Mittwoch live in Oldenburg: Revolverheld-Sänger im nordbuzz-Interview – Teil 1

Strate: „Früher waren wir jung, wild und ständig betrunken“

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Johannes Strate hat für nordbuzz aus dem Nähkästchen geplaudert.

Johannes Strate, Frontman der Band Revolverheld, ist gebürtiger Bremer, Werder-Anhänger und auch als erfolgreicher Popstar einer von uns geblieben. Im ersten Teil des nordbuzz-Interviews spricht er über sein Leben als Musiker und Familienvater, Statussymbole, Ruhm, Groupies und wilde Zeiten.

nordbuzz: Moin Johannes, wobei erwischen wir Dich gerade? 

Johannes Strate: Hi, ich sitze im Auto und fahre zu einem Möbelladen. Wir haben ein Haus gekauft, aber die Hütte ist noch ziemlich leer. Da muss dringend was passieren. 

nordbuzz: Klingt doch ganz entspannt – wie hektisch ist Dein Leben als Popstar? 

Strate: Ach, das geht schon. Das Leben als Popstar wird von mir gar nicht als solches empfunden. Zurzeit sind oft Handwerker im Haus, da gibt's jede Menge zu tun. Ansonsten habe ich eher viele kleine Einzeltermine: Es stehen ein paar Open Airs an, hier und da bin ich in einer Radiosendung zu Gast, und ich bin Papa. Allzu hektisch ist das alles also gerade nicht, reicht aber auch.

nordbuzz: Wie sieht ein normaler Tagesablauf bei Dir aus? 

Strate: Da gibt es momentan zwei Varianten. Die eine sieht so aus, dass ich gegen 7.30 Uhr aufstehe, Kaffee trinke, das Kind frisch mache und es in den Kindergarten fahre. Am Vormittag kümmere ich mich dann um unser neues Haus, gebe Interviews und … ja, ich glaube, das war's auch schon (lacht).

nordbuzz: Und die zweite Variante?

Strate: Dann bin ich nicht zu Hause. Ich stehe irgendwo auf, habe einen Soundcheck, Interviews und ein Konzert. Oder ich habe Termine wie eine Fernsehshow, dann ist nachmittags die Probe und abends die eigentliche Show.

nordbuzz: Welche Projekte stehen für Dich als nächstes an?

Strate: Wir sind gerade mitten in unserer „MTV Unplugged Tour“, das ist großartig.

nordbuzz: Im März wart Ihr damit auch in Bremen unterwegs…

Strate: Genau, das war eine große Ehre für mich. Wir haben in der Bremer Stadthalle gespielt, ein Kindheitstraum hat sich erfüllt – Wahnsinn! Früher habe ich dort noch als Stagehand gearbeitet und für Bands wie Limp Bizkit die Bühne aufgebaut. Nun durften wir selbst ran – verrückt! Im Herbst kommen wir wieder in die Region, dann sind wir auch in Oldenburg (16. November, EWE-Arena, Anm. d. Red).

nordbuzz: Du bist in Bremen geboren, in Worpswede aufgewachsen und hast in Osterholz-Scharmbeck Abitur gemacht – jetzt stehst Du auf den großen Bühnen Deutschlands. Wie sehr hat sich Dein Leben verändert?

Strate: Musik habe ich ja schon immer gemacht, aber jetzt ist es so, dass ich mich von morgens bis abends mit Musik beschäftigen kann, ohne mir darüber Gedanken machen zu müssen, dass ich mal wieder kein Geld damit verdient habe – das ist geil und für mich die größte Veränderung.

nordbuzz: Kann man als deutscher Popstar eigentlich noch reich werden?

Strate: Man wird nicht so reich wie zum Beispiel ein Profi-Fußballer, der mit den Millionen um sich schmeißen kann. Man muss als Musiker schon haushalten, aber es läuft jetzt bereits seit zehn Jahren echt ordentlich. Ich kann gut davon leben und muss keine Nebenjobs mehr machen – das war eigentlich immer mein Ziel.

nordbuzz: Dann anders gefragt: Hast Du ausgesorgt?

Strate: Nee, habe ich nicht. Wenn ich jetzt einfach alles stehen und liegen lasse und es würde über die Musik keine Mark mehr reinkommen, müsste ich mir einen anderen Job suchen. Ich bin zwar nicht besonders verschwenderisch, aber auch nicht der klassische Bausparer.

nordbuzz: Was sind die wertvollsten materiellen Dinge, die Du besitzt?

Strate: (überlegt) Ich bin kein Auto-Nerd oder so, ich besitze nicht mal ein eigenes – teure Uhren habe ich auch nicht. Gitarren! Ich habe ein paar alte Gitarren, die ein bisschen was kosten, eine alte Gibson LG-1 von 1954 zum Beispiel. Keine Ahnung, was die genau wert ist, aber sie dürfte zu meinen wertvollsten Stücken gehören. Ansonsten besitze ich echt nicht viel materiellen Scheiß.

nordbuzz: Statussymbole bedeuten Dir demnach nicht viel. Wie sieht es mit Ruhm aus?

Strate: Ist mir auch nicht wichtig.

nordbuzz: Kann aber ja auch helfen. Was sind die drei größten Vorteile von Prominenz?

Strate: Stimmt. Wenn in Hamburg ein Konzert ausverkauft ist und ich will unbedingt noch rein, dann weiß ich, wen ich anrufen muss. Wenn Werder ein Auswärtsspiel hat, das ausverkauft ist, weiß ich auch, wen ich anrufen muss (lacht). Das Dritte ist, dass ich mit Musik etwas auslösen kann. Es ist immer wieder schön, wenn Leute auf mich zukommen und mir sagen, dass ein Song ihnen durch eine schwierige Zeit hinweggeholfen hat oder Ähnliches. Dass ich wegen der Musik mit Leuten verbunden bin, finde ich sehr cool. 

nordbuzz: Und was nervt Dich am Leben als öffentliche Person?

Johannes hat uns nach dem Interview noch ein Selfie geschickt.

Strate: Seitdem ich „The Voice Kids“ gemacht habe, kommt es häufiger vor, dass ich sehr rücksichtslos auf Selfies angesprochen werde. „Ey, lass' mal kurz ein Foto machen!“, während ich gerade mit der Familie beim Italiener sitze, kann echt nerven.

nordbuzz: Reagierst Du dann gereizt?

Strate: Nein, gar nicht. Ich versuche, immer freundlich zu sein. Es gibt ja auch Leute, die sehr nett und in passenderen Momenten nach Selfies fragen. Dann quatschen wir kurz, tauschen uns aus – das macht mir dann auch Spaß.

nordbuzz: Hast Du Groupies?

Strate: Meine Freundin sitzt mit mir im Auto, also sei bitte vorsichtig, was Du jetzt sagst (lacht).

nordbuzz: Solltest Du dann nicht eher vorsichtig mit dem sein, was Du jetzt sagst?

Strate: Stimmt (lacht). Man muss wirklich sagen: Als wir die Band 2002 angefangen haben, waren wir jung, wild, ständig betrunken und haben versucht, es auf Tour in jeder Dorfkaschemme ordentlich krachen zu lassen. Das hat mehr oder weniger gut geklappt (lacht). Ansonsten ist mein Eindruck, dass es die klassischen Groupies immer weniger gibt. Kann sein, dass es bei den Rappern anders ist ... Oder die geben einfach immer unglaublich an.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Johannes Strate von Revolverheld über seine Heimat Bremen, Lieblingsplätze an der Weser und natürlich über den SV Werder.

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