Garbage: Strange Little Birds

Die ungeschminkte Wahrheit

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Shirley Manson bleibt unbequem: Auf „Strange Little Birds“ wettert sie gegen die Angst vorm Altern und die vor eigenen Schwächen.

Auf ihrem sechsten Album „Strange Little Birds“ nehmen Garbage kein Blatt vor den Mund: Shirley Manson singt von Sterblichkeit, Schwächen und dem Älterwerden.

Wenn Shirley Manson etwas nicht passt, dann sagt sie das auch: „Ich habe es satt, das Radio anzumachen und einen bescheuerten Popsong nach dem nächsten zu hören, vor allem von älteren Künstlern“, redet sich die Sängerin der Rockband Garbage in Rage. „Sie singen davon, in Clubs zu gehen und jemanden aufzureißen. Wann bitte waren sie das letzte Mal in einem Club? Den Mist kaufe ich ihnen nicht ab. Das sind peinliche Lügen.“ Manson und ihre Bandkollegen haben deshalb beschlossen, dem etwas entgegenzusetzen: ein Album, das nichts beschönigt. Eins, das ehrlich ist und sich auch um unangenehme Themen und menschliche Abgründe dreht. „Strange Little Birds“ lautet der Titel.

Es ist das mittlerweile sechste Album der Band; das zweite, seit sie sich 2012 aus ihrer sechs Jahre währenden Kreativpause zurückmeldeten. Seinen Anfang nahm es im Frühling 2013, als Garbage im Keller von Schlagzeuger (und Produzenten-Legende) Butch Vig zusammenkamen und sich plötzlich wieder ein wenig fühlten wie vor gut 20 Jahren, als die Karriere der Band mit der Single „Only Happy When It Rains“ ihren Anfang nahm. Ohne Plattenfirma im Rücken probierten sie einfach aus, statt lange nachzudenken. Ließen ihrer Kreativität freien Lauf, statt irgendwelchen Formeln zu folgen.

Heraus kamen elf Songs, die durchaus an die frühen Aufnahmen der Band erinnern. Die Gitarren-Riffs sind tonnenschwer, die elektronischen Elemente und Industrial-Einfüsse, die sich durch die meisten Stücke ziehen, besonders kratzig. Kurzum: „Strange Little Birds“ ist erfrischend kompromisslos, unbequem und düster.

Das trifft auch auf Shirley Mansons Texte zu. „Teaching Little Fingers How To Play“ zum Beispiel handelt von den Vorteilen des Älterwerdens. In „So We Can Stay Alive“ beschäftigt sich Manson, die dieses Jahr 50 wird, mit ihrer eigenen Sterblichkeit und in „Sometimes“ geht es darum, dass es völlig okay ist, die eigenen Schwächen zuzugeben - ein dringendes Statement in einer Zeit, in der wir in den Sozialen Medien tagtäglich vorgegaukelt bekommen, wie fantastisch und perfekt das Leben der anderen ist. „Strange Little Birds“ ist ein trotziges Album - und das ist gut so.

Garbage auf Tournee:

10.08.2016, A Summer's Tale Festival, Luhmühlen

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