Michael Kiwanuka: Love And Hate

Wechselbad der Gefühle

Michael Kiwanuka - Love & Hate

„Home Again“ nannte sich das Debüt des Soulmusikers Michael Kiwanuka. Mit „Love & Hate“ wagt er sich hinaus in die Fremde. Ohne dabei die Heimat komplett aus den Augen zu verlieren.

Es sieht alles so einfach aus. Das in Graustufen gehaltene Cover. Der simple Titel „Love & Hate“. Aber der Schein trügt. Ein erstes Indiz: Auf der Rückseite werden gleich drei Produzenten aufgeführt, darunter auch Danger Mouse (U2, The Black Keys, Red Hot Chili Peppers). Aufgenommen wurde das Album in sieben Studios. Und die Anzahl der beteiligten Musiker? Beeindruckend viele. Es darf angenommen werden: Michael Kiwanuka bewegte sich für sein zweites Album auf neuen Pfaden.

Die Annahme bestätigt sich. Retro-Soul, das war einmal. Der Begriff nimmt nur einen Bruchteil dessen auf, was sich auf „Love & Hate“ abspielt. Als große Überschrift taugt er nicht mehr. Das wird bereits nach den ersten Minuten deutlich, die sich instrumental und mit einer Pink-Floyd-Duftnoten tragenden Gitarre weit von dem entfernen, was man von Michael Kiwanuka gewöhnt ist. Von dessen Debüt, das ebenso blühend wie pittoresk-zurückgezogen die Blicke auf sich zog.

Das Gewächs wurde umgepflanzt. Es steht zwischen Rock, Pop und Soul. Viele Songs beweisen einen langen Atem („Love & Hate“, „Cold Little Heart“) und beziehen ihre Nährstoffe aus den Wurzeln der Black Music. Die Streicher wirken stellenweise wie eine Wärmedecke, während auf der gegenüberliegenden Seite auch die elektrischen, ungebügelt aufgenommenen Gitarren mehr Redezeit bekommen („The Final Frame“).

Eine Konstante hingegen ist die über den viel zitierten Klee gelobte Stimme von Michael Kiwanuka. „Do I have to rule the world?“ fragt er, und gibt sich selbst mit seiner Musik die Antwort: Natürlich nicht. Es geht darum, wie man sich selbst sieht, sich wahrnimmt. Es geht um die eigene Identität, nicht um den Irrsinn, der da draußen vor sich geht.

Als „unmittelbarer“ beschreibt Kiwanuka das Album im Vergleich zu seinem Vorgänger. Vier Jahre sind zwischen den beiden verstrichen. Die Zeit wurde genutzt, um die Weichen neu zu stellen. „Love & Hate“ geht in die Breite und macht aus dem vielbeachteten Newcomer mit klaren Reviergrenzen einen ebenso vielbeachteten Abenteurer, der Grenzen mühelos hinter sich lässt.

Michael Kiwanuka auf Tournee:

09.08.2016 Frankfurt, Batschkapp

10.08.2016 A Summer's Tale Luhmühlen

09.11.2016 Berlin, PBHFCLUB

10.11.2016 München, Technikum Kultfabrik

22.11.2016 Köln, Die Kantine

tsch

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