Im Rudel auf Monsterjagd

Pokémon-Go-Event in Bremen: 600 Leute suchen Pikachu & Co.

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Pokémon-Jagd auf dem Osterdeich

Seit Wochen hält der Pokémon-Hype auch mich gefangen. Einkaufen gehen, zur Post, schnell mal zum Bäcker? Früher nervig, jetzt kann ich unterwegs Pokémon fangen und gehe auch schon mal einen Umweg, wenn eins der kleinen Monster, das ich noch nicht habe, in der Nähe ist. Alleine oder mit Freunden auf die Jagd zu gehen ist ganz normal geworden. Aber mit mehreren Tausend Menschen? Ich hab's mal ausprobiert und mich der Menschenmenge am Osterdeich zur Pokémon Go-Tour angeschlossen. Ob das wirklich Spaß macht?

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Vor 17 Jahren fing ich zum ersten Mal Pokémon 

1999 trat Pokémon in mein Leben: als Anime-Serie. Die Abenteuer von Pokémon-Trainer Ash Ketchum und seinen Freunden fesselten mich für viele Stunden vor dem Fernseher. Bald darauf hatte ich die Spiele für den GameBoy – fast jede Edition habe ich mindestens einmal durchgespielt. Dann gerieten die kleinen „Taschenmonster“ (Pokémon setzt sich zusammen aus „Pocket“ und „Monsters“) bei mir in Vergessenheit. Bis im Juli 2016 das neue Spiel fürs Smartphone erschien und nicht nur sämtliche Medienkanäle, sondern auch mich wieder beherrschte.

Mit Level 12 und bisher 51 verschiedenen gefangenen Pokémon betrete ich den Osterdeich und schließe mich den vielen anderen Fans an. Der Wettergott ist wohl nicht auf unserer Seite: Pünktlich zum Start fängt es an zu regnen. Ich habe zwar keinen Schirm dabei, halte die kalte Dusche aber tapfer aus. Hat ja keiner gesagt, dass das Leben als Pokémon-Trainer nur Zuckerschlecken ist.

Als der Regen nachlässt, setzt sich die Menge langsam in Gang. Schätzungsweise 2.000 Menschen haben sich rund um den Treffpunkt am Café Ambiente eingefunden und schieben sich jetzt nach und nach über den Deich. Ob man will oder nicht, man wird einfach mitgezogen. Auf geht’s! Oder wie Ash Ketchum sagen würde: Gonna catch 'em all!

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Das erste Pokémon erscheint auf meinem Bildschirm. Es ist… ein Taubsi. Na toll, davon gibt es ja überall welche. Die meiste Zeit der Pokémon-Jagd vergeht ohne große Überraschungen – es kommen keine seltenen Pokémon zu den Lockmodulen. Naja, dann fange ich ein paar Taubsis, Hornlius und Raupys.

Die meisten Trainer, die ich in den Pokémon-Arenen sehe, die wir passieren, sind schon viel weiter als ich, haben stärkere Pokémon und auch schon einige Raritäten gefangen. Vielleicht spiele ich doch nicht so exzessiv, wie ich dachte und es ist noch deutlich Luft nach oben. Aber jetzt soll es erstmal weitergehen: Die Menge macht sich auf den Weg zum nächsten Pokéstopp.

Der Veranstalter rechnete mit 200 Leuten – nun sind es rund 600 

Am liebsten würde ich auf der Tour ein Pikachu fangen – das fehlt in meiner Sammlung und ist eins meiner Lieblings-Pokémon. Vier Pokéstopps liegen noch vor uns, an jedem wird ein so genanntes „Lockmodul“ geschaltet, das 30 Minuten lang viele der kleinen Monster anlocken soll. Pikachu, ein gelbes Elektro-Pokémon, ist auch der Favorit von Sebastian Clören, der „Vater“ des Events. Der Inhaber einer Marketingagentur hatte die Tour bei Facebook erstellt. „Ich habe vielleicht mit 200 Leuten gerechnet“, sagte er mir. „Dass es jetzt so viele sind, ist total verrückt.“ Dabei habe er einfach nur „Bock gehabt, mit anderen gemeinsam zu spielen“. Nun war der Aufwand auch entsprechend: Termine und Absprache mit Polizei und Feuerwehr waren nötig, Kooperationspartner standen Schlange. „Die nächste Tour kommt bestimmt“, lacht Clören. Er ist schon in die Planung dafür eingestiegen.

Zurück zum Geschehen: Die Masse schiebt sich über den Osterdeich. Entspannte Atmosphäre, alle schauen auf ihr Smartphone und hoffen, möglichst viele Pokémon zu fangen – und dass auch einige Besonderheiten dabei sind. Der Austausch unter den Spielern ist aufgeregt: „Siehst du auch ein Quapsel in der Nähe?“ „Es soll hier irgendwo sein, aber es zeigt sich nicht!“ Nicht jedem gelingt es, das Wasserpokémon zu fangen. Trotzdem ist die Stimmung gut, die Pokémon-Trainer haben ja schließlich ein gemeinsames Ziel. Nur dass es immer wieder regnet, trübt das Erlebnis.

Leider ist es noch nicht möglich, Pokémons untereinander zu tauschen, sonst wäre ein solches Großevent als Tauschbörse sicher noch attraktiver. Auch direkte Kämpfe gegeneinander sind in dem Spiel nicht vorgesehen – man muss erst eine Arena betreten und gegen die Spieler kämpfen, die sie besetzt halten. Schade, ich hätte hier sicher auch Gegner gefunden, die noch nicht auf Level 20 sind und Lust haben, ihre Pokémon auszuprobieren.

So richtige Gespräche entwickeln sich unter den vielen Spielern nicht. „Welches Team?“, werde ich gefragt, und wie lange ich schon spiele. Die kleinen Gruppen, in denen sich die Leute bewegen, sind eindeutig Freundesgruppen. So ein großer Unterschied ist es also nicht, ob ich mit meinen Bekannten auf Pokémon-Jagd gehe oder bei so einem Event mit mache. Serverprobleme zumindest gab es keine, aber auch ein Pikachu habe ich leider immer noch nicht. Das Gemeinschaftsgefühl geht in den kleinen Gruppen ebenfalls flöten – ich ziehe demnächst wohl wieder mit befreundeten Pokémon-Trainern los.

Von Katja Wille 

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