Beiräte sprechen viele Verbote aus

Freiluftparty-Debatte kommt nicht zur Ruhe

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Dieses Jahr sollte es unkomplizierter werden und doch bleibt die Situation um das Freiluftspartygesetz angespannt. Immer wieder wurde wild diskutiert, wie sich Kompromisse für das spontan Feiern an öffentlichen Plätzen unter freiem Himmel finden lassen.

Häufig rückte die Polizei in der Vergangenheit aus, um illegale Partys aufzulösen. Zum Unmut von Feiernden und auch Beamten selbst. Mit dem neuen und befristeten Gesetz wollte Bremen Zugeständnisse an die Szene machen. So soll es zur diesjährigen Open Air Saison möglich sein unkommerzielle Partys kurzfristig und ohne Umwege beim Stadtamt anzumelden – mit Musik und für maximal 300 Personen. Nach der Party muss der Müll beseitigt werden, zwischen zwei Veranstaltungen am selben Ort 18 Tage liegen. An gleicher Stelle sind höchstens vier Feiern im Jahr erlaubt. Veranstalter schienen vorsichtig optimistisch, wenn auch teilweise pikiert von den weiterhin hohen Auflagen. Jedoch müssen auch immer Interessen Dritter berücksichtigt werden.

Attraktive Flächen werden zur No Dance Area

Statt der vermeintlichen Entspannung gibt es nun jedoch neuen Unmut. Wie der „Weser Kurier“ berichtet, machen etliche Beiräte von ihrer Option Gebrauch, bestimmte Flächen von Freiluftpartys per se auszuschließen. Neu geschaffene Freiheiten für Organisatoren werden durch solche Verbotszonen erheblich eingeschränkt. Die Liste der Untersagungen ist bereits lang und dürfte laut „Weser Kurier“ weiter wachsen. So könnte nun der Sodenmattsee in Huchting ausgeschlossen werden. Der Werdersee sowie der komplette Stadtwerder in der Neustadt sind bereits eine No Dance Area. Auch in Findorff und Oberneuland gibt es Verbote für den Torfhafen und den Achterdieksee. In Woltmershausen sind der Weserurferpark, die Pusdorfer Meile und der Neue Schutzdeich vom feiern ausgeschlossen. Die Maritime Meile samt Hafenwald und Stadtgarten ist neben weiteren Flächen in Vegesack zur Verbotszone erklärt worden. Blumenthal plant zudem die Bahrsplate auszuschließen. Am Waller Feldmarksee bestehen durch den Gröpelinger Beirat ebenso Einschränkungen.

Nicht überall herrscht Tanzverbot

Allerdings gibt es auch mutigere Entwicklungen. Die Kollegen in Walle wollen die Situation am Waller Feldmarksee erstmal beobachten. „Irgendwo müssen die jungen Leute ja hin“, wird Beiratssprecher Wolfgang Golinski von der SPD im „Weser Kurier“ zitiert. Demnach sorgt der vielerorts einschränkende Umgang mit dem liberal gedachten Freiluftpartygesetz auch für Ernüchterung bei Wilko Zicht von den Grünen. Er habe sich gewünscht zunächst Erfahrungen zu sammeln. Während am Unisee in Horn-Lehe lediglich eine ausgewiesene Fläche freigegeben ist, gibt es in Borgfeld und Hemelingen vorläufig keine Einschränkungen – aufgrund guter Erfahrungen. Noch nicht entschieden wurde über den Osterdeich und die Pauliner Marsch in der Östlichen Vorstadt. Allerdings sieht es laut „Weser Kurier“ nicht gut für Feiernde aus.

Eine Chance für Bremen

Bisher sind die neuen Möglichkeiten von der Szene zurückhaltend angenommen worden. Demnach spricht das Stadtamt von bisher lediglich sechs Anmeldungen im laufenden Jahr. Die Kommunikation mit den Organisatoren sei in diesen Fällen indes gut verlaufen. Es bleibt abzuwarten, ob alle Beteiligten eine gemeinsame Ebene finden. Die Stadt könnte sich einen zunehmend attraktiven Anstrich beim entsprechenden Klientel geben – aufgrund des häufig monierten Weggangs junger Menschen sowie der generellen gesellschaftlichen Überalterung durchaus eine große Chance.

Unter www.transparenz.bremen.de finden sich Freiluftpartygesetz und Formular.

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