Red Hot Chili Peppers: The Getaway

Synthie mich nicht voll! Oder doch?

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Auf der Spitze des Pop-Rock-Olymps: (von links) Anthony Kiedis, Chad Smith, Michael „Flea“ Balzary und Josh Klinghoffer sind von kaum einer großen Bühne wegzudenken.

Ein halbes Jahrzehnt mussten Fans auf ein neues Album der Red Hot Chili Peppers warten. Und dann schlägt „The Getaway“ auch noch teilweise neue Töne an.

Einst sangen sie „Can't Stop“ auf ihrem Album „By The Way“. Und wie es aussieht, können die Red Hot Chili Peppers es wirklich nicht lassen: das Musizieren, das Experimentieren, das Ignorieren von Konventionen und Aufforderungen, zu ihrem alten Stil zurückzufinden. Hereinreden ließen sie sich auch bei ihrem neuen Album „The Getaway“ nicht - gut so! Damit stößt man an, dabei bleiben die vier Alternativrocker einfach nur konsequent und zollen den äußeren und inneren Veränderungen Tribut.

Einer von ihnen ist noch gar nicht lange dabei. Josh Klinghoffer löste vor dem Vorgängeralbum „I'm With You“ (2011) Gitarren-Legende John Frusciante an der Sechssaiter ab. Darf man sich darüber heute noch ärgern? Sicher. Stellte Frusciantes Spiel mit Techniken wie seinem „Chicken Scratch“ doch ein tragendes Element bei Studioalben sowie Live-Auftritten dar. Doch Klinghoffer, der schon früher mit Frusciante an dessen Solo-Alben herumwerkelte, entwickelt den Stil weiter und bringt neue Klänge ein. Seine Expertise für Synthesizer etwa.

„Synthies bei den Peppers?“ - Insbesondere bei den Tracks „Go Robot“ und „Feasting On The Flowers“ machen sich die elektronischen Klänge bemerkbar. Ungewohnt? Ja. Unpassend? Nein! Es entstehen etwa bei der Ballade „The Hunter“ stimmige Klanggefüge, die sogar an einige der sphärigen Solo-Werke Frusciantes erinnern. Dafür gibt's in Titeln wie „We Turn Red“ altgewohnten, crunchigen Gitarren-Sound.

Doch für die meisten Hörer, insbesondere abseits der hartgesottenen neuen und alten Fans, sind natürlich zwei andere die Aushängeschilder der Chili Peppers. Zum einen ist das Anthony Kiedis und dessen markante Stimme. Mit der gewohnten Mischung aus gesprochenem und melodiösem Gesang („The Getaway“), sowie der Dynamik aus energetischen Zeilen kombiniert mit verträumten Hooks („Goodbye Angels“), bringt er mit jeder Silbe typischen Peppers-Sound auf die Ohren.

Andererseits ist wie immer das groovige („Sick Love“) und geslappte („Go Robot“) Bass-Spiel von Flea ein tragendes Element des Albums. Ein Mitwippen mit der Fußspitze ist schwer zu unterdrücken. Apropos Groove: Auch Drummer Chad Smith durfte sich austoben und macht das Schlussstück „Dreams Of A Samurai“ mit einem schmissigen 10/4-Takt zum (Alb-)Traum seiner Schlagzeug-Kollegen.

Es bleibt der Eindruck, dass jedes der Bandmitglieder „The Getaway“ auf seine Weise den eigenen Stempel aufdrücken und seine Spezialitäten zeigen durfte. So wird das Album facettenreich, bleibt dennoch stimmig und homogen. Zugleich entwickelt sich der Sound der Red Hot Chili Peppers weiter. Und wer möchte ihnen das verübeln - auch als Band wird es auf Dauer öde, jahrzehntelang nur das Gleiche zu tun.

Eine weitere nennenswerte Neuerung gab's im Tonstudio: Erstmals seit 1989 produzierten die Kalifornier ein Album nicht mit Rick Rubin. Diesmal durfte Brian Joseph Burton an die Regler, besser bekannt als Danger Mouse. Der übte sich als Produzent zuletzt mit The Black Keys, Norah Jones und Adele.

Eine Angewohnheit hat Danger Mouse - leider! - von Ruben übernommen: das heiß gefahrene Master an der Grenze dessen, was CDs, MP3s und Co. aushalten. Zwar ist der Gesang klarer als beim Vorgängeralbum „I'm With You“, insbesondere beim Schlagzeug sind Verzerrungen aber deutlich hörbar. Schade, denn sonst bewegen sich die Aufnahmen auf gewohnt hohem Niveau und machen sowohl übers Küchenradio als auch über große Anlagen Spaß.

tsch

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