Das etwas andere Einkaufszentrum

Citylab Bremen: Zwischenfazit der Kreativen

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Vanessa Just bietet in ihrer nur-Manufaktur handgemachte Bremer Produkte an.

Durch Bremen weht schon seit einiger Zeit ein Start-up-Geist. Mit dem Citylab gibt es seit zwei Monaten eine Anlaufstelle für Gründer und Geschäftsleute, die sich unkompliziert ausprobieren möchten. Und Kunden, die das besondere Stöber-Erlebnis in der Innenstadt suchen. Wenn es so weitergeht, könnte es bald stürmisch um den Start-up-Standort Bremen werden. nordbuzz hat das Citylab für ein erstes Zwischenfazit besucht.

Früher stand in der Innenstadt einmal der Lloydhof, doch das ist Geschichte. Inzwischen heißt das Einkaufszentrum Citylab und stellt ein gleichermaßen spannendes wie ambitioniertes Projekt dar. Vorerst ist für das von der Wirtschaftsförderung Bremen vermietete und teilweise von der City-Initiative bespielte Citylab eine Laufzeit bis Ende 2017 geplant. Auf einer Aktionsfläche gibt es wechselnde Projekte, hier ist man immer offen für Vorschläge. Ansonsten ist das Gebäude seit kurzem komplett vermietet. Eingezogen sind etwa der Trendwear-Experte Emsikey, die Partei-Zentrale der Partei Die PARTEI, ein Grafiker mit seinemSowas! Digital.Art.Work.-Büro, die Vengo Gemüseküche oder Wedderbruuk, ein Werkstattladen mit Vintage-Möbeln.

„Die Leute sollen das Citylab als Ideen-Labor begreifen.“

Am letzten Wochenende im April vollzog sich diese aufsehenerregende Metamorphose, aus dem weitestgehend leerstehenden Lloydhof wurde das freundliche, lichtdurchflutete Citylab. Gunnar Sieweke war mit dem von ihm gegründeten Anti-Kater-Drink Freigeist und dem zugehörigen Eulennest schon seit 2014 in dem Gebäudekomplex vertreten, damals noch vermittelt von der ZwischenZeitZentrale. Darum hat er einen guten Vorher-Nachher-Einblick. Es sei nun viel mehr los als vorher und ein richtiges Miteinander geworden, sagt er. „Alle sind ständig in Gesprächen und es herrscht eine richtig gute Atmosphäre unter den Ladenbesitzern. Abends wird auch mal ein Bier zusammen getrunken“, so Sieweke augenzwinkernd. Unterhält man sich mit den ansässigen Kreativen wird schnell klar, dass die herzliche Kommunikation ein echtes Pfund ist.

Citylab Bremen: Das etwas andere Einkaufszentrum

So hat die Bildwerkstatt FoBi-X eine regelmäßige Runde der Mieter ins Leben gerufen, zum Planen von Events und als gemeinsames Sprachrohr. Es soll Live-Musik, Partys und kulturelle Veranstaltungen geben. Aber auch einen besonderen Weihnachtsmarkt. Das ist allerdings Zukunftsmusik. Verbindungen zur Kunst- und Musikszene Bremens, von Hip Hop bis hin zu jungen Klassik-Musikern, sind schon jetzt vorhanden. „Für Freigeist sind diese Veranstaltungen, die dem ehemaligen Lloydhof neues Leben einhauchen sollen, sehr interessant“, sagt Sieweke und zieht ein absolut positives Zwischenfazit. „Wenn die Leute das Citylab als Ideen-Labor begreifen, dann passt das gut zu Freigeist und umgekehrt passt Freigeist gut zum Citylab.“

„Eine Wohnung lebt von den Mietern, nicht dem Vermieter.“

Dieses Ideen-Labor befindet sich im ständigen Prozess. „Wir lernen selbst die ganze Zeit. Neulich gab es zum Beispiel ein Hangover-Frühstück, mit Musik und Verpflegung als Abwechslung zum drögen Shopping-Trott. Das hat gut funktioniert“, so Sieweke weiter. „Es liegt an uns etwas draus zu machen, wir sind letztendlich das Gesicht des Citylab. Eine Wohnung lebt auch von den Mietern und nicht dem Vermieter. Da dürfen wir uns nicht auf Externe verlassen.“ Zudem ist die Mischung entscheidend für den Erfolg. So sei etwa die nur-Manufaktur das, was man in Bremen noch vermisst hat. Dort vertreibt die 26-jährige Vanessa Just Handgefertigtes aus Bremen. „Meine Erwartungen wurden übertroffen, trotzdem sollte die Belebung noch konstanter werden. Ab und zu gibt es ruhigere Wochen, dann zieht es wieder an“, sagt Just. Sie hat den Schritt von ihrem zunächst als Online-Shop betriebenen Geschäft in einen liebevoll gestalteten Store gewagt.

Auch Just hebt die Gemeinschaft der Ladenhüter hervor. „Es ist cool, Menschen in der gleichen Situation um sich herum zu haben. Außerdem geht es hier weniger anonym zu, als in anderen Einkaufszentren.“ Besonders freut sie sich auch auf den Tapas-Laden, der Mitte Juli öffnen soll, und von dem sie sich eine weitere Belebung der Rotunde verspricht, des überdachten Innenhofs mit Palmen und Sitzgelegenheiten.

„Es gibt hier keine Einzelhandel-Ellenbogen-Mentalität.“

Nebenan bei BLNKS gibt es maßkonfektionierte und individuelle Sneaker. Der 25-Jährige Malte Blank hat sein Geschäft im Januar gegründet und ist seit der Eröffnung des Citylab am 27. April mit einem Laden vertreten. Bei ihm können Kunden aus 50 Lederfarben und Stoffen sowie Applikationen eigene Schuhe zusammenstellen, die dann in Deutschland von Hand gefertigt werden. Sieben einzelne Elemente sorgen für ein modisches und bequemes Ergebnis, das an die Besonderheiten des Fußes angepasst ist. „Ich habe mir nicht so viel ausgemalt, aber es hat sich sehr positiv entwickelt“, sagt der frühere Marketingstudent und gebürtige Bremer. „Wenn es so bleibt, bin ich schon zufrieden, aber es gibt noch viel mehr Potenzial.“ Auch er schätzt am Citylab den gegenseitigen Austausch, die weitergegebene Erfahrung und die Beratung untereinander. „Jeder kennt jemanden, der irgendwie weiterhelfen kann, das ist auch für die geplanten Events viel wert. Es gibt hier keine Einzelhandel-Ellenbogen-Mentalität.“

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