Oldenburger Professor legt Studie vor

Beim Elfmeter: Linksfüßer mit schwachen Nerven

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Mesut Özil scheitert beim Elfmeter am slowakischen Keeper Matus Kozacik.

Hey, ihr fußballspielenden Linksfüßer, was ist da los bei Euch? Eigentlich seid ihr beim Elfmeterschießen doch viel besser als Eure Kollegen, die den rechten Fuß bevorzugen. Das gilt in der Sportwissenschaft als erwiesen. Aber wenn es wirklich ernst wird, bei K.o.-Spielen nämlich, versagen Euch offenbar die Nerven. Das hat ein Forscherteam um den Oldenburger Bewegungswissenschaftler Prof. Dr. Jörg Schorer herausgefunden.

Aus elf Metern den Ball am Torwart vorbei in die Maschen dreschen, kein großes Kunststück. Schwieriger wird es schon, wenn Millionen Fans vor dem Fernseher mitfiebern, das ganze Stadion wie elektrisiert auf den Schützen starrt und es um alles oder nichts geht. Dann heißt es: Nerven bewahren und netzen. Und daran scheitern die sonst so treffsicheren Linksfüßer unter dem höheren Druck der K.o.-Spiele wesentlich häufiger als die Rechtsfüßer.

Während die Trefferquote der Rechtsfüße in vergangenen EM- und WM-Hauptrunden gegenüber den Vorrunden nur um knapp neun Prozentpunkte sank (von 84 auf 75,1 Prozent), ließ der Elfmeter-Erfolg bei den Linksfüßen um 17,5 Prozentpunkte nach (von 86,7 auf 69,2 Prozent). Zu diesem Ergebnis sind Schorer und seine Kollegen der Universitäten Münster, Kassel und Toronto gekommen, nachdem sie fast 500 Straßstöße vergangener EM- und WM-Turniere ausgewertet haben.

Dabei fanden sie auch heraus, dass die Elfmeter-Trefferquote in der K.o.-Runde jeweils abnimmt, um durchschnittlich elf Punkte von fast 85 Prozent in der Vorrunde auf 74 Prozent. „Wir sehen hier noch verschiedene faszinierende Ansatzpunkte, um mit weiterer Forschung an diese ersten Ergebnisse anzuknüpfen", sagte Schorer.

Özil und Xhaka - beide scheitern mit links

Übrigens: Nicht nur bei internationalen Turnieren, sondern auch im DFB-Pokal zeigt sich eine ähnliche Tendenz. Auch hier gibt es einen ebenfalls deutlicheren Leistungsabfall bei Linksfüßen im Elfmeterschießen gegenüber der Elfmeter-Trefferquote während des Spiels.

Und wie sieht es bei der aktuellen EM in Frankreich aus? Inklusive des Elfmeterschießens zwischen der Schweiz und Polen traten 13 Schützen zum Duell Mann gegen Mann an, vier Links- und neun Rechtsfüßer. Elf Mal fand der Ball den Weg ins Tor, mit Mesut Özil und Granit Xhaka scheiterten nur zwei Schützen. Beide mit dem linken Fuß. An den Ergebnissen von Prof. Dr. Jörg Schorer scheint also wirklich etwas dran zu sein.

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