The Last Shadow Puppets

Zwei Mann, eine Supergroup

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Miles Kane (links) und Alex Turner sind The Last Shadow Puppets. Ihr zweites gemeinsames Album "Everything You've Come To Expect" erscheint am 1. April.

Acht Jahre hat es gedauert, aber nun sind die langjährigen Freunde Alex Turner und Miles Kane mit ihrer gemeinsamen Band The Last Shadow Puppets zurück und zeigen mit "Everything You've Come To Expect", dass tiefes Verständnis auch nach längerer Zeit nicht verschwindet.

Sie häufen sich wieder, diese Bands, die die Presse als "Supergroups" bezeichnet. Eine Fusion aus profilierten Künstlern, die für ein gemeinsames Projekt zusammenkommen, weil sie sich privat so richtig gut verstehen und eine ähnliche Vision haben. Diese zwischenmenschlichen Geschichten lassen sich gut erzählen und machen die Mitglieder greifbar und sympathisch. Bei The Last Shadow Puppets sprechen die Leute auch gerne mal von einer Supergroup. Allein das mit der Sympathie war nie die Sache des vermeintlichen Frontmanns Alex Turner, wie der Arctic-Monkeys-Boss auch im Interview zum neuen Album "Everything You've Come To Expect" (ab 1. April) durchscheinen lässt.

Was genau die Leute vom neuen Album "Everything You've Come To Expect" erwarten, weiß Turner selbst nicht so genau, wie er nonchalant zugibt. Allerdings ist er nach all den Jahren auch nicht die Person, die sich darüber ernsthaft Gedanken machen muss. Von vielen Jahren kann man bei Turner - Jahrgang 1986 - bedenkenlos sprechen. Sein Aufstieg in den britischen Musikolymp beginnt 2002 irgendwo im verregneten Sheffield. Die Geschichte seiner Band, der Arctic Monkeys, und ihrer erfolgreichen Rettung des Indie Rock Mitte der 00er-Jahre stand unter keinem guten Stern, galt es doch die einstige britische Vorherrschaft gegen amerikanische Bands wie beispielsweise den Strokes zurückzuerobern.

Der Erfolg wurde ihnen zuteil: Der schmächtige Teenager übertraf in Sachen Songwriting die Konkurrenz. "Whatever People Say I Am, That's What I'm not" schnupperte mit seiner Völlig-Egal-Attitüde am Erbe der Punkbewegung, kam ein bisschen versifft daher, war zu jedem Zeitpunkt aber für die besten Zeiten in der Indie-Disco gemacht. Nach der Übersingle "I Bet You Look Good on the Dancefloor" war der Weg dann ein einfacher. Von den großen Meinungsmachern wie dem britischen "Guardian", über die "L.A. Times" bis hin zum "NME" hagelte es Bestwertungen für die Arctic Monkeys, und sie enttäuschten auch mit ihren nachfolgenden Alben nicht.

Damit einher ging Turners Wandel vom zurückhaltenden Spät-Teenager zur Schmalzlocke tragenden Rampensau. Ab und zu wurde von einem Sympathie-Problem gesprochen, denn in der Marketing-Maschinerie der Major Labels fühlten sich das Einzelkind nie so richtig wohl. Trotzdem wuchs er in die Rolle langsam hinein, erschuf ein Image um sich und entwickelte sich nicht nur zum Kritikerliebling, sondern sogar zum gebuchten Model. Mittlerweile steht ihm diese gewisse Arroganz sogar sehr gut.

Aktuell geht es allerdings um The Last Shadow Puppets, eine dieser Supergroups, von denen die Presse so gerne redet. Tatsächlich hat auch der Zweite im Bunde - Busenfreund Miles Kane - eine bewegte Geschichte hinter sich, die von der semi-erfolgreichen Band The Rascals bis zum Gold-Album "Colour Of The Trap" im Jahre 2011 reicht. Den Solo-Erfolg hatte Kane, seinerseits aus Merseyside, allerdings überhaupt erst nach dem ersten Langspieler der Shadow Puppets. "The Age Of The Understatement" überraschte 2008 mit orchestralen Einflüssen, die den rauen Sound Turners auf ungeahnte Opulenz aufbliesen.

Knappe acht Jahre später läuft die erste Single des neuen Albums, "Aviation", erneut rauf und runter auf den Plattenspielern der Retro-Indie-Kids. Denn auch dieses Mal haben die unzertrennlichen Kane und Turner sich wieder inspirieren lassen und flanieren irgendwo zwischen 60s- und 70s-Rock, ohne sich einen feuchten Kehricht zu kümmern, was gerade heiß und interessant ist. Sympathisch will man das erneut nicht nennen, verdammt gut und auch nach so vielen Jahren noch spannend, ist es trotzdem.

Allerdings: Nie konnte man das Gefühl gänzlich verdrängen, dass neben dem einnehmenden Turner vielleicht gar kein Platz für eine zweite Person im Rampenlicht sein könnte. Schon die Vereinigung folgte einer deutlichen Hierarchie: Kane war mit den Rascals Vorgruppe für die großen, besseren Arctic Monkeys. Eine tiefgehende Freundschaft entstand trotzdem. Auch wenn Kane und Turner im Interview immer wieder beteuern, dass beide gleichermaßen am Songwriting beteiligt seien, wird von Miles Kane jedoch oft als Co-Frontmann gesprochen. Ein zweifelhafter Titel angesichts des bereits zweiten großartigen Albums der Last Shadow Puppets.

"Keiner von uns ist mehr treibende Kraft. Es ist bei jedem Song aufs Neue anders": Wie viel Einfluss Kane genau hat, wissen wahrscheinlich nur die beiden. Von seinem Beatles-Bob hat der sich schon längst verabschiedet. Mit seinem Mike-Skinner-Kurzhaarschnitt sieht er einfach auch nicht nach dem typischen Indie-Rock-Sänger aus. Wahrscheinlich haben Kane und Turner die Rollen klar verteilt. Auf die Frage angesprochen, ob eine tiefe Freundschaft auch negative Seiten bei solchen Projekten mit sich bringt, antworten sie einstimmig: "Sollten da welche sein, dann werden sie von den positiven Dingen locker aufgewogen." Natürlich gebe es aber auch immer wieder eine Rauferei.

Das Besondere an der Kombination der beiden Briten ist im Endeffekt die scheinbare Selbstverständlichkeit, mit der sie ihre Musik angehen und das Gefühl einer ehrlichen Freundschaft zueinander, die sich bei gemeinsamen Touren der Rascals und der Arctic Monkeys entwickelte. Beide schaffen es sich mit Experimentierfreude zu ungeahnten Höhen zu animieren. Im Austausch zum Album spielen sich immer wieder gegenseitig den Ball zu, ergänzen sich. "Komplentäre Fähigkeiten" nennt Turner das. Die erste Band von Kane - die Rascals - fand 2009 ein jähes Ende. Vermutlich ein Kollateralschaden auf dem Weg zum endgültigen Weltruhm für Turner und Kane. Und auch wenn Letzterer einen großen Teil seiner Karriere Turners Namen verdankt, sind The Last Shadow Puppet mit ihrem neuen Album "Everything You've Come To Expect" genau das, wovon die Presse so gerne spricht: eine Supergroup.

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