Neuigkeiten und Hintergründe

Breminale-Macher Maurer im nordbuzz-Gespräch

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Projektleiter Max Maurer beim Aufbau der Breminale am Osterdeich.

Die Zirkuszelte werfen ihre Schatten voraus. Wenn denn die Sonne mal scheint. Das Breminale-Kribbeln ist in der Stadt zu spüren, beim Aufbau herrscht geschäftiges Treiben. nordbuzz traf Festival-Macher Max Maurer am Deich für ein Gespräch über Neuigkeiten und Hintergründe.

Die Vorfreude auf dieses besondere Festival steigt. Ab Mittwoch heißt es wieder fünf Tage Genuss, Kultur und Party pur für alle. Die Breminale-Crew richtet sich seit Freitag am Deich ein, die nächsten Tage wird sie hier fast rund um die Uhr verbringen. In dem kleinen Bauwagen auf der Deichkrone neben dem Büro-Container stehen zwei Computer, davor sitzen Svenja und Jule, um mit den Bands und der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Das Wetter ist ungemütlich und regnerisch, darum findet das Gespräch mit Organisator Max Maurer im Windschatten der Bäume statt.

Breminale-Aufbau: Da geht was am Deich

Kosten- und kabelloses Internet von Freifunk

Natürlich hofft der Bremer auf Sonne zum Festival, dieses Jahr wäre man jedoch auch optimal auf mögliche höhere Gewalt vorbereitet. „Vor zwei Jahren gab es Kritik an der Unwetter-Kommunikaton, das lief nicht optimal“, sagt der Projektleiter. „Damals gab es noch kein stabiles Internet am Deich, es wurde nach dem Motto 'Safety First' gehandelt und die Zelte evakuiert, Mitteilungen an die Besucher blieben dabei auf der Strecke.“ Inzwischen gibt es dank Ein-Gigabit-Glasfaserleitung und WLAN von den ehrenamtlichen Freifunkern eine bessere Infrastruktur. Das kabel- und kostenlose Netz von Freifunk war beim Pilot-Projekt im vergangenen Jahr nicht einmal zehn Prozent ausgelastet, dieses Jahr dürfte es sich stärker herumgesprochen haben. Dadurch soll auch die überarbeitete Breminale-App zuverlässig nutzbar sein, die neben Programmhinweisen wiederum per Push-Nachricht über mögliche witterungsbedingte Unterbrechungen informiert. Sollte der Deutsche Wetterdienst aus Hamburg eine amtliche Warnung herausgeben ist alles vorbereitet. Es gibt in den Zelten Notfall-CDs mit besonnenen Ansagen, die Medien werden informiert und Nachrichten in den sozialen Netzwerken abgesetzt. „Solch eine Warnung kann schonmal zustande kommen, obwohl es gar nicht nach Unwetter aussieht. Ich denke aber, dass das Verständnis der Besucher wächst, wenn man sich Situationen wie beim diesjährigen Hurricane Festival anschaut.“

Festival-Bändchen zur Unterstützung

Wie solche Kapriolen zustande kommen sei nochmal ein anderes Thema, sagt Max Maurer. Jedenfalls arbeite die Breminale schon länger daran immer nachhaltiger zu werden. Bisher gab es grünen Strom, nun wird ein weiteres Kapitel aufgeschlagen. Die Lichterkette, die neben den Zirkuszelten ein Markenzeichen des Festivals ist und den Deich säumt, soll auf energiesparende, warme LEDs umgestellt werden. Wer fünf Euro spendet erhält dafür erstmalig ein Festival-Bändchen und finanziert den Austausch einer Glühbirne. Bei 0,4 statt 15 Watt pro Leuchteinheit könnte der Verbrauch von 15.000 auf 400 Watt gesenkt werden. „Wir hoffen, dass am Ende alle 1.000 Birnen ausgetauscht sind und wollen Besucher animieren auch zuhause umzustellen.“ Festival-Bändchen gab es bisher nicht, weil sie bei freiem Eintritt nicht als Zugangsnachweis benötigt werden. Nun gibt es sie auf freiwilliger Basis, womit die Besucher ihre Unterstützung signalisieren können und nach der Spende gleichzeitig ihre ganz eigene Leuchte auf der Breminale wissen.

Was gibt’s Neues?

Was verändert sich sonst auf der Breminale 2016? „Die Frage nach den Neuigkeiten ist kompliziert, denn jedes Jahr gibt es ein komplett anderes Programm und viel Abwechslung zwischen den Zelten“, sagt der Organisator. So kann man sich dieses Jahr etwa bei „Vespaqua“ in befüllten Badewannen über das Gelände ziehen lassen. „Das wird ein Hingucker“, so Max Maurer. Mit dem „Aquaduk“ wird ein Springbrunnen aus Quitscheentchen installiert, das Kinderprogramm wurde aufpoliert, mit der MS „Wissenschaft“ legt ein Schiff an, auf dem man einiges lernen kann und ein Raddampfer chauffiert Besucher entlang des Geländes auf der Weser.

Das Deichbankett am Sonntag ist eines der wenigen kostenpflichtigen Angebote, denn dort gibt es nach Anmeldung feinste Verpflegung an einer langen Tafel. Nebenan findet dann das Lastenradrennen statt, noch so eine Neuerung, bei der jeder ganz unverbissen in den Wettstreit eintreten kann. Doch während einiges hinzu kommt, bleibt anderes weg. Die MS „Treue“ setzt etwa als Bühnenschiff aus und bietet dieses Jahr nur eine separate Tanzfläche. Auch der Go Bäng Stand mit beliebten T-Shirts aus Bremen wird manch einem fehlen, hier konnte man sich nicht auf die Konditionen einigen. Eine neue Heimat haben die Macher vor dem Malenchen am oberen Ende des Sielwall gefunden.

„Die Finanzierung ist jedes Jahr ein Kampf“

Standmieten sind ein sensibles Thema, denn darüber finanziert sich die Breminale etwa zur Hälfte. Mit 60.000 Euro vom Kultursenator und 55.000 Euro von der Wirtschaftsförderung kommt ein Viertel von der Stadt, das fehlende Viertel steuern Sponsoren bei. In der Summe gehen rund 500.000 Euro durch die Bücher des Festivals, wie Max Maurer erklärt. „Die Finanzierung ist jedes Jahr ein Kampf. Obwohl wir am Ende immer stolz das nächste Datum verkünden, bleibt die Ungewissheit stets bestehen“, sagt der Projektleiter. „Nach 29 Jahren ist es überfällig, dass wir bei der Förderung nicht mehr als Einzelprojekt sondern als Institution behandelt werden.“

Vielleicht klappt es ja zum 30. Geburtstag 2017, dann wollen sie sich sicher einige Besonderheiten einfallen lassen. Aber eigentlich wird jedes Jahr Geburtstag gefeiert und immer sind alle zur Geburtstagsparty eingeladen. Inzwischen gibt es sämtliche Informationen online auch auf Englisch. „Die Planungen fürs Folgejahr beginnen direkt nach Ende des Festivals, aber wir denken und fühlen die Breminale das ganze Jahr über.“ Ab Februar sitzt Max Maurer, der seit 2008 an Bord ist, dann ganztags an der Organisation und erledigt alles andere nachts. „Ich muss das Jahr über viel arbeiten, um mir die Breminale persönlich leisten zu können.“ Das Team ist mit vier Personen auch deshalb so klein, weil mehr einfach nicht finanzierbar wäre.

„Die Kunst ist es mit wenig viel zu erreichen“

Darum ist jeder einzelne umso mehr gefordert. Wenn die Besucher längst in die Kneipen und Clubs der Neustadt und des Viertels weitergezogen sind und es sich die Künstler backstage bequem machen, ist Max Maurer einer der letzten der geht, oft erst zwischen zwei und vier Uhr. Ein Feierabendbierchen verkneift er sich dabei an den fünf Festival-Tagen komplett. Natürlich hat er für die Zukunft Visionen, sein größter Wunsch wäre jedoch finanzielle Sicherheit für die Breminale, das Festival auf lange Sicht in trockene Tücher zu bekommen. „Doch der Ausfall von 2007 zeigt, wie schnell das schief gehen kann.“

Und doch scheint die Motivation ungebrochen, die prekäre Lage gar Ansporn zu sein es trotzdem immer wieder zu schaffen. „Es ist eine kleine Stadt in der Stadt, die wir hier aufbauen und wenn uns das mit 500.000 Euro gelingt, ist das extrem billig.“ Kommerziellere Festivals verbrauchten zig Millionen alleine für die Infrarstruktur, Gagen nicht mit eingerechnet. Dazu gehört, dass viele der Crew-Mitglieder, die an den fünf Tagen am Deich ackern, sich extra Urlaub von ihren Jobs nehmen, um dabei sein zu können. Der finanzielle Verdienst steht dabei kaum im Verhältnis zum Geleisteten. Das klingt nach viel Idealismus, Überzeugung und Kreativität und macht das Festival aus. „Die Kunst ist es mit wenig viel zu erreichen“, sagt Max Maurer noch und trifft damit den Geist der Breminale wohl ziemlich genau.

Die Breminale in Zahlen

Mehr als 100 Künstler treten vor 200.000 Besuchern auf. Drei bis vier Kilometer Stromkabel werden auf dem gesamten Gelände von 800 Deich-Metern plus der Wiese hinter der Kunsthalle verlegt, noch einmal zwei Kilometer Netzkabel und eine ebensolche Länge an Wasserschläuchen. Insgesamt gibt es 145 Toiletten und 28 Meter Urinal-Rinnen. Verbaut sind außerdem 983 Meter Zäune und 247 Bühnenelemente á zwei mal ein Meter. Die stehen in vier großen Zirkuszelten und 13 kleinen Zelten, ebenso, wie 19 große Zeltmasten. Gehalten werden die Konstruktionen von 262 Erdnägeln und 10.000 Kabelbindern. Die 65 Mitarbeiter aller Bereiche verbrauchen insgesamt 220 Handschuhe. Freifunk stellt auf der Breminale 80 kostenlose WLAN-Knoten auf, erreichbar unter freifunk.bremen.net.

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