Metronomy: Summer 08

Die Teenies im Blick

Metronomy - Summer 08

Mit „Summer 08“ reist Metronomy-Kopf Joseph Mount zurück zu den frühen Banderfolgen.

Das Jahr 2008 veränderte alles im Leben von Joseph Mount: „Nach diesem Sommer hatte ich keinen Sommer mehr frei“, erklärt der Metronomy-Kopf gegenüber dem „Crack Magazine“. „Ab diesem Zeitpunkt hat sich unser Leben verändert, und wir wurden zu Musikern, die durchgehend unterwegs waren.“ Nach acht Jahren und vier Alben denkt Mount mit seiner neuen Platte an die Zeit zurück, als er noch mehr Freiheiten hatte. Doch so wirklich befreit klingt „Summer 08“ nicht.

Wenn man sich dann an die Zeit des Durchbruchs, die ersten Erfolge, die euphorisierendsten Momente zurückerinnert, kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen mit der neuen Platte. Passend dazu isolierte sich Mount in einem Studio in Paris, um ohne Ablenkungen zu arbeiten - aber auch, um seine strikten Zeitvorgaben erfüllen zu können. Und da ist er also doch wieder: der Druck. Und der macht sich auf dem Album auch an anderer Stelle bemerkbar.

„Solange Teenager in den ersten Reihen bei unseren Konzerten stehen, ist alles okay. Daran messe ich den Erfolg von Metronomy - ob junge Menschen es mögen.“ Vielleicht ist dieser Vorsatz das Problem. Sicherlich bedient Mount mit seinem Indietronic längst den Geschmack der jüngeren Generation. Doch „Summer 08“ strengt sich häufig zu sehr an, diese Klientel zu bedienen und an „Nights Out“ (2008) zu erinnern. Titel wie „16 Beat“ und „My House“ lassen die minimalistische Lässigkeit vermissen, mit denen Songs wie „The Look“ (2011) und „I'm Aquarius“ (2013) begeisterten.

Was aber unverändert geblieben ist: der Eigensinn und die Kompromisslosigkeit des Multiinstrumentalisten. Mount spielte auf „Summer 08“ alle Instrumente - bis auf die Hammond Orgel - selber ein. Ironischerweise ist der Hoffnungsträger der Platte allerdings der einzige Song, bei dem er Unterstützung bekommt. Auf „Hang Me Out To Dry“ ergänzt die Schwedin Robyn den Gesang und dürfte mit ihrem poppigen Tanzeinfluss Metronomys Zielgruppe am besten treffen.

Auf „Summer 08“ bleiben die Briten ihrem Sound größtenteils treu, wie Titel wie „Old Skool“ beweisen. Auch der Opener „Back Together“ zeigt die Liebe für feingliedrige elektronische Spielereien und Talent für eingängige, aber spannende Songs. Doch das Stück ist auch Vorbote für die kleinen Schwachpunkte der Platte. Sie tritt dem Hörer wesentlich angestrengter, verkopfter und überladener entgegen, als viele große Titel der alten Alben. Die für Metronomy typische Leichtigkeit, durch die die Songs sonst auf angenehme Weise im Kopf bleiben, fehlt an vielen Stellen.

Mit dem krampfhaften Versuch, sein Wunschpublikum abzuholen, verlieren sie sich teilweise in den Songs. Vielleicht hätte es gut getan, zu akzeptieren, dass seine Fans der ersten Stunde wie er eben auch altern und mittlerweile den 20-ern entwachsen sein dürften. Nichtsdestotrotz trifft der 33-Jährige mit seinem elektronischen Indie-Sounddesign den Zeitgeist und dürfte damit zumindest seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden.

tsch

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