Mitten in Frankfurt

Rocker-Fehde eskaliert: Zeugen schildern dramatische Minuten

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Einschusslöcher in der Windschutzscheibe.

Frankfurt/Main - Szenen wie aus einem Krimi: In der Frankfurter Innenstadt werden zwei Menschen durch Schüsse schwer verletzt. Einen Terroranschlag schließt die Polizei schnell aus - sie geht von einem Kampf zwischen Rockern aus.

Am Tag nach den Schüssen mitten in Frankfurt wird immer deutlicher, dass Unbeteiligte nur durch Glück nicht getroffen wurden. Der oder die Täter hatten den bisherigen Ermittlungen zufolge am Donnerstag vor einem Café auf einem belebten Platz gewartet und gezielt auf einen weißen Geländewagen und seine beiden Insassen geschossen. Einer der Angegriffenen kam nicht mehr dazu, mit seiner eigenen Waffe abzudrücken, weil er auf der Straße verletzt zusammenbrach. Offenbar wurde der Tatort ganz bewusst gewählt. So blieb es - schlimm genug - bei zwei Schwerverletzten.

Der Ort des Verbrechens ist der Friedrich-Stoltze-Platz im Herzen Frankfurts. Am Vatertag genießen dort zahlreiche Menschen das herrliche Wetter, als plötzlich die Schüsse fallen. Am späten Nachmittag werden zwei 20 und 41 Jahre alte Männer getroffen, die unbekannten Täter flüchten. Die Fahndung nach den Schützen läuft auch noch am Freitag.

Kurze Zeit nach der Tat sperrt die Polizei den Tatort weiträumig ab, die Lage ist anfangs verworren. Ein Terroranschlag wird aber schnell ausgeschlossen. Die Hintergründe werden vielmehr in der Rockerszene vermutet.

Schüsse in Frankfurt: Zeugin flüchtete mit Familie in den Keller

Eine Bedienung aus einer Bar gegenüber war gerade zum Rauchen draußen. Sie habe vier oder fünf Schüsse gehört, sagt die 24-Jährige, die ihren Namen lieber nicht nennen will. Erst seien Schüsse auf ein Auto gefallen, dann sei nur wenige Meter davon entfernt ein Mann angeschossen worden. „Ich habe gedacht, es wäre ein Terroranschlag“, berichtet die junge Frau. Leute seien weggerannt. Sie habe dann noch eine Familie mit Kindern von der Straße geholt und sei mit ihr in den Keller der Gaststätte geflüchtet.

Der Tatort ist nur einen Steinwurf von der Hauptwache entfernt, die als ein Mittelpunkt Frankfurts gilt. Sie ist einer der Hauptknotenpunkte für den öffentlichen Nahverkehr, zahlreiche S- und U-Bahnlinien kreuzen sich dort. Nur wenige Meter davon entfernt beginnt die Fußgängerzone Zeil, eine der größten Einkaufsstraßen in Deutschland.

Noch gut zwei Stunden nach der Bluttat ist die Spurensicherung der Polizei bei der Arbeit. Ein Beamter fotografiert am Tatort den weißen SUV, der mit aufgeklapptem Kofferraum mitten auf der Straße steht. In der Windschutzscheibe mehrere Einschusslöcher. Auf dem Straßenpflaster liegt eine Schusswaffe - wie sich später herausstellt, hat sie einer der Verletzten fallen gelassen, als er zusammenbrach. Die Beamten transportieren ein Motorrad ab, das auch in der Rockerszene gerne gefahren wird. Ein Auto wird ebenfalls abgeschleppt, es hat die Ziffern 1 und 8 im Kennzeichen, was auf die Rockergang Hells Angels hindeuten könnte.

Erst Ende Februar hatte das Landeskriminalamt berichtet, dass Hessens Rocker-Szene durch neue Gruppierungen aufgemischt werde. Revierkämpfe seien noch nicht registriert worden, hieß es damals.

Am Schauplatz liegen auch spät am Abend noch Erste-Hilfe-Utensilien des Rettungsdienstes, Blutflecken sind zu sehen. Scherben liegen herum, auf einem Tisch steht Essen. Das Restaurant hat geschlossen.

Mann schießt aus fahrendem Auto - Drei Verletzte

Ein Kellner eines italienischen Restaurants erzählt: „Zwei junge Männer, die draußen saßen, haben sich so erschreckt, dass sie in Panik über den gut einen Meter hohen Tresen gesprungen sind, um sich in die Küche der Pizzeria zu flüchten.“ Viele andere Gäste seien in Panik aufgesprungen und weggerannt, ohne zu zahlen. „Es war schönes Wetter und ein Feiertag, Vatertag. Es waren viele Familien da“, berichtet der Kellner. Auch er will seinen Namen nicht nennen.

Die Mitarbeiter des Restaurants, vor dem der weiße SUV gestanden haben soll, wurden nach Hause geschickt und von drei Kolleginnen abgelöst. Eine von ihnen, die ihren Namen ebenfalls nicht sagen will, erzählt beim Aufräumen: „Ich dachte, das ist in Frankfurt mit der Kriminalität nicht mehr so schlimm. Aber heute zeigt sich wieder das Gegenteil.“ Die 32-Jährige wohnt seit einigen Jahren in Frankfurt.

Ein Rentner-Ehepaar aus Frankfurt, das auf dem Weg zum Geldautomaten ist, zeigt sich dagegen am Donnerstagabend eher gelassen: „Normalerweise machen die das ja unter sich aus - und nicht inmitten eines unbeteiligten Publikums“, sagt der Mann.

dpa

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