Roger Cicero

Wir ziehen den Hut

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Mit seinem Album "The Roger Cicero Jazz Experience" mauserte sich der als Pop-Sänger bekannte Frontmann 2015 zu einem ernstzunehmenden Jazz-Musiker.

Roger Cicero brachte stets gut gekleidet den Jazz in die Charts. Am 24. März starb der Sänger an den Folgen eines Schlaganfalls.

"Ja, klar", sagte Roger Cicero vor zwei Jahren im Interview, die Angst vor dem Tod sei ihm nicht fremd. Der Sänger dachte damals dabei vor allem an seinen Sohn. Ihn vorzeitig ohne Vater zurückzulassen, das bereite ihm Sorgen, gestand er: "Was mit mir genau passiert, ist zweitrangig. Ich habe viel erlebt, bin sehr glücklich und dankbar um jede Erfahrung, die ich machen durfte und habe auch nicht den Eindruck, etwas verpasst zu haben." Nun verstarb der Jazz- und Popmusiker völlig überraschend in Berlin. Roger Cicero wurde nur 45 Jahre alt. Der sympathische, stets perfekt gekleidete Musiker, bleibt als Pop-Unikat in Erinnerung: Der Mann mit dem Hut brachte den Jazz in die deutschen Charts.

"Wir sind fassungslos und unendlich traurig. Unser Mitgefühl gilt in erster Linie seiner Familie", teilte Ciceros Management am Dienstag mit. Der Berliner erlag bereits am Abend des 24. März den Folgen eines Hirnschlags.

Bereits im November des vergangenen Jahres meldete sich Cicero wegen eines Erschöpfungssyndroms krank. Auch der Herzmuskel sei damals betroffen gewesen: "Es war, als hätte jemand den Stecker bei mir gezogen", gab Cicero Ende Januar nach eigenen Aussagen erholt gegenüber "Bild" zu Protokoll. Stress und ein verschleppter Virus seien damals wohl die Auslöser für die Krankheit gewesen.

Im April wollte der mehrfach mit Platin ausgezeichnete Künstler seine eigentlich für Ende 2015 geplante "Cicero Sings Sinatra"-Tour nachholen. Laut Sony Music habe der Sänger "in den vergangenen Wochen zahlreiche Promotion- und TV Auftritte" für sein Sinatra-Coveralbum absolviert. "Einen Tag nach seinem letzten Live-Auftritt im Bayerischen Fernsehen traten plötzlich akute neurologische Symptome infolge eines Hirninfarkts auf." Im Krankenhaus habe sich sein Zustand "rapide" verschlechtert. Cicero sei am Abend des 24. März "im Kreise seiner Lieben" verstorben, "ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben".

Der Sohn des siebenbürgischen Jazzpianisten Eugen Cicero war gut zehn Jahre lang eines der bekanntesten Gesichter der hiesigen Poplandschaft. Sein erstes Soloalbum "Männersachen" (2006) hielt sich ganze 83 Wochen in den Album-Top-100. 2007 trat Cicero für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Helsinki an, enttäuschte allerdings mit dem 19. Platz. Seiner Karriere schadete dies jedoch nicht: Vier weitere Alben landeten in den folgenden Jahren jeweils in den Top-Fünf.

2015 erschienen gar zwei Langspieler vom sympathischen Hutträger. Zum einen die von der Kritik gelobte Jazzplatte "The Roger Cicero Jazz Experience" sowie die live eingespielte Sinatra-Zusammenstellung "Cicero Sings Sinatra" - ein Herzensprojekt zum 100. Geburtstag des amerikanischen Jazz- und Classic-Pop-Idols im Dezember 2015. Für beide Alben ist der Musiker am 7. April für den Echo nominiert.

Bekannt wurde Roger Cicero auch durch sein soziales und gesellschaftliches Engagement. So sprach er sich etwa an der Seite der Tierschutzorganisation "PETA" gegen das Tragen von Pelzen aus. Als Pate der Kinderhilfsorganisation "Save The Children" versuchte er, vor allem das Leben der Kleinsten in Rumänien, dem Geburtsland seines Vaters, zu verbessern. Anstatt Kondolenzschreiben wünscht sich seine Familie nun auch, dass seine Fans und Gönner lieber an den Verein spenden mögen. Roger Cicero hinterlässt einen Sohn, von der Mutter trennte er sich nach langer Beziehung 2013.

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