mit einer ähnlichen Elf" wie in Moskau in München bestehen.

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