Zwischen Bibelkreis und Kuschelrock

Chris de Burgh: A Better World

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Nirgends, nicht einmal in seiner irischen Heimat, ist Chris de Burgh nach wie vor so angesagt wie in Deutschland. Warum? Das weiß „A Better World“ nicht zu erklären.

Chris de Burgh glaubt an das Gute im Menschen. Leider reicht das allein nicht aus, um auch eine gute Platte zu machen.

Chris de Burgh und die Deutschen - das ist schon eine Liebesbeziehung. „Die deutschen Fans sind vielleicht die besten der Welt“, lobt der Ire gelegentlich in Interviews. Komplimente wie diese werden ihm mit herausragenden Plattenverkaufszahlen und ausverkauften Konzerten gedankt. Das wird auch dieses Mal nicht anders sein, wenn de Burgh „A Better World“ veröffentlicht. Auf dem Album hat er 15 Songs versammelt, die das Gute im Menschen beschwören - Glaube, Liebe, Hoffnung eben. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass gerade die sozialkritischen Stücke eher bibelkreisig anmuten als aufzurütteln. Dieser gemütlichen Tour fällt jeder Anspruch zum Opfer.

Den Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht demonstriert besonders deutlich das Lied „Homeland“. Hier signalisieren ein paar arabisch anmutende Klänge im Intro: Achtung, Achtung, Flüchtlingskrise! Es folgt die Botschaft „Flüchtlinge sind Menschen wie du und ich“. Leider gibt es ja tatsächlich Idioten, denen man das in dieser Plattheit immer noch vermitteln muss. Von daher sicher ein achtbarer Ansatz.

Musikalisch jedoch bleibt der Song mutlos - de Burgh wagt es nicht, die arabischen Klänge den ganzen Song hindurch einzuarbeiten, sondern versumpft dann doch im irisch-folkigen Kuschelrock. Und der Bruch, mit dem er den Krieg auch akustisch ins Heimatidyll einbrechen lassen möchte, gerät längst nicht hart genug. So fliehen die Protagonisten letztlich zu Klängen durch den Bombenhagel, die so schön schmissig sind wie sonst nur alte Soldatenlieder.

Auch ansonsten bewegt de Burgh sich immer im sicheren Fahrwasser: Zwar garniert er seinen gefälligen Pop-Rock mal mit karibischen Klängen („Once In A Lifetime“), mal mit Piratenromantik („The Open Door“) und mal mit ein paar Folk-Fiedeln („The Land Of The Free“), aber es bleibt bei Deko-Elementen, echte Überraschungen? Fehlanzeige!

Gerade die Songs, die auf solchen Klimbim verzichten und von vornherein ganz in de Burghs typischem Folk-Pop-Rock-Mix verharren, heben sich da wohltuend ab: Etwa das überraschend eingängige moderne Folksong „Chain Of Command“ oder das schwungvolle Liebeslied „Hold On (I'm On My Way“). Doch leider sind diese Stücke zu rar gesät, um den weitgehend verschnulzten Rest des Albums zu retten. Keine Frage: Fans werden auch auf dieser Veröffentlichung wieder ihre Favoriten finden. Und auf der Tour ist ja dann eh die Hauptsache, dass de Burgh wieder „The Lady in Red“ singt.

Chris de Burgh auf Deutschland-Tour:

03.05.17 Wuppertal, Historische Stadthalle

05.05.17 Osnabrück, OsnabrückHalle

06.05.17 Hannover, Kuppelsaal

08.05.17 Berlin, Friedrichstadt-Palast

09.05.17 Hamburg, Mehr! Theater

11.05.17 Braunschweig, Stadthalle

13.05.17 Oldenburg, Weser-Ems Halle/Kongresssaal

14.05.17 Göttingen, Lokhalle

16.05.17 Wetzlar, Rittal-Arena

17.05.17 Leipzig, Haus Auensee

19.05.17 Halle/Saale, Händelhalle

22.05.17 Stuttgart, Liederhalle (Beethovensaal)

23.05.17 Essenbach, Eskara

25.05.17 München, Philharmonie

26.05.17 Würzburg, s.Oliver-Arena

28.05.17 Essen, Philharmonie

29.05.17 Frankfurt, Alte Oper

31.05.17 Baden-Baden, Festspielhaus

tsch

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