Erschreckende Statistik

Mehr Mord und Totschlag in Südafrika

Kapstadt - Touristen verzaubert Südafrika mit Safaris und Stränden. Einen Schatten wirft die Kriminalität auf das Land, die Polizei bekommt das Problem nicht in den Griff.

In Südafrika ist die Zahl tödlicher Gewaltdelikte und Raubüberfälle der jüngsten Kriminalstatistik zufolge erneut gestiegen. Jeden Tag werden demnach 51 Menschen Opfer von Mord oder Totschlag. Zudem gibt es täglich 363 schwere Raubüberfälle und 40 Auto-Entführungen („carjacking“). Das ergab sich aus der am Freitag vor dem Parlament in Kapstadt vorgestellten Kriminalstatistik.

Im Berichtszeitrum von April 2015 bis März 2016 wurden in dem Land mit rund 55 Millionen Einwohnern demnach 18 673 Menschen Opfer von Mord und Totschlag. Das entspricht einer Zunahme von 868 Fällen oder etwa fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland gab es 2015 laut Kriminalstatistik 2116 Fälle von versuchtem und vollendetem Mord- und Totschlag. Dabei kamen 579 Menschen ums Leben.

Tourismus gehört zu den wichtigsten Industriezweigen Südafrikas, die hohe Rate der Gewaltkriminalität schreckt jedoch viele Besucher ab. „Die öffentliche Sicherheit in Südafrika nimmt weiter ab“, sagte Analyst Gareth Newham vom Institut für Sicherheitsstudien (ISS). „Es ist das vierte Jahr in Folge, dass die Mordrate weiter angestiegen ist.“ Die Zahl der Fälle von Mord und Totschlag sei damit in nur vier Jahren um 20 Prozent angestiegen.

Die beständig hohe Gewaltkriminalität ist auch gut zwei Jahrzehnte nach der Überwindung des Apartheid-Regimes noch eine der größten Herausforderungen der südafrikanischen Politik. „Die Gewaltkriminalität ist immer noch inakzeptabel hoch“, sagte Zakhele Mbhele, der sicherheitspolitische Sprecher der oppositionellen Demokratischen Allianz. „Wir leben in Angst davor, dass unsere Familien zu Opfern werden, oder erneut Opfer werden.“ Die Regierung von Präsident Jacob Zuma habe direkte Kontrolle über die Polizei und müsse sich endlich ihrer Verantwortung stellen, forderte er.

Die Zahl der Auto-Entführungen stieg demnach um 14 Prozent auf 14 602 Fälle. Dabei rauben Kriminelle Fahrern unter Androhung von Gewalt - zumeist mit Messer oder Pistole - ihre Autos, zum Beispiel wenn diese an roten Ampeln halten. Die Zahl der Vergewaltigungen wird seit 2008 nicht mehr separat ausgewiesen. Kritiker sehen darin den Versuch, das Ausmaß des Problems zu verschleiern.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP (Archivbild)

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