Good Charlotte: Youth Authority

Wild war gestern

Good Charlotte - Youth Authority

Gutes Mädchen, braves Mädchen: Die Schulglocke läutet. Ende der Pause. Good Charlotte kehren mit „Youth Authority“ zurück in die Klasse.

Es ist schon ein Weilchen her, dass Good Charlotte als heißestes Mädel auf dem Pausenhof gehandelt wurden. Locker zehn Jahre. Als „I Just Wanna Live“ und „The Anthem“ aus den Boxen brüllten, als Kameraden wie Green Day und Sum 41 ebenfalls in voller Blüte standen. „Now all the punk rockers are over 40“ stellen sie nun fest. Groß anders benehmen sie sich auf „Youth Authority“ allerdings trotzdem nicht.

Textlich hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Die Pop-Punk-Ära ist vorbei, die Prioritäten haben sich verschoben. Benji Madden erzählt Illustrierten etwas von Familiengründung und postet, wie glücklich er mit seiner Ehefrau Cameron Diaz ist. Ähnlich sieht es mit Zwillingsbruder Joel und Nicole Richie aus. „Life Can't Get Much Better“ ist eine Liebeserklärung. Eine nette kleine Popballade, die große Gefühle weckt. Es macht immer noch Spaß, über den Pausenhof zu spazieren. Aber die rosa Wolken am Himmel haben ihre Form verändert.

Das alles kommt auf „Youth Authority“ wenig subtil, dafür aber mit Humor verpackt. „Life Changes“ nennt sich der Opener. Ein tausendmal gehörter Refrain, eine sommerliche Atmosphäre zwischen Strand und Skateboard, ein „Ohohoh“ zum Ende hin. Funktioniert alles irgendwie immer noch. Zumindest, wenn die Dosierung stimmt. Wenn es mit einer wunderbaren Power-Ballade wie „Reason To Stay“ (unterstützt durch Simon Neil von Biffy Clyro) vermischt und von witzigen Aufräumaktionen mit der Vergangenheit wie „40 oz. Dream“ eingerahmt wird.

Im Video zu dieser letztgenannten Single sind sie die „Last band on earth“. Das will man nicht hoffen. Denn Good Charlotte fällt auf „Youth Authority“ wenig Neues ein. Aber sie klingen frisch, zufrieden und packender, bissiger auch als auf dem Vorgänger „Cardiology“ (2010). Verständlich: Die Oststaaten-Rocker kommen aus der Pause, dazu ist es das erste Album der Band, welches auf dem eigenen Label der Madden-Brüder veröffentlicht wird. So lässt es sich leben. Auch ohne der heißeste Trend des Sommers zu sein.

Good Charlotte auf Tournee:

20.08.2016, Köln, Palladium

tsch

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