Die Show einer Frau

Frida Gold: So klingt das neue Album

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Ist dies etwa auch die heimische Badewanne? Alina Süggeler und Andi Weizel von Frida Gold veröffentlichen ihr drittes, sehr offenherziges Album „Alina“.

Selbstoffenbarung im Pop und die Schönheit des Rave: Frida Golds drittes Album baut auf alte Sound-Tugenden, geht in Sachen persönliche Ansprache aber noch einen Schritt weiter.

Alina Süggeler konnte eigentlich nur Popstar werden. Sie sieht auf besondere Art und Weise fantastisch aus, kann singen und lebt öffentlich eine Art von Sensibilität, die die Menschen interessiert. Insofern ergab es Sinn, dass die heute 31-Jährige das Querflöten-Studium in Essen nach zwei Semestern an den Nagel hängte und seit 2010 mit Ex-Freund und Produktionspartner Andi Weizel Deutschland mit dem Projekt Frida Gold beglückt. Auf bisher zwei Alben verbanden sie geschickt alte Rave-Grooves mit großem Popgespür und der großen Personality-Show einer hochbegabten Performerin. Das Prinzip „Alina“ wird auf dem neuen, gleichnamigen Album nun noch einmal größer geschrieben. Und natürlich geht es wie in jeder Inszenierung eines klugen, hochbegabten Narzissten um das Leiden des Stars am Leben.

Über drei Jahre sind seit dem letzten Frida-Gold-Album „Liebe ist meine Religion“ vergangen - eine lange Zeit im Pop. Normalerweise wäre das neue, dritte Werk bereits Anfang 2016 erschienen. Doch ein außergewöhnliches Ereignis verhinderte dies. Weizel und Süggeler, die gemeinsam in Berlin eine Immobilie bewohnen, in der sich auch ihr Studio befindet, hatten beschlossen, ihr neues Album in englischer Sprache zu veröffentlichen - was zu Aufruhr im Fanlager führte. Frida Gold, einst gemeinsam an der Popakademie in Mannheim, kamen ihrem Job als Dienstleister nach und übersetzten ihre Titel auf Deutsch, schrieben zum Teil neues Material und überarbeiteten das Album deutlich - was wohl eine gute Idee war.

Alina Süggelers Gesang, auch wenn er so tief mit der Elektronik verschmolzen ist, dass man ihn bei den soundgewaltigeren Stücken nur wortweise verstehen kann, er wirkt enorm suggestiv. „Alina steht stellvertretend für all eure Namen“, sagt die Künstlerin, die über „eigene Monster“ singt - explizit im Stück „Dbnmmf“ - von denen sie nicht weiß, ob das Gegenüber sie ertragen kann. Auch die balladeske Single „Langsam“, zu der sich Süggeler durchgängig nackt in ihrer eigenen Altbau-Wohnung filmen ließ - ein zugegeben ästhetisch schöner Clip - fühlt in diese Kerbe hinein.

Im ersten Stück, „Andis Song“, singt sie zudem ihrem Bandpartner noch ein Beziehungsständchen - so viel Selbstoffenbarung war selten im deutschen Charts-Pop. Egal wie mutig, wunderbar, strategisch oder klebrig man dies findet, zugegeben werden muss: Alina Süggeler besitzt genau die richtige Mischung aus Talent, bemerkenswerter Offenheit und eine Spur von Geheimnis, die es braucht, ein Star und Nummer eins der Charts zu werden.

Musikalisch haben Frida Gold ihre Mischung aus alten Rave Grooves, dem Gespür für große Popmelodien und einem Hauch Chanson weiter perfektioniert. Den akustischen Balladen „Andis Song“, „Langsam“ oder „Wer einmal lügt“ stehen geschickt Spannung aufbauende Pop-Rave-Nummern gegenüber: „Rebel in Chanel“ ist eine old-schoolige, feministische Breakbeat-Orgie, die Spaß macht. Auch „Zurück zu mir“ bringt trotz elektrischer Lead-Gitarre Erinnerungen an die „Rave Nation Germany“ zurück, als man die Berliner Love Parade feierte und sich bunte Videos auf VIVA und MTV ansah.

In einem der besten Stücke des Albums, „In My Sleep“, flüstert Süggeler über Gefühle von Einsamkeit und Sehnsucht im Jetset-Leben, während zu schwerem Beat eine elektronisch verfremdete Stimme - oder ist es etwa ein Instrument? - von irrem Schmerz aber auch würdiger Grandezza befeuerte Blueskaskaden abfeuert. Mit dieser Hingabe kann auch elektronische Popmusik für die Masse zur emotionalen Heimat werden. Frida Gold besitzen sowohl das Talent als auch die Dreistigkeit, dies alles zu schaffen.

Frida Gold auf Tournee:

27.11.2016, Hannover, Capitol

28.11.2016, Dortmund, FZW

29.11.2016, Mannheim, Capitol

30.11.2016, Stuttgart, Im Wizemann

07.12.2016, Berlin, Postbahnhof

08.12.2016, Frankfurt, Batschkapp

09.12.2016, Dresden, Alter Schlachthof

11.12.2016, Hamburg, Mojo Club

12.12.2016, Leipzig, Täubchenthal

14.12.2016, München, Muffathalle

15.12.2016, Köln, Gloria

tsch

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