Absturz in die 2. Liga kostet 40 Millionen - oder mehr

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Hannovers Präsident Martin Kind fehlen durch den Abstieg rund 40 Millionen Euro in der Club-Kasse. Foto: Peter Steffen

Der Abstieg aus der 1. Fußball-Bundesliga ist für Vereine vor allem ein finanzielles Problem. Und mit jedem Jahr wird's teurer.

Hannover (dpa) - Martin Kind hat schon genau nachgerechnet. "Der Umsatz wird nächste Saison mehr als halbiert", sagte der Vorstandsvorsitzende des ersten Absteigers über die wirtschaftlichen Folgen.

Durch den Sturz in die Zweitklassigkeit fehlen dem Fußball-Bundesligisten Hannover 96 nächste Saison also rund 40 Millionen Euro in der Kasse. Der Abstieg schmerzt die Anhänger, für Manager und Vorstände der Absteiger ist es auch ein riesiges Finanzproblem.

Und das Minus beim Abstieg wird immer größer. Besonders betroffen wären große Traditionsclubs wie der VfB Stuttgart, Werder Bremen oder der hoch verschuldete Hamburger SV, der den Klassenerhalt trotz eines Zwischenhochs noch nicht sicher hat.

Den dienstältesten Erstligisten drücken ohnehin schon Gesamtverbindlichkeiten von 89,1 Millionen Euro nach dem Rekord-Minus von 16,9 Millionen in der Bilanz 2014/15. Werder hat zuletzt das vierte Geschäftsjahr in Serie mit einem deutlichen Minus abgeschlossen und rechnet im Falle eines Abstiegs ebenfalls mit rund 40 Millionen weniger Umsatz.

Das große Loch in der Kasse macht das angestrebte Comeback nach einem Abstieg noch schwerer. Weniger als 30 Prozent der Erstliga-Absteiger schafften in den zurückliegenden zehn Jahren die Rückkehr in der folgenden Saison.

Das größte Minus ergibt sich aus den geringeren Einnahmen aus dem TV-Topf der Deutschen Fußball Liga, der in dieser Saison so gut gefüllt war wie noch nie. Je besser die Platzierung in den Vorjahren war, desto größer ist der Verlust in der kommenden Zweitliga-Saison. Hannover kassiert zuletzt für die Spielzeit 2014/15 36 Millionen TV-Geld, der VfB Stuttgart 32,9 Millionen und Eintracht Frankfurt 26 Millionen. Der am besten verdienende Zweitligist kam dagegen nur auf 10,9 Millionen.

Langfristig ist der finanzielle Schaden sogar noch viel größer. Selbst wenn der sofortiger Wiederaufstieg gelingt, fehlen in den Folgejahren wichtige Punkte für die Fünfjahreswertung, aus der die Verteilung der Medieneinnahmen berechnt wird.

In der 2. Liga reduzieren sich auch die Sponsoring-Einnahmen. Bei Hannover 96 bleiben laut Kind zwar 98 Prozent der Sponsoren. Doch die meisten Clubs haben leistungsbezogene Verträge, denn der Werbewert in der 2. Liga ist für die Unternehmen deutlich geringer.

Eintracht Frankfurt müsste mit rund 14 Millionen Euro weniger rechnen, der Hamburger SV mit einem Sponsoring-Minus von rund zehn Millionen. Besonders schwierig wird es, wenn wie bei Werder Verträge auslaufen und neue Werbepartner gesucht werden müssen. Welches bundesweit agierende Unternehmen wirbt schon gerne mit einem Zweitligisten?

Am schwersten zu kalkulieren sind die Zuschauereinnahmen nach dem Sturz in die 2. Liga. Klar ist nur: Je größer das Stadion, desto mehr trifft ein Abstieg die Kasse. Der VfB Stuttgart mit seiner Arena für 60 441 Zuschauer muss mit einem deutlich größeren Minus rechnen als Darmstadt 98 mit 16 250 Plätzen.

Ein ebenfalls schwer zu berechnender Wertverlust entsteht durch Spieler, deren Verträge nur für die 1. Liga gelten, denn sie könnten wie 96-Mittelfeldrenner Manuel Schmiedebach ablösefrei wechseln. Anderseits haben einige Clubs Profis mit laufenden Kontrakten im Kader, die für die 2. Liga viel zu teuer oder kaum vermittelbar sind.

Ein Verlust entsteht auch durch Ausstiegsklauseln. So wird Ron-Robert Zieler Hannover 96 für geschätzte 3,5 Millionen Euro verlassen können und ist damit als Nationaltorwart ein Schnäppchen. In der 1. Liga soll Zielers Ausstiegsklausel mehr als das Doppelte betragen haben.

Oft müssen die besten Spieler verkauft und die schlechten weiterbeschäftigt werden. "Im Falle eines Abstieges müssen wir Transfererlöse erzielen", erklärte Oliver Frankenbach, Finanzvorstand von Eintracht Frankfurt, der "Frankfurt Neuen Presse".

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