Led Zeppelin

„Stairway To Heaven“ ist kein Plagiat

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Robert Plant (zweiter von links) und Jimmy Page (dritter von links) rechneten wohl mit dem Freispruch: Ihre Reaktion im Gericht in Los Angeles fiel laut Beobachtern äußerst verhalten aus.

Als „Beste Coverband der Welt“ wurden Led Zeppelin einst verunglimpft. Zumindest ihr bekanntestes Stück ist laut Gericht nicht geklaut.

Satanische Botschaften wurden dem Lied einst zugeschrieben - wenn man es rückwärts hört. Völliger Humbug, klärte Sänger Robert Plant schon früh auf. Doch seinen Text konnte bis heute, 46 Jahre nach Aufnahme von „Stairway To Heaven“, keiner endgültig entschlüsseln. Einer der zahlreichen Gründe, warum die in drei Sektionen aufgeteilte, gut achtminütige Rock-Ballade nach wie vor von einem ganz speziellen Mythos umhaucht wird. Dabei sollte alles nur geklaut sein. Zumindest 15 Sekunden daraus. Die US-Band Spirit, die einst mit Led Zeppelin tourte, behauptete das - und verlor nun vor Gericht.

Plant und Gitarrist wie Komponist Jimmy Page waren anwesend, während die beiden Verfasser von „Stairway To Heaven“ in Los Angeles freigesprochen wurden. Beobachter konnten bei ihnen laut Presseberichten keine Rührung erkennen, als das Urteil der sechsköpfigen Jury verlesen wurde. Diese bekam die Lieder, also „Stairway To Heaven“ sowie das Spirit-Stück „Taurus“, nie zu hören, da erst seit 1976 Aufnahmen urheberrechtlich geschützt sind. Zuvor waren dies nur Noten, die Musikwissenschaftler den Geschworenen vorspielten.

Das Gericht entschied, dass die Anfangs-Gitarrensequenz von Led Zeppelin und das Thema von „Taurus“ sich nicht „wesentlich ähneln“ würden. Plant und Page, die zuvor schon mehrere Plagiatsvorwürfe außergerichtlich lösten, gaben stets an, dass die besagte Stelle in der Musikhistorie „seit Jahrhunderten“ bekannt sei und man die Musik von Spirit zudem nie wirklich bewusst hörte.

„Taurus“-Komponist Randy Wolfe verstarb bereits 1997, gab aber zeitlebens an, bei „Stairway To Heaven“ sein „Taurus“ wiederzuerkennen. Sein Nachlassverwalter Michael Skidmore wollte mit der Klage erreichen, dass sein Klient im Nachhinein als Verfasser des Led-Zeppelin-Welterfolgs geführt wird und seine Nachkommen so an den weiterhin rentablen Lizenzgebühren mitverdienen. Wolfe hatte sich einen solchen Prozess laut eigenen Angaben nie leisten können.

Erst kürzlich entschied auch das deutsche Verfassungsgericht in einem ähnlichen Fall für den vermeintlichen Plagiator: Der Rapper und Produzent Moses Pelham klagte gegen eine 2012 verfügte Unterlassung, die Kraftwerk verfügen ließ, da der Frankfurter für den Beat von Sabrina Setlurs „Nur Mir“ zwei Sekunden aus Kraftwerks „Metall auf Metall“ sampelte. Laut Karlsruhe sei die kreative Betätigung Pelhams allerdings höher anzusehen als die Eigentumsrechte und Verwertungsinteressen der Elektro-Pioniere. Die als Grundsatz ausgelegte Entscheidung ließ die HipHop-Gemeinde jubeln: Sampeln wurde somit von höchster gerichtlicher Stelle als Kunstform anerkannt.

tsch

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