Hells Angels-Boss getötet

Nach Rocker-Tod: Warnung vor drohender Bandenkriminalität

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Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Frankfurter Polizei vor dem Clubhaus der Hells Angels in Wettenberg bei Gießen. Foto: Boris Roessler

Der Chef der Hells Angels aus dem mittelhessischen Wettenberg ist erschossen worden, nun werden Racheakte befürchtet. Konkrete Hinweise hat die Polizei bislang nicht. Doch ein Experte befürchtet "ausufernde Bandenkriminalität".

Wettenberg/Frankfurt (dpa) - Nach den tödlichen Schüssen auf den Boss der Gießener Hells Angels dauern die Ermittlungen an. Das teilte die Polizei auf Anfrage mit, weitere Einzelheiten wurden nicht bekanntgegeben.

Konkrete Hinweise auf Racheaktionen rivalisierender Rocker lägen bislang nicht vor, hieß es. Aygün Mucuk (45) war am Freitagmorgen tot auf dem Anwesen des Hells-Angels-Clubheims im mittelhessischen Wettenberg gefunden worden. Er wurde von mehreren Schüssen getroffen. Die Hintergründe sind noch unklar.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) warnte vor einer ausufernden Bandenkriminalität. "Das geht jetzt los. Wenn organisierte Kriminalität - und dazu gehören diese Rocker - die Streitigkeiten offen austrägt und auf offener Straße aufeinander losgeht und tötet, dann müssten die Alarmglocken eigentlich sehr, sehr laut läuten", sagte der stellvertretende BDK-Bundesvorsitzende Ulf Küch der Deutschen Presse-Agentur.

Rivalitäten zwischen den alteingesessenen Hells Angels aus Frankfurt und den türkisch geprägten Rockern aus Gießen hatten in den vergangenen Jahren mehrfach zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt. Die tödlichen Schüsse auf Mucuk vom Freitag könnten die Rivalität nun wieder neu befeuern. "Wir beobachten, dass sich diese Rockergruppen tatsächlich offen hinstellen und die Bundesrepublik untereinander aufteilen. Jetzt machen sie es sogar mit der Kanone in der Hand", konstatierte der Braunschweiger Kripo-Chef.

Von dem oder den Tätern fehlt nach der Bluttat noch jede Spur. Die Staatsanwaltschaft Gießen ordnete eine Obduktion der Leiche an. Mucuk war von mehreren Kugeln getroffen worden. Die Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Untersuchung sollen am Montag bekanntgeben werden. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) äußerte sich zunächst nicht zu dem Fall.

BDK-Vertreter Küch forderte, statt einzelne Rockergruppen nur als Vereine zu verbieten, die jeweiligen Charters als kriminelle Vereinigung einzustufen. "Man muss feststellen, diese Banden hängen zusammen, es sind keine Motorradfahrer, es sind keine Kleingärtner, die sich gegenseitig besuchen, sie grillen auch nicht miteinander. Sie führen irgendwelche krummen Geschäfte aus - und wenn es dann nicht so funktioniert, gibt es offene Gewalt", warnte der Experte. Sorge bereiteten Kriminalisten vor allem "die sogenannten ethnisch durchtränkten Rockergruppen, die auch ihre Süppchen kochen", sagte der BDK-Vize: "Das Geschäftsmodell "Rocker" ist offensichtlich in den kriminellen Bereichen angekommen."

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte bereits kurz nach der Bluttat vor möglichen Racheakten rivalisierender Gruppen gewarnt. Die Vergangenheit habe gezeigt, "dass wir hellwach sein müssen", sagte der hessische GdP-Landesvorsitzende Andreas Grün. Welche Folgen der Tod von Mucuk in Wettenberg bei Gießen aber tatsächlich in den kommenden Tagen und Wochen habe, sei spekulativ. "Das ist eine Welt für sich, die sehr schwierig abzuschätzen ist", sagte Grün.

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