Car Seat Headrest: Teens Of Denial

Untergang im Wachstum

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Wild und jung und schrammelig: Von Car Seat Headrest wird man noch viel hören.

Einmal wieder jung sein! Oder vielleicht doch lieber nicht? Will Toledo ist jung. Und steckt seine Zerrissenheit in ein Päckchen namens Car Seat Headrest.

Am Anfang steht ein gut gemachter Indie-Rocker mit schraddeliger Low-Fi-Attitüde und einem Text, der Weichen stellt. „I've got a right to be depressed“, bemerkt Will Toledo in „Fill In The Blank“. Er wird im Laufe von „Teens Of Denial“ noch einige irritierende Sätze von sich geben. Toledo alias Car Seat Headrest hat es aber auch nicht einfach. Mit seinem Alter, seinem Umfeld und den Herausforderungen, die diese Welt an Leute wie ihn stellt.

Er ist 23, sein musikalisches Schaffen begann 2010. Trotzdem ist „Teens Of Denial“ bereits sein 13. (!) Album. Auch das - um mal eine positive Note zu setzen - ist ein Umstand der jungen Generation. In der heutigen Zeit kann die eigene Musik ohne große Mühe aus dem Wohnzimmer heraus um die Welt geschossen werden. Aber nur wenige machen davon so umfassend, konsequent und vor allem kreativ überzeugend Gebrauch.

Die ersten elf Alben von Car Seat Headrest erschienen via Bandcamp. Das zwölfte hieß „Teens Of Style“, war das erste für Matador Records - ein Label, bei dem sie sich neben Kollegen wie Yo La Tengo oder Pavement durchaus wohlfühlen dürften - und konzentrierte sich auf Überarbeitungen bestehender Songs. Somit ist „Teens Of Denial“ eine Art Debüt. Auch, weil mit Steve Fisk (Nirvana, Soundgarden) erstmals ein namhafter Produzent zum Einsatz kam.

Das Ergebnis ist - Debüt hin oder her - in allen Belangen beeindruckend. Es wurzelt in den Neunzigern, scheut sich jedoch vor nichts. Nicht vor Bläsern und Kuhglocken, nicht vor ellenlangen Songs und psychedelischen Ausbrüchen. Toledo singt, nörgelt, lamentiert und krächzt, dazu schraddelt die Gitarre herrlich. Wie zerknittert kann man mit Anfang Zwanzig eigentlich sein? „I'm freaking out in my mind“ heißt es in „Destroyed By Hippie Powers“. Das ist nicht zu überhören.

Richtig unheimlich wird es, wenn „Teens Of Denial“ in einem über elfminütigen Koloss namens „The Ballad Of The Costa Concordia“ kulminiert. Das Schiffsunglück wird dabei metaphorisch verarbeitet. Es beginnt nach Songwriter-Art. Ruhig, überlegt, sich langsam aufbauend. Die Low-Fi-Attitüde ist verschwunden. „I won't go down with this ship“ singt Toledo und schlittert in ein abgewandeltes Dido-Zitat („White Flag“). Es folgen Selbstbefragungen („How was I supposed to know ...“), hinter denen sich die Instrumente langsam, aber stetig aufstauen, um sich anschließend gewitterartig zu entladen. Und auch die Ruhe nach dem Sturm fügt sich wunderbar in das zentrale Stück der Platte ein.

All das Suchen, das Irren und Wirren sowie das Sturm-und-Drang-Gefühl deuten darauf hin, dass man von Car Seat Headrest noch einiges hören wird. Und wenn Will Toledo das Arbeitstempo der letzten Jahre beibehält, dürfte es bis zum nächsten Lebenszeichen auch nicht lange dauern.

tsch

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