Nach der Bluttat

Mutter von Grafing-Täter Paul H.: "Wir können das nicht fassen"

Gießen/Grafing - Das Entsetzen über die Bluttat von Grafing ist auch nach zwei Tagen noch groß. Jetzt hat sich die Mutter des Messerstechers Paul H. zu Wort gemeldet. 

Die Menschen legen Blumen und Kerzen an der Stelle im Grafinger Bahnhof nieder, an der am Dienstag Paul H. drei Menschen schwer verletzt und einen Mann getötet hat.

Über 150 Menschen haben am Mittwoch im bayerischen Grafing bei einer Trauerfeier der Opfer der Messerstecherei gedacht. Bei der Bluttat am Dienstag waren drei Grafinger schwer verletzt, ein 56-jähriger Wasserburger getötet worden. Der Tote war Mitarbeiter der Regierung von Oberbayern. Regierungspräsident Christoph Hillenbrand rang sichtlich um Fassung, als er sich von dem netten und geschätzten Kollegen, wie er ihn charakterisierte, verabschieden musste. 

Das Entsetzen und die Trauer über die Messerstecherei von Grafing macht sich aber nicht nur am Ort des Geschehens breit. Auch die Familie des Täters Paul H., der aus dem hessischen Grünberg stammt, zeigt sich ergriffen. Seine Mutter sagte jetzt der Bild : „Wir können das nicht fassen, möchten uns bei den Angehörigen entschuldigen.“ 

Sein Stiefvater hatte bereits kurz nach der Tat erzählt, dass der Kontakt zu dem 27-Jährigen abgebrochen sei. Die Großeltern hatten sich noch um ihn gekümmert, hatten nach eigenen Erzählungen "alles versucht, um ihm zu helfen". „Wir haben die Polizei gebeten, ihn in eine Klinik einzuweisen. Aber die Beamten lehnten das ab“, so der Großvater in der tz.

Nach Angaben der Ermittler in München unternahmen die Kollegen vor Ort nichts, weil es „keine Fremd- oder Eigengefährdung“ gab. Sie rieten Paul H. nur, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Die Großeltern überredeten ihren Enkel, sich an eine Klinik in Gießen zu wenden, doch da hielt er es nur eine Nacht aus.

War eine Psychose der Grund für die Tat?

War also möglicherweise eine Psychose der Grund für die tödliche Attacke in Grafing? Könnten Drogen der Auslöser gewesen sein? Das müssen nun Blutuntersuchungen klären. Paul H. wurde am Mittwoch jedenfalls in die Psychiatrie eingewiesen, was laut Bild dafür sprechen könnte, dass er zur Tatzeit vermindert schuldunfähig oder sogar voll schuldunfähig war. 

Mann sticht an Bahnhof auf Menschen ein - Ein Toter

Dafür sprechen auch die Aussagen der Ermittlungsbehörden. Laut Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich macht der 27-jährige Hesse zum Motiv völlig wirre Angaben. Und: Schon bei der ersten Vernehmung im Ebersberger Polizeirevier kurz nach der Tat hatte er laut Polizei Merkwürdiges von sich gegeben. So hatte er etwa Wanzen unter seinen Füßen gespürt und deswegen seine Schuhe ausgezogen. Als er auf die vier Männer am S-Bahnhof in Grafing losging, war er barfuß. 

kg

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