Ex-Baskets-Trainer über das Derby gegen EWE

Eisbären-Coach Machowski im Interview: „Mit Oldenburg waren die Ziele ganz anders“

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Eisbären-Trainer Sebastian Machowski in Aktion.

Der Anruf aus Bremerhaven kam wie aus heiterem Himmel. Eisbären-Boss Jan Rathjen funkte SOS. Am anderen Ende der Leitung: Sebastian Machowski. Der Basketballtrainer wurde im Frühjahr 2016 auserkoren, um das Bundesliga-Team aus der Abstiegszone zu befördern. Machowski ließ sich nicht zweimal bitten. Für den Posten in der Seestadt ließ er sogar einen Urlaub in Florida sausen – stattdessen weht seitdem die Nordseeluft um seine Ohren. Die frische Brise bekommt dem 44-jährigen Ex-Coach der EWE Baskets Oldenburg jedenfalls gut. Bevor er am 20. November in Bremen mit „seinen“ Eisbären auf sein ehemaliges Team trifft, hat er mit unserem Redakteur Guido Finke gesprochen. 

nordbuzz: Als Cheftrainer der Eisbären sind Sie in der Basketball-Bundesliga (BBL) bereits in der zweiten Saison an der Seitenlinie. Mittlerweile zeigt die Formkurve stetig nach oben. Wie sind Sie mit der Entwicklung im Jahr 2016, also saisonübergreifend, zufrieden? 

Sebastian Machowski: Wir haben im Frühjahr das Ziel Klassenerhalt erreicht und im Sommer eine fast komplett neue Mannschaft zusammengestellt. Nur zwei Spieler aus dem Vorjahr sind geblieben. Wir sind mit zwei Siegen gut in die Saison gestartet und haben danach leider drei Spiele verloren. Aber die ersten drei Niederlagen waren gegen Meister Bamberg, Vizemeister Bayern München und den Europapokalsieger Frankfurt. In den Spielen wäre sogar mehr drin gewesen, auch gegen Bamberg. Natürlich muss man die Kirche im Dorf lassen – wir haben ganz andere Ziele als zum Beispiel die Bamberger.

nordbuzz: Welche Ziele schweben Ihnen da vor? 

Sebastian Machowski: Generell wollen wir dieses Jahr attraktiven Basketball zeigen, wir wollen die Fans wieder auf unsere Seite ziehen, mehr Leute in die Halle bringen und dann auch möglichst früh nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben.

nordbuzz: Was reizt Sie an dem Projekt in Bremerhaven?

Sebastian Machowski: Es war für mich in der vergangenen Saison eine komplett neue Aufgabe, zunächst einmal im Abstiegskampf als sogenannter Feuerwehrmann tätig zu sein. Das habe ich vorher so noch nicht gemacht in meinen acht Jahren als Trainer. Aber letztlich war ich mir – weil ich die Mannschaft vorher schon live gesehen hatte, auch sicher, dass wir dieses Ziel erreichen und ich bei den Eisbären noch etwas bewegen kann. Bremerhaven war letztes Jahr die einzige Mannschaft, die mehr Ballverluste als Assists hatte. Daran mussten wir arbeiten. Diesen Teambasketball spielen zu lassen, das haben wir in den verbleibenden zehn oder elf Partien versucht und darüber dann auch den Klassenerhalt geschafft. Wir haben auch jetzt das Ziel, als Team aufzutreten, was in den Vorjahren vielleicht eben nicht so gelungen ist. Ich glaube, die Spielweise bisher belegt das schon ganz gut, dass wir da als Mannschaft gut agieren, dass wir viele Punkte erzielen, den Ball gut laufen lassen. Wenn wir jetzt noch ein paar Fehler abstellen und uns da noch verbessern können, sind wir auf einem sehr guten Weg.

„Wir wollen den Fans wieder Spaß vermitteln“

nordbuzz: Die Stimmung hat sich laut Eisbären-Geschäftsführer Jan Rathjen „um 180 Grad zum Guten gedreht“. Erkennen Sie eine Art Aufbruchstimmung oder gar eine Euphorie bei den Fans? 

Sebastian Machowski: Wir wollen den Fans wieder Spaß vermitteln, wenn sie zu uns in die Halle kommen. Das werden wir mit schnellem Teambasketball versuchen.

nordbuzz: Mit den EWE Baskets Oldenburg haben Sie als Trainer in der BBL jahrelang um die Meisterschaft mitgespielt und wurden 2013 nach dem Gewinn der Vizemeisterschaft sogar als "Coach of the Year" ausgezeichnet. Die Eisbären müssen nicht zuletzt aufgrund der geringeren finanziellen Voraussetzungen kleinere Brötchen backen. Worin liegen die größten Unterschiede zwischen den Trainerjobs in Oldenburg und Bremerhaven?

Sebastian Machowski: Ich denke, das trifft es schon ganz gut. Allein die Voraussetzungen rein finanzieller Art sind andere. Das sieht man nicht nur in der Verpflichtung der Spieler, sondern natürlich auch, was die Voraussetzungen des Clubs angeht, wie viele Leute im Büro arbeiten und so weiter. Dass Oldenburg mit der neuen EWE-Arena eine hochmoderne Spielstätte mit einem Fassungsvermögen von 6000 Zuschauern nutzen kann, ist auch nochmal ein Vorteil. Das ist eine andere Hausnummer. An der Stelle ist der Vergleich mit Oldenburg vielleicht ein bisschen ungerecht. Aber auf sportlicher Ebene werden wir uns trotzdem mit ihnen messen.

nordbuzz: Außerdem sind die EWE Baskets nicht nur in der BBL, sondern auch in der Champions League aktiv . . . 

Sebastian Machowski: Richtig, das ist ein wesentlicher Unterschied: Oldenburg hat durch den internationalen Wettbewerb alle drei Tage ein Pflichtspiel und wir sind in der Bundesliga nur einmal pro Woche im Einsatz. Wenn man in der Bundesliga verloren hat, ist so eine Woche schon recht lang. Man denkt dann oft: Das ist das Ende der Welt. Das ist gerade für unsere junge Mannschaft mit einem Altersschnitt von gut 22 Jahren nicht leicht. Insofern brauchen wir auch Zeit, um uns zu steigern und zu entwickeln.

nordbuzz: Mit den beiden Auftaktsiegen gegen Tübingen sowie Hagen und – Sie sprachen es bereits an – auch dem starken Auftritt bei der knappen 87:93-Niederlage gegen Meister Bamberg überzeugte ihre neu zusammengestellte Mannschaft mit attraktivem Teambasketball. Ist in diesem Jahr vielleicht doch mehr drin als „nur“ der Klassenerhalt? 

Sebastian Machowski: Der Klassenerhalt hat Priorität, ganz klar – wobei das vielleicht ein bisschen wenig erscheint. Wenn man sieht, dass Phoenix Hagen Insolvenz angemeldet hat und als designierter erster Absteiger gilt, wird nur noch ein weiterer Absteiger ermittelt. Intern sagen die Spieler immer, dass sie Meister werden wollen. Irgendwo dazwischen liegt vielleicht die Wahrheit. Man muss sehen, wo wir herkommen. Als Club will man erst einmal wieder eine gewisse Stabilität und ein positives Image haben, die Fans für sich gewinnen und eben nicht das Team sein, das nur drei Heimsiege in einer Saison schafft. Alles, was irgendwann im nächsten Frühjahr vielleicht nach oben zu korrigieren ist, machen wir natürlich gerne. An dem Punkt sind wir aber noch nicht.

nordbuzz: Sie haben ja zum Beispiel auch mit einem gewissen Dennis Schröder zusammengearbeitet. In Braunschweig haben Sie den für die Atlanta Hawks spielenden NBA-Star ausgebildet. Macht es Sie auch ein wenig stolz, ihn mal in jungen Jahren unter ihren Fittichen gehabt zu haben?

Sebastian Machowski: Es ist auf jeden Fall eine spannende Erfahrung und für mich toll zu sehen, wie er sich entwickelt hat und was für eine Rolle er jetzt in der NBA spielt. Ich bin auch sehr gespannt, wie die kommende Saison für ihn verlaufen wird. Ich glaube, er ist sogar für die Starting Five eingeplant. Das freut mich für ihn, dass er es bis dahin gebracht hat. Ich werde das auch weiterhin mit Interesse verfolgen.

„Es gehört dazu, dass man das Beste für seine Spieler will“

nordbuzz: Es hieß, Sie haben bei den NBA-Scouts ein gutes Wort für Dennis Schröder eingelegt und damit den Weg in die NBA geebnet . . . 

Sebastian Machowski: Ich weiß nicht, ob ich jetzt einen Anteil daran habe. Es ist richtig, dass mich Scouts angerufen haben. Am Tag vor den Drafts rief zum Beispiel der General Manager der Hawks an. Das längste Gespräch, das ich hatte, waren 52 Minuten – das weiß ich noch. Es gehört dazu, dass man das Beste für seine Spieler will, wenn man sieht, dass sie sich entwickelt haben. Aber es war nicht nur Dennis Schröder, sondern auch Daniel Theis und andere junge Spieler, die zu der Zeit in Braunschweig waren. Da muss man sehen, dass man neben den Ergebnissen, die man erzielen will und auch muss – für den Verein und den eigenen Job letztlich -, auch die Spieler individuell weiterbringen möchte. An der Stelle hat das sicherlich ganz gut geklappt.

nordbuzz: Zurück zur BBL: Am 20. November kommt es in der Bremer ÖVB-Arena zum großen Derby gegen Ihr Ex-Team aus Oldenburg. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in das Duell? 

Sebastian Machowski: Das ist schon ein besonderes Spiel. In erster Linie geht es aber um zwei Punkte, das muss klar sein. Es geht nicht darum, dass ich gegen meinen ehemaligen Verein oder meinen Nachfolger antrete. Es wird insofern auch etwas Besonderes, als dass wir in der großen ÖVB-Arena vor 10.000 Fans spielen werden. Es ist ein Derby, insofern hoffe ich auf eine super Stimmung. Ich gehe davon aus, dass die Halle voll wird und dass neben den vielen Eisbärenfans aus Bremerhaven und Bremen auch viele Anhänger aus Oldenburg dabei sein werden. Ich denke, es wird ein tolles Spiel werden.

nordbuzz: Beim Derby wird es zu einem Wiedersehen mit dem mittlerweile 33 Jahre alten Rickey Paulding kommen. Der EWE-Baskets-Kapitän bestreitet seine mittlerweile zehnte Saison in Oldenburg… 

Sebastian Machowski: Rickey ist natürlich ein Phänomen. Während man bei einigen Spielern schon das Gefühl hat und es auch offensichtlich sieht, dass sie älter werden, so wird Rickey von Jahr zu Jahr einfach nur besser. Das ist schon herausragend, wie er auch jetzt wieder spielt und auftritt. Und er ist auch ein toller Mensch und guter Mannschaftskamerad für seine Mitspieler, so wie ich ihn kennengelernt habe. Und er ist seit Jahren der unumstrittene Anführer der Oldenburger Mannschaft. So einen Spieler wie Rickey Paulding in seinen Reihen zu wissen, das ist schon eine Belohnung und auf jeden Fall auch ein Pfund. Diese Art von Spielern gibt es nicht oft.

„Nun geht es darum, den Verein wieder dahin zu führen, wo er vor fünf oder sechs Jahren zuletzt war“

nordbuzz: Ihr Vertrag bei den Eisbären läuft bis 2018. Haben Sie eine Vision, was Sie in Ihrer Laufbahn gerne noch machen möchten? Würde Sie zum Beispiel der Job als Bundestrainer reizen, Alba in Ihrer Heimatstadt Berlin oder vielleicht eine Tätigkeit im Ausland? 

Sebastian Machowski: Ich werde mich selbstverständlich zunächst einmal voll auf das Projekt bei den Eisbären konzentrieren. Das ist eine tolle Aufgabe, genauso wie es Anfang März eine reizvolle Aufgabe war, die Truppe zu diesem Zeitpunkt übernehmen. Nun geht es darum, den Verein wieder dahin zu führen, wo er vor fünf oder sechs Jahren zuletzt war. Natürlich wollen wir da wieder hin! Ich glaube, das braucht Zeit, vielleicht ist es jetzt so etwas wie die Konsolodierungsphase, dass man sich sammelt und auf alte Tugenden beruft und auch die Kooperation mit Cuxhaven wieder neu auferstehen lässt, die hoffentlich den Sprung in die Pro B schaffen, damit man da als Kooperationspartner auch eine Plattform hat, um die jungen Spieler weiter auszubilden und voranzubringen. Das sind alles kleine Puzzleteile in diesem Projekt, die es spannend und natürlich auch arbeitsintensiv machen. Mit Oldenburg waren die Ziele ganz anders. Und was irgendwann mal nach der Zeit in Bremerhaven kommt – da will ich jetzt ehrlich gesagt nicht dran denken. Es gibt auch kein Ziel, das ich für mich irgendwie formuliert habe.

nordbuzz: Als Berliner sind Sie in Niedersachsen und speziell in der Region Oldenburg/Bremerhaven schon einige Jahre verwurzelt. Wie wohl fühlen Sie hier? 

Sebastian Machowski: Sehr wohl, sonst wäre ich gar nicht hier. (lacht)

nordbuzz: Es ist aber ja schon Unterschied zwischen dem Leben in der Hauptstadt und dem platten Land in diesen Gefilden . . . 

Sebastian Machowski: Das ist richtig. Ich bin ja schon vor 20 Jahren raus aus Berlin und habe seitdem in den unterschiedlichsten Orten und Städten gelebt: von Gravelines in Frankreich mit circa 12.000 Einwohnern über Rom, Athen, im spanischen Vitoria – man kommt schon herum in dem Metier. Ich mache den Beruf jetzt seit 25 Jahren, wenn man Spieler- und Trainerzeit gemeinsam betrachtet. Die einjährige Zeit an der Highschool in den USA habe ich da noch gar nicht mit hineingerechnet. Daran, andere Orte kennenzulernen und mich darauf einzulassen, habe ich mich gewöhnt, weil ich den Job sehr gerne mache – auch wenn es nicht Berlin ist. Das muss es aber auch nicht sein, weil man hier in Niedersachsen beziehungsweise Bremerhaven ebenfalls sehr gut leben kann. Letztlich habe ich sogar eine Niedersächsin geheiratet: Meine Frau kommt aus Braunschweig.

nordbuzz: Ihre zweite große Leidenschaft ist das Golfspielen. Hatten Sie in diesem Jahr Gelegenheit, an Ihrem beeindruckenden Handicap von 22 weiter zu feilen? 

Sebastian Machowski: Mein Handicap liegt schon noch in der Region. „Daran arbeiten“ kann man es jedoch absolut nicht nennen, weil ich im Sommer nur ein paar Mal dazu komme, Golf zu spielen. Es ist insofern ein schönes Hobby, weil man sich dabei tatsächlich zu 100 Prozent auf diesen kleinen weißen Ball konzentrieren muss. Sonst geht das komplett in die Hose. Es ist einer der wenigen Momente, in denen ich nicht an Basketball denke – das ist auch mal ganz schön. Ansonsten schwebt der Trainerjob immer „24/7“, also rund um die Uhr, irgendwie mit.

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