James Blake: The Colour In Anything

Wenn die Farben stimmen

James Blake - The Colour in Anything

Mit "The Colour In Anything" zeigt sich James Blake farbenfroher denn je und liefert ein Album, das trotz Überlänge zu keiner Zeit in Monotonie verfällt.

Kendrick Lamar hat es getan, Kanye West sowieso und Beyoncé, Drake und Radiohead folgten dieser Tage. Nun hat auch James Blake mal eben über Nacht sein neues Album veröffentlicht, ohne große Ankündigung und Werbetrommeln. Drei Jahre mussten Fans auf den Nachfolger des gefeierten "Overgrown" warten. Dafür beschenkt er sie jetzt mit einem umso ausgedehnteren Werk: Mit 76 Minuten Laufzeit ist "The Colour In Anything" fast doppelt so lang wie der Vorgänger. Und die 17 Songs haben es in sich.

Es ist die typische James-Blake'sche Handschrift, die ihm schon seit seinem selbstbetitelten Debüt 2011 so viel Aufmerksamkeit einbrachte: Breite Synthieflächen, tiefe Bässe, hallende Klangräume, gepitchte Samples und Gesangsparts. Auch auf "The Colour In Anything" schafft der 27-Jährige eine bewegende Ruhe, die sich vor allem durch akzentuierte Instrumentierung und seine sanfte, hohe, immer leidende Stimme auszeichnet. Eine Kombination, die schon lange nicht mehr neu ist. Doch kaum einer schafft es, seine Songs mit so viel Feingefühl und so punktgenau zu arrangieren wie der Brite.

Auf seiner dritten Platte geht der Elektronikbastler jetzt allerdings einen Schritt weiter. Er streift unterschiedliche Stile und Richtungen nicht nur und bezieht sie in sein Soundbild mit ein. Er bedient sie, reizt sie aus und lehnt sich einmal mehr an abzweigende Genres an. So zurückgefahren wie in der titelgebenden Ballade "The Colour In Anything" klingt das Album selten. Hier lässt er sich lediglich von einem Klavier begleiten und haucht dazu teilweise unverständliche, zerbrechliche Töne.

"I Hope My Life" reißt einen wieder aus dem träumerischen Zustand und holt den Hörer mit treibendem Beat in die Realität zurück: Mehrere übereinandergelegte Synthieflächen reichern sich an und vereinen sich unterstützt von mehreren Stimmebenen zu einem tanzbaren Clubsound. Auf "Points" taucht Blake mit einem harten, düsteren Beat, taktgebendem Klatschen und wachsenden, sirenenartigen Elementen tief in bedrohlich klingende HipHop-Sphären. Mit "Always" begibt er sich dann wieder in warme R'n'B-Gefilde, die sich zwar einladend, aber immer noch schmerzhaft offenlegen.

Den Höhepunkt der Platte, "I Need A Forest Fire", bereichert Bon Iver als Duettpartner. Ein Stück, das den Hörer durch seine Stimmschichtungen, einen schleppenden Takt und einfühlsame Sphären belebt und erfüllt zurücklässt. Ein breites Spektrum bedient Blake mit "The Colour In Anything". Trotz neuer Farben gelingt es ihm aber, seinem Grundton treu zu bleiben und ein Album zu schaffen, das wie aus einem Guss kommt.

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