Von Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigt

DNA von NSU-Mitglied Böhnhardt in der Nähe von Überresten von Peggy

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In der Nähe der sterblichen Überreste der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch sind DNA-Spuren des NSU-Mitglieds Uwe Böhnhardt gefunden worden.

München - In der Nähe der sterblichen Überresten der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch sind offenbar DNA-Spuren des NSU-Mitglieds Uwe Böhnhardt gefunden worden.

Das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth haben am Donnerstagabend in einer gemeinsamen Presseerklärung bestätigt, dass in der Nähe der Überreste von Peggy Knobloch DNA-Spuren des NSU-Mitglieds Uwe Böhnhardt gefunden wurden.

DNA von NSU-Mitglied Böhnhardt in der Nähe von Überresten von Peggy: Die Presseerklärung zum Fund

"Im Juli 2016 wurde die Leiche der Peggy K. im südlichen Thüringen aufgefunden. Im Rahmen der Spurensuche am Fundort wurden zahlreiche Spurenträger sichergestellt und werden derzeit untersucht.

Hierbei wurde jetzt DNA festgestellt, die Uwe Böhnhardt zuzuordnen ist.

In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen.

Neben dem Generalbundesanwalt sind auch das Bundeskriminalamt, das bayer. Landeskriminalamt und die thüringische Polizei über die neuen Erkenntnissen unterrichtet worden und sind in die Ermittlungen eingebunden.

Weitere Informationen können derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht erteilt werden.

Erläuterung: Der am 4. November 2011 in Eisenach verstorbene Uwe Böhnhardt ist dem sog. „Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)“ zuzuordnen."

Fakt ist nun: Mit den DNA-Spuren in der Nähe der Überreste von Peggy Knobloch führt eine mögliche Spur zu dem rechtsradikalen NSU-Trio.

Die damals 9 Jahre alte Peggy Knobloch war am 7. Mai 2001 in Lichtenberg (Bayern) verschwunden. Ihre sterblichen Überreste wurden erst am 2. Juli 2016 in einem Waldstück in Thüringen gefunden.

Wie die Polizei nach dem Fund mitteilte, ist es wahrscheinlich, dass Peggy nicht an dem Ort getötet wurde, wo der Täter sie vergraben hat.

Peggy Knobloch verschwand auf dem Heimweg von der Schule. Mehrere große Suchaktionen über die Jahre erbrachten keine echten Hinweise. Bis ein Pilzsammler im vergangenen Juli die Knochen der Vermissten fand. Die Überreste von Peggy lagen 15 Kilometer von ihrem Heimatort Lichtenberg entfernt.

Der Bayreuther Oberstaatsanwalt Herbert Potzel sagte nach dem Knochenfund: „Es liegt nahe, dass der Täter gute Ortskenntnisse hatte. Es kann aber trotzdem sein, dass es ein Fremder war.“ Die Beamten ermittelten in alle Richtungen. „Wir werden uns nicht auf eine Hypothese beschränken.“ Potzel betonte nochmals: „Wir haben im Augenblick keinen Verdächtigen.“

Gerichtsmediziner untersuchten Peggys Überrest auf DNA-Spuren

Die Gerichtsmediziner hatten nach dem Leichenfund angekündigt, dass sie Peggys Knochen genauestens auf Spuren aller Art untersuchen wie zum Beispiel Haare, Pollen, oder Insektenteile und natürlich auch auf DNA-Muster. Experten teilten nach dem Knochenfund mit: Theoretisch könne auch nach so langer Zeit noch Täter-DNA gefunden werden

2002 präsentierten die Ermittler einen geistig behinderten Mann als Tatverdächtigen - er wurde zunächst als Mörder verurteilt, 2014 dann aber freigesprochen.

Die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten am 4. November 2011 eine Sparkasse in Eisenach überfallen und waren mit einem Campingmobil geflüchtet. Als eine Polizeistreife auftauchte, erschoss Mundlos seinen Komplizen Uwe Böhnhardt, setzte den Wohnwagen in Brand und tötete sich selbst. Seither sitzt das einzige lebende NSU-Mitglied, Beate Zschäpe, in Haft und vor Gericht. Ihr wird aktuell in München der Prozess gemacht.

fro

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